PETERLINDEN.LIVE

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 25

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Von Niels Liedholm erfuhren Romas Spieler die Aufstellung oft erst unmittelbar vor dem Spiel. Daran musste sich Prohaska erst gewöhnen. Der Schwede, früher selbst ein Klassefußballer, zwölf Jahre Legionär bei AC Milan, war der unberechenbarste Trainer, den er kennenlernte. Er machte oft genau das Gegenteil von dem, was man von ihm erwartete und schien daran, großen Spaß zu haben. Vor allem, wenn er damit die Journalisten, egal ob von den drei großen italienischen Sportzeitungen oder der Tagespresse, verwirren konnte. Wenn Mittelstürmer Roberto Pruzzo wochenlang nicht traf, im Formtief war, sprach er vom besten Pruzzo, den es je gab. Erzielte Pruzzo serienweise Tore, behauptete er, dass er mit Pruzzo eigentlich nicht zufrieden sei. Die Journalisten wussten nicht mehr, was sie von Liedholms Sagern halten sollten. Als Romas Spieler um ein Uhr nachts in einer Diskothek gesichtet wurden, kam dies prompt in die Medien. Alles rechnete mit einem verbalen Strafgericht des Trainers. Doch was sagte Liedholm? „Da seht ihr, wie brav meine Spieler sind. Ich hatte ihnen bis zwei Uhr früh freigegeben, sie gingen schon um eins!“

Bei jedem Training, egal ob bei Inter in Appiano Gentile oder bei Roma in Trigoria, waren zahlreiche Journalisten dabei. Wie immer schossen Romas Spieler vor Trainingsbeginn scharf auf das Tor. Als Liedholm aus der Kabine kam, traf ihn Prohaskas „Rakete“, die eigentlich ins Tor gehen sollte, genau in dem Augenblick, in dem er durch die schmale Lücke in der Hecke auf den Trainingsplatz tre fontana gehen wollte. Liedholm fiel lautlos um, wurde in die Kabine gebracht. Als er zurückkam, trug er eine Augenbinde, mit der er mehrere Tage aussah, wie der israelische Verteidigungsminister Moshe Dajan. Die Zeitungen hatten ihre Schlagzeilen: „Prohaska schießt den Trainer k.o.“, brachte es auf Seite eins neben die Politiker. Aber Liedholm war nicht nachtragend.

Im Vergleich zu Inter war Roma wie ein Schlaraffenland. Liedholm, der wegen seines Auftretens „Baron“ genannt wurde, ließ den Spieler alle Freiheiten. Keine strengen Essensregeln. Alles kam auf den Tisch. Es durfte sogar à la carte gegessen werden, jeder kam und ging, wann er wollte. Auch Kaffee, Bier und Wein waren erlaubt. Liedholm betrieb einen eigenen Weinhandel, ließ auch Sekt erzeugen. Den Spielern schenkte er nicht einmal eine Flasche. Es kaufte auch keiner einen Wein von ihm, viele tranken in seiner Gegenwart mit voller Absicht ein Produkt der Konkurrenz. Pruzzos Sager „der Liedholm-Wein ist nicht gut. Gebt einen anderen her“, ignorierte Liedholm. Er verstand einen Schmäh.

Die mobile Version verlassen