PETERLINDEN.LIVE

Workshop für Elfmeterschießen: Schweiz mit „Leibwächter“ ins Viertelfinale

Das letzte Achtelfinale zwischen der Schweiz und Kolumbien in Vancouver war das schwächste: 120 Minuten lang passierte wenig, kein Tor, danach Dramatik im Elfmeterschießen mit einem Happy End für Österreichs Nachbarn. Mit dem 4:3 erreichten die Eidgenossen erstmals seit ihrer Heim-WM 1954, also nach 72 Jahren, das Viertelfinale. Damals gab es in der Hitzeschlacht von Lausanne gegen Österreich ein 5:7, auch diesmal droht das Aus. Dass die Schweiz in der Nacht von Sonntag auf Montag Weltmeister Argentinien mit Superstar Lionel Messi in Kansas City eliminieren wird, kann niemand glauben. Vorerst genießt die Schweiz ihr Erfolgserlebnis. An dem auch Teamchef Murat Yakin im fünften Jahr seiner Ära seinen Anteil hat. Mit ungewöhnlichen Maßnahmen wie einem eigenen Workshop als Vorbereitung auf das Elfmeterschießen. Den gab es bereits vor der Weltmeisterschaft.

Damals wurde beschlossen, dass kein Schweizer allein zum Elfmeterpunkt geht. Sondern mit einem Mitspieler als eine Art „Leibwächter“. der verhindern soll, dass Gegenspieler versuchen, mit verbalen Attacken den Schützen aus dem Konzept zu bringen. Mit einer Ausnahme ging der Plan auf: Manuel Akanji, Innenverteidiger von Inter Mailand, jagte den dritten Schweizer Elfmeter weit über das Tor. Sein dritter vergebener in einem Turnier. 2021 war die Schweiz deshalb im Elfmeterschießen gegen England ausgeschieden, 2024 gegen Spanien. Trotz des Happy Ends schwor Akanji danach, in seiner Karriere nie mehr in einen Elfmeter zu schießen.

Zum Schweizer Helden wuchs aus Borussia Dortmunds Torhüter Gregor Kobel. Beim dritten Elfmeter Kolumbiens flutschte ihm der Ball unter der Hand durch, den vierten wehrte er beim Stand von 2:2 ab (Bild). Drei der vier Elfmeter verwandelten Spieler, die Yakin im Verlauf der Partie einwechselte: Zunächst Zeki Amdouni, dann Cedric Itten, als letzter Sevilla-Legionär Ruben Vargas den entscheidenden. Amdouni und Itten hatten keine gute Saison: Amdouni stieg mit Burnley aus der Premier League ab, Itten mit Fortuna Düsseldorf aus der zweiten Liga. Künftig spielte er bei Werder Bremen mit den Österreichern Romano Schmid, Marco Friedl und Marco Grüll.

Das Viertelfinale beginnt Donnerstagabend in Boston mit Frankreich gegen Marokko. Einen Tag später trifft Spanien auf Belgien.  Samstag gibt es in Miami das Torjägerduell zwischen Erling Haaland und Harry Kane bei England gegen Norwegen in Miami, bei dem Jan Age Fjörtoft als Experte im ServusTV-Studio sicher Höllenqualen leiden wird. Wie im Achtelfinale bestreitet die Schweiz in der Nacht auf Montag das letzte Spiel.

Die mobile Version verlassen