Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Jetzt war die „Villa Elsbetha“ im Klosteruburg-Kierling, die Familie Prohaska 1985 bezog, der neue Lebensmittelpunkt. Schon während der Itaien-Zeit entschied der Familienrat inklusive der Schwiegermutter, die schon nach Maiand übersiedelt war,ein Haus zu kaufen. Im Grünen, ncht weit weg von Wien. Das wurde nach einem Tipp von Austrias Ex-Präsident Leopold Böhm gefunden. Sobald sich der Italien-Heimkehrer einigermaßen fit glaubte, stieg er wieder in die Vorbereitung ein. Die Arbeitsweise von Wenzel Halama war nicht gerade hilfreich. Prohaska heißt, aus dem tschechischen übersetzt, Spaziergang. Das für ihn viel zu harte Halama-Training war wirklich keiner, sondern mit ein Grund, dass er sich in der ganzen Saison nicht mehr wirklich erfing. Er bezeichnet die erste nach zwei Jahren Italien im Rückblick als die schlechteste in seiner ganzen Profikarriere. Es fehlte durch die verkürzte Vorbereitung praktisch an allem, was Ausdauer und Schnelligkeit anbelangt. Da folgte hämische Kommentare in den Medien und von den Rängen. Ausgebrannt sollte er mit 28 Jahren im besten Profialter sein. Keine leichte Zeit für Prohaska.
Dann kam die dritte Runde im UEFA-Cup gegen seinen Ex-Klub Inter Mailand. Ein Jahr nach dem erzwungenen Abschied. Es war ein Treffen mit Freunden, da ist man immer am Rasen etwas gehemmt. Sein bester Freund, der ehemalige Zimmerkollege, Gabriele Oriali, war sein direkter Gegenspieler, der ihn manndecken sollte. Prohaska predigte seinen Mitspielern ständig, dass die Austria genauso gut wie Inter ist. Danach sah es beim ersten Spiel im Praterstadion gar nicht aus. Der Austria fiel gegen Inters Abwehrmauer nichts ein, kassierte aus einem Konter das 0:1. Erst als Inters Trainer Gigi Radice den kreativen Evaristo Beccalossi austauschte, um noch mehr Beton anzurühren, kam die Wende. Der ungarische Topstar Tibor Nyilasi den „Mister Austria“ Joschi Walter noch vor Prohaskas Rückkehr mit einem finanziellen Kraftakt von Ferencvaros Budapest holte, sorgte mit zwei Kopftoren für Austrias 2:1. Das tat für der Rückkehr ins San Siro gut.
Zwischen Hin-und Rückspiel saß Prohaska dort auf der Tribüne, sah im Duell seiner italienischen Klubs Roma 0:1 verlieren. Nachher baten ihn Inter-Fans um ein Gespräch, um ihm mitzuteilen, dass den Austria-Fans in Mailand wegen einiger Vorkommnisse beim erste Spiel Schlimmes drohen werde. Prohaska warnte in einem Tonband die Austria-Fans, gab gute Ratschläge. In der Meisterschaft verletzte er sich am Knie. konnte es nur zu 70 Prozent abbiegen. Gegen keinen anderen Klub hätte er so lädiert, mit einem riesigen Tapeverband gestützt, gespielt. Er konnte auch keine Akzente setzen. Ein Traumspass von Karl Daxbacher führte zum Führungstor von Istvan Magyar, Friedl Koncilia rettete mit Superreaktionen das 1:1 und den Aufstieg. Prohaska wusste aus eigener Erfahrung, wie Inter-Fans reagieren, wenn sie wütend und frustriert sind. Sie werfen alles Mögliche auf das Spielfeld. Daher lief Prohaska sofort in Richtung Kabinengang, kam halbwegs davon. Nicht hingegen seine Mitspieler. Jeder wurde einzeln von einem Carabineri durch den Geschosshagel gebracht. Wirklich nicht angenehm. Im Autobus standen die Aufsteiger auf dem Gang, um möglichen Steinwürfen zu entgehen.
Ein Austria-Fan erlitt einige Stichwunden, Austrias Klubarzt leistete erste Hilfe. Halama machte sich bei den Medienleuten noch unbeliebter als er es ohnehin schon war, weil er sich trotz der gefährlichen Situation vor dem Stadion weigerte, Journalisten ausnahmsweise im Mannschaftsbus mitzunehmen. Freude kam keine auf. Die Aufstiegsfeier im Hotel Jolly wurde kurzerhand abgesagt.