Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Vor der Saison 1982/83 galt Juventus Turin nicht nur bei italienischen Medien als haushoher Favorit für den Titel, den „Scudetto“. Gleich sieben neue Weltmeister im Kader, Roberto Bettega war nur deshalb keiner, weil er bei der WM verletzt ausfiel. Dazu kamen das französische Genie Michel Platini und der polnische Stürmer Zbigniew Boniek. Das galt als das stärkste Juventus aller Zeiten. Prohaska traute seinen Ohren nicht, als er bei einer der ersten Besprechungen bei Roma von Trainer Niels Liedholm hörte: „Sagt nur brav nach, was die Zeitungen schreiben, erklärt Juventus für unbesiegbar. Aber in Wirklichkeit wird Roma der Campione d´Italia!“ Das drang nie nach außen.
In Liedholms Meisterrechnung spielten die Neuen eine große Rolle. Der von Fiorentina geholte neue Manndecker Pietro Vierchowod war mit seiner Schnelligkeit die perfekte Ergänzung zum bedächtigen Libero Agostino Di Bartolomei, der neue Stürmer Maurizio Iorio, gekommen von Bari als Schützenkönig der Serie B, harmonierte gut mit Torjäger Roberto Pruzzo. Auch Linksverteidiger Aldo Maldera, zuvor bei Milan, und Prohaska eroberten auf Anhieb Stammplätze. Liedholms lange Leine ließ die Mannschaft aufblühen: Wenn am Sonntag gewonnen wurde, war Montag und Dienstag trainingsfrei. Alleine deshalb kämpften Romas Spieler Sonntag wie die Löwen. Mittwoch war der einzige echte Trainingstag, Donnerstag gab es Freundschaftsspiele, bei denen Liedholm die elf, die am frühesten kamen, beginnen ließ. Da Pruzzo fast immer zu spät erschien, war Prohaska öfters Mittelstürmer. Freitag gab es Taktiktraining, Samstag Schusstraining, danach ein Trainingsmatch. So wenig wie bei Roma trainierte Prohaska bei Inter und Austria nie. Dennoch dominierte Roma fast nach Belieben, war fast immer Tabellenführer.
Weltmeister Bruno Conti wurde rasch Prohaskas Freund. Conti trainierte so locker wie kein anderer, war obendrein starker Raucher. Der das Privileg hatte, sich nach dem Match, sogar oft noch im Dress, in der Kabine eine Zigarette anzünden zu dürfen. In Österreich war und ist das sogar in den Unterklassen verboten. Roma überraschte die Konkurrenz mit Raumdeckung, bei der nach Ballverlust alle ihre Positionen hielten, und im Mittelfeld mit dem extrem Kurzpassspiel zwischen dem Brasilianer Falcao, Conti, Carlo Ancelotti und Prohaska. Zum sportlichen Höhenflug kam noch ein privater: Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember brachte im alten AKH Frau Elisabeth die zweite Tochter, Birgit, zur Welt. Der Vater musste am gleichen Tag für Roma gegen Avellino im Cup Mittelstürmer spielen, da Pruzzo keine Lust auf einen Einsatz hatte, schoss das goldene Tor zum 1:0. Die Hebamme, die für Prohaskas erste Tochter Barbara zur Geburt einen violett-weißen Schal strickte, da er damals Austrianer war, hatte in der Nacht vor der Geburt Stress Sie glaubte, dass Prohaska noch bei Inter spielte, hatte einen Schal in den Inter-Farben vorbereitet. Am 16. Dezember wurde sie von Elisabeth „aufgeklärt“, dass Herbert inzwischen bei Roma spielt. Sie strickte die Nacht durch, zur Geburt war der Schal in rot und gelb fertig. Als Prohaska am 18. Dezember in der Entbindungsstation auftauchte, sah er Birgit mit einem Roma-Schal um den Hals.
