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Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 55

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Spätestens, als Austrias Präsident Rudolf Streicher Herbert Prohaskas Frage, wie viel Geld auf dem Transfermarkt zur Verfügung steht, kurz und prägnant mit „null“ beantwortete, wusste Prohaska, dass seine Rückkehr zu Violett ein Sieg des Herzens über den Verstand war. Ihm war völlig klar, dass die Anwesenheit von Erich Obermayer und ihm allein nichts bewirken konnte. Doch den  Verein, der ihm in seiner Karriere am meisten gegeben hatte, zu verlassen, war für ihn keine Option. Er wusste aber einen, der zum Thema Austria-Hilfe nicht nein sagen konnte, wenn er ihn darum bat. Es war Leopold Böhm, der Präsident in seinen Spielerzeiten, danach einer seiner wichtigsten Berater. Er gab ein Darlehen von 600.000 Euro, um die ärgsten Schwächen wenigstens irgendwie kaschieren zu können. Prohaska suchte vor allem einen Sturmpartner für Christian Mayrleb. Als Topkandidat galt der Kroate Nino Bule, der Jahre später in Österreich bei Austria Salzburg, Pasching und Admira spielte.  Sportchef Friedl Koncilia, Obermayer und Prohaska fuhren oft nach Kroatien, doch mit jeder Beobachtung stieg der Preis. Böhm hätte sogar eine Million geborgt, doch weil immer wieder andere Bule-Manager auftauchten, wurde das Projekt ad acta gelegt. Zum Polen Pavel Sobczak sagte Prohaska nach einem Probetraining ja, was er bald wieder bereute. Denn der Pole wollte ständig Sonderurlaub. Für die  Hochzeit, zwei Monate später für die Scheidung, dann für die Pflege eines schwer kranken Kindes mit einer anderen Frau.  Ein Desaster. In letzter Minute bekam Prohaska noch den Nigerianer Georges Datoru, der zuvor bei Admira und Vorwärts Steyr war, bei Austria eingebürgert wurde. Bei ihm passte die Einstellung, nur hatte er ein anderes Problem: Er schoss selten Tore. Auch die Suche nach einem Innenverteidiger endete nicht so, wie erhofft. Der Kroate Mladen Ivancic von Rijeka war zwar im Luftkampf eine Macht, aber langsam und schwach beim Herausspielen. Das bemerkte Prohaska erst, als Ivancic bei Austria war. Bis auf Ivancic und Datoru hatte Prohaska die gleiche Mannschaft, die eine Saison zuvor Siebenter wurde.

Dennoch brach unter den Fans eine Art Euphorie aus. Die Devise hieß: „Schneck is back“.  Das erste Heimspiel gegen den von Kurt Jara trainierten FC Tirol war ausverkauft, ging 0:2 verloren. Aber die Mannschaft hatte mit Toni Pfeffer, Rashid Rachimow, Peter Stöger und Christian Mayrleb einen guten Kern. Darum wurde nach einer 0:3-Derbypleite gegen Rapid mit dem herausragenden Dejan Savicevic aus sechs Runden das Punktemaximum geholt. Mittendrin passierte etwas, was sich später als Schicksalstag für Prohaska herausstellen sollte: Bei der Austria-Generalversammlung am 12. Oktober 199 hörte Streicher als Präsident auf, übergab an Vize Georg Sattler. Weiters wurde der Einstieg von Frank Stronach als Großsponsor mit seinem Magna-Konzern beschlossen. Prohaska fühlt sich von Streicher im Stich gelassen, weil der ihm versprochen hatte, mit ihm zwei Jahre zu arbeiten, um die Austria wieder an die Spitze zu führen. Mittendrin lief er davon. Andererseits knüpfte Prohaska an Stronach Hoffnungen, drei Klassespieler zu bekommen, um aus der Austria wieder ein Spitzenteam zu machen. Zumal Stronach bei jeder Gelegenheit sagte, mit der Austria in der Champions League mitspielen zu wollen.

 

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