Eishockey

107 Legionäre bei acht Klubs: Der Eishockey-Wahnsinn kennt keine Grenzen

Freitag beginnt die Zwischenrunde der Ice Hockey League. Trotz Corona konnte der Grunddurchgang zum geplanten Termin beendet werden, das verdient Beifall. Aber ansonst? Ist eigentlich Kopfschütteln angesagt. Vor allem über die Legionärsflut. 197 Ausländer kamen bisher zum Einsatz, das sind im Schnitt pro österreichischem Klub 13,35.  Obwohl die besondere Situation mit leeren Hallen usw. geradezu die Aufforderung bedeutet, Österreicher zu forcieren, Talent einzusetzen. Das taten eigentlich nur der KAC, die Vienna Capitals und Salzburg. Das sind auch die drei österreichischen Klubs, die bereits im Play-off-Viertelfinale stehen. Die Salzburger Bullen verbrauchten zwar bisher auch 16 Transferkarten, gaben aber auch stets Österreichern genügend Eiszeit. Nicht nur den Arrivierten wie Dominique Heinrich, Thomas Raffl,  Alexander Rauchenwald etc., sondern auch den jungen Hoffnungen.  Wie Yannick Pilloni, Tim Harnisch, Paul Huber oder Kilian Zündel, als der wieder gesund war.

Der KAC hat gar nur sieben Legionäre unter Vertrag. Trotzdem holten die Klagenfurter im Jänner 29 von 33 möglichen Punkten. Daran hatte zwar auch der dänische Tormann Sebastian Dahm großen Anteil, aber 60 Prozent der Scorerpunkte gehen auf das Konto der österreichischen Spieler. Bei den Vienna Capitals standen wegen Ausfällen mitunter nur drei oder vier Legionäre am Spielbericht. Bei einem Spiel gab es nur österreichische Torschützen, geradezu eine Rarität. So wie die Tatsache, dass Routinier Bernhard Starkbaum und der 18 jährige Sebastian Wraneschitz (Bild oben), der auch bei der U 20-WM sein Können unter Beweis stellen konnte, ein österreichisches Torhüterduo gibt. Auf einen Ausländer im Tor zu verzichten, traut sich kein anderer Klub. Spieler der Jahrgänge 1999, 2000 und 2001 wie Lukas Piff, Timo Pallierer, Patrick Antal, Niko Hartl  und Fabio Artner bewiesen, durchaus mithalten zu können, die älteren wie Ali Wukowits, der beste österreichische Scorer in der Liga, Sascha Bauer, Patrik Kittinger oder Benjamin Nissner bekamen mehr Eiszeit als gewohnt. Eine neue Personalpolitik, ein Kritikpunkt ist doch angebracht: Nach der U 18 gibt s für die Talent keine Zwischenstation mehr. Keine U 20 oder eine Mannschaft in der Alps League. Die haben die Capitals in Corona-Zeiten aufgelöst. Gut ist das sicher nicht.

Bernd Freimüller, der österreichische NHL-Scout und Kenner, bezeichnete ein seinem „Report für „LaOla 1“  nur sechs der 107 Legionäre als Volltreffer, nur 13 als wertvolle Verstärkung und 19 als solide. Macht zusammen 38. Das heißt: Der Rest kommt über den Status von Mitläufern und Fehlgriffen nicht hinaus. Wer stoppt diesen Wahnsinn? Der neue Verbandspräsident Klaus Hartmann wird s wohl nicht sein, wenn man zum Maßstab nimmt, dass er das Nationalteam als Aushängeschild im Februar nicht spielen ließ, damit mehr Zeit für die Ausländerliga bleibt. Absolut nicht nachvollziehbar. Christian Feichtinger, der Liga-Geschäftsführer, argumentiert, dass die Preise für die Importe derzeit im Keller sind, aber österreichische Spieler trotzdem ihren Platz in der Liga haben. Aber zu wenig, für die Legionäre, die sich nur in Ausnahmefällen mit ihrem Klub identifizieren, bleibt viel zu viel. Die großen österreichischen Sünder sind Dornbirn, Graz, und Linz (je 15 Legionäre), Innsbruck und Villach (je 14).  Linz ist Letzter, Villach Vorletzter, Innsbruck Drittletzter.

Es gibt wenige, die glauben, dass einer aus dem Trio  einen der drei Play-off-Plätze erobern wird.  Linz holte zuletzt einen 33 jährigen Letten, Villach einen 35 jährigen tschechischen Verteidiger und mit Jakub Sedlacek den bereits dritten Importgoalie in dieser Saison. Unglaublich. Der frühe Tod der Villacher Legende Jeff Geiger mit 63 Jahren erinnerte an bessere Zeiten, als Villach mit dem Austro-Kanadier dreimal Meister warn. Aber damals  gab es auch  Eigenbauspieler, die zu dem Höhenflug beitrugen, denen man zum Unterschied von aktuellen Zeiten Vertrauen schenkte. Und noch eine Frage muss erlaubt sein, ob nicht österreichische Trainer mehr bringen würden wie so mancher aus dem Ausland, wenn man ihnen eine Chance gibt.  Das beste Beispiel heißt Dan Ceman. Bei Villach erlitt er Schiffbruch, bekam dann den Job in Linz statt des überforderten Pierre Beaulieu. Effekt? Null.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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