Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Zu Prohaskas Domänen zählte das Stadthallenturnier um die Weihnachtszeit. Sechsmal gewann er es mit der Austria als Spieler, dreimal als Trainer, zehnmal wurde er zum König des Bandenzaubers gewählt. Der wurde sozusagen in Wien von dem Mann, der im Frühjahr 1975 als Sektionsleiter bei Austria auf der Trainerbank saß, von Josef Argauer, erfunden. Und funktionierte gut, wie die vollen Ränge in der Halle zeigten. Prohaska redet heute über den Event auf Parkettboden am Vogelweidplatz als Champions League unter Europas Hallenturnieren, kann nicht verstehen, dass er abgeschafft wurde. Mit dem Argument, der optimalen Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die Heim-Europameisterschaft 2008.
Er blieb in 17 Jahren Stadthalle von Verletzungen verschont. Das Spiel in der Halle war sein liebster Fußball. Er fieberte jedes Jahr dem Turnier in seinem „Wohnzimmer“ entgegen. Die Erwartungshaltung an die Austria und speziell an ihm war stets sehr groß. Ein Tor zählte erst richtig, wenn der Letzte den Ball ins leere Tor rollte. Die violette Einsergarnitur mit Robert Sara, Erich Obermayer, Karl Daxbacher, Ernst Baumeister und Prohaska hielt jeden Vergleich mit der berühmten Showtruppe im Basketball, den Harlem Globetrotters stand, waren das für Hallenfußball. Nur Obermayer verteidigte, der Rest stürmte. Schnell einige Tore vorlegen und dann für die Leute spielen, das war die Devise. Fast alles war erlaubt, was Schmäh, Dribblings oder Tricks betraf. Es gab Standing Ovations, mitunter war auch eine Verhöhnung des Gegners dabei, auch wenn sie nicht beabsichtigt war.
Die Überlegenheit der Austria war so groß, dass intern in der Einsergarnitur festgelegt wurde, wer Torschützenkönig wird. Einmal, als der Stadthallentitel schon fixiert war, wollten die Mitspieler Prohaska zur Nummer eins machen. Er lehnte das ab. Er wollte nie Torschützenkönig sein. Warum auch immer, er war sogar stolz darauf. Es entstand ein Duell zwischen den Mitspielern und dem Torverweigerer Prohaska. Das ging einmal so weit, dass er den Ball, den ihn Sara aufgerollt hatte, nicht ins leere Tor schoss. Sara war anfangs sehr böse darüber. Später stellt sich heraus, dass Prohaska in der Jugendzeit bei Ostbahn XI einmal Schützenkönig in der Halle war. Den Streit mit seinem Freund Sara hätte er sich sparen können.
