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Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 38

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Alle Versuche von Prohaska, Boss Joschi Walter zu überreden, Antreiber Andi Ogris, das Herz der Mannschaft, nicht ziehen zu lassen, scheiterten. Aber am Ende gratulierte Prohaska Walter zu dem Deal. Er versprach, nur ein Superangebot anzunehmen. Die geforderten 22 Millionen Schilling konnte Espanyol Barcelona nicht aufbringen. Aber Walter schloss ein sensationelles Leihgeschäft, ausgehandelt im Fünfsterne-Restaurant Steirereck, damals noch unweit des WAC-Platzes, ab: 11 Millionen für ein Jahr, Ogris blieb dennoch im Besitz der Austria. Das waren nur zwei Millionen weniger als Inter zehn Jahre vorher für Prohaskas Kauf bezahlt hatte. Da stimmte auch Prohaska zu, obwohl er vorerst nur noch drei Stürmer hatte: Ralph Hasenhüttl, Hannes Pleva und Manfred Nastl, der aktuell seit vielen Jahren Didi Kühbauers Assistent auf all seinen Trainerstationen ist. Daher erklärte Prohaska dem Boss, in der Besetzung werde es nicht gelingen, den FC Tirol als Meister zu enttrohnen.

Walter beendete das Streitgespräch mit der Ankündigung, gleichwertigen Ersatz zu besorgen. Er hielt Wort. Über seinen Freund, den Nationalratsabgeordneten Kurt Heindl, einem riesigen Austria-Fan, gelang es ihm, Kontakte zu zwei Spielern zu knüpfen, die Prohaska noch aus aktiven Zeiten, aus den UEFA-Cup-Spielen gegen Schalgiris Wilna aus Litauen im Herbst 1988 kannte: Sowohl Mittelstürmer Valdas Ivanasukas als auch Mittelfeldspieler Arminas Narbekovas stellte damals die Austria vor größere Probleme. Heindl, der über beste Geschäftskontakte in die ehemalige Sowjetunion verfügte, gelang es, die beiden zum Probetraining nach Wien zu holen. Sie wurden für vier Monate bei Lok Moskau „zwischengeparkt“. Ihre Namen wusste Prohaska längst nicht mehr, aufgrund der Positionen fand Heindl heraus, um wen es sich handelte. Die Sichtung dauerte nicht lange:  Grandiose Fußballer, für die jedes Probetraining eine Beleidigung war. Ab 1. November 1990 waren sie offiziell Austrianer.

Narbekovas beherrschte den tödlichen Pass, suchte selbst den Abschluss, Mittelstürmer Ivanauskas war noch wilder als Ogris. Das zeigte er mitunter auch im Privatleben. Nach kurzer Zeit in Wien sorgte er bereits für den Einsatz der Polizei, als er im zweiten Bezirk gegen die Einbahn fuhr. Walter konnte mit seinen Kontakten alles regeln. Im Training spürten auch seine Mitspieler das Temperament von Ivanauskas. Etwa der jetzige Hartberg-Trainer Manfred Schmid. Der verzog selbst bei der ärgsten Provokation keine Miene, schlug beim nächsten Zweikampf zurück. Ivanauskas war nahe am Explodieren, kündigte Schmid an: „Das nächste Mal breche ich Dir den Fuß!“ Prohaska beendete das Training, holte Ivanauskas zu sich, kündigte ihm an: „Beim nächsten Revanchefoul bekommst Du von mir ein Flugticket nach Wilna, aber keines mehr zurück nach Wien!“ Ivanauskas erkannt den Ernst der Lage. Nach wenigen Spielen versprach Prohaska: „Mit den beiden wird die Austria Meister!“ Obwohl ihr Debüt in der 19. Runde mit einer Niederlage (0:1 in der Grazer Gruab´n“) gegen Sturm geendet hatte. Aber nach dem Herbst, nach 22 Runden, lag der FC Tirol vor dem Play off noch um zwei Punkte vorne.

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