Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 28

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Schuld an Prohaskas Abgang war Falcao, ohne dass er es wollte. Es gab ständig Streit, einen Monat vor Ende der Saison forderte er eine höhere Gage, der Präsident lehnte ab. Falcao drohte nach Brasilien zufliegen und nie mehr zurückzukommen, was Dino Viola nicht beeindruckte. In den Cup-Spielen nach der Meister fehlte Falcao, er war schon in Brasilien. Ob Viola der Eklat gar nicht ungelegen bekam? Denn in der Hierarchie kam der Präsident klar hinter dem Superstar. Mit Falcaos Abgang wäre Viola Nummer eins gewesen. Trainer Niels Liedholm forderte einen ähnlichen Spielertyp und bekam Cerezo, einen der brasilianischen Stars bei der WM. Der unterschrieb für drei Jahre. Aber dann schaltete sich die Politik ein: Ministerpräsident Giulio Andreotti, der mit Viola die Fäden zog, trieb das Geld für Falcao auf, woher auch immer. Flog auf „Dienstreise“ nach Südamerika, traf sich in Brasilien mit Falcao. Danach entschuldigte sich Falcao, kündigte die Rückkehr an und seinen Vertrag zu erfüllen. Plötzlich hatte Roma zwei Weltklasse-Brasilianer unter Vertrag. Einen auszubezahlen, hätte Viola überfordert. Denn er stand mit seinem Privatvermögen für den Klub gerade. Die Ausländerregel erlaubte nur zwei Legionäre. Prohaskas Vertrag lief nur noch ein Jahr, also musste er gehen.

Die Vier-Millionen-Klausel ermöglichte die Heimkehr nach Österreich. Zunächst bemühte sich Wacker Innsbruck sehr um hin. Swarovski-Boss Gernot Langes setzte sich als großer Gönner des Klubs in seinen Privat-Jet, bot Romas Sportchef Previdi sogar mehr als notwendig war. Also wäre Roma der Wechsel nach Innsbruck lieber gewesen als die Rückkehr zur Austria. Die er in Tirol fixierte. Im  Ferienhaus von „Mister Austria“, Joschi Walter, der immer wieder bei Prohaska deponierte, er möge ihn rechtzeitig informieren, wenn er an die Heimkehr denke, in Kirchberg bei Kitzbühel, wurde alles fixiert. Danach rief Walter in leicht triumphierenden Ton Langes, den er gut kannte, an: „Er kommt dorthin, wo er hingehört, zur Austria!“ Roma hätte Prohaska lieber zu Torino transferiert, weil das viel mehr als vier Millionen Schilling gebracht hatte. Aber Prohaska bestand auf der Vertragsklausel, fuhr der Austria ins Trainingslager in der Nähe von Passau nach, damit der Trainingsrückstand nicht zu groß wurde. Einmal spielte er sogar ohne erteilte Freigabe illegal. Gegen einen bayrischen Bezirksligaklub. Damit dies ja nicht für Schlagzeilen sorgt, gab es die wenig originelle Idee, dass er unter dem Namen Maier spielen sollt. Der Name stand auch am Spielerblankett.

Das Match war noch nicht angepfiffen, als der Platzsprecher begeistert via Lautsprecher verkündete: „Ich darf Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass Italien-Heimkehrer Prohaska heute zum ersten Mal wieder für Austria spielt!“ Zum Überdruss beendete ein Tritt gegen den Knöchel das Geheim-Comeback, das keines mehr war. Der Knöchel schwoll an, die Angst war groß, dass dies in Rom bekannt werden könnte. Einen Tag nach dem missglückten Match kam aus Rom der erlösende Anruf via Anwalt Skender Fani über die erteilte Freigabe von Roma.

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