Fußball

1,18 Millionen oder die Fragezeichen hinter den Sky-Jubelzahlen

Stunden vor den Europa League-Spielen von Red Bull Salzburg oder zwei Tage vor der letzten Bundesligarunde in diesem Jahr rückte der TV-Rechteinhaber „Sky Österreich“ in Person seiner deutschen Geschäftsführerin Christine Scheil die Zuschauerzahlen der bisherigen 17 Runden seit Juli heraus. Die sie ebenso sehr zufrieden stellten wie  Bundesliga.Vorstand Christian Ebenbauer. Im Schnitt soll es 1,18 Millionen Kontakte pro Runde bei allen Sendungen aller Partner von Samstag bis Montag Abend gegeben haben. Scheil sprach  von 1213 Stunden Bundesliga die Sky in der Saison produziere, wovon man 48 im Free-TV sehen könne. Mit Verlaub, hinter den 1,18 Millionen stehen aber doch Fragezeichen.

„Sky“ lehnt die bisher üblichen Hochrechnungen über die Zuschauerzahlen, genannt Teletest, als altmodisch und konservativ ab. Fordert modernere, angepasste  Methoden. Die 1,18 Millionen setzen sich zu 55 Prozent aus Kunden beim bisher üblichen linearen Fernsehen, also vor dem TV-Schirm in den Haushalten, zusammen. 38 Prozent empfangen die Bundesliga laut Sky  digital über Tablets und  Smartphones via Sky-Go, sieben Prozent sind Zuseher in den Sportbars. Wie man das alles genau ermittelt kann? Fakt bleibt, das zu den 1,18 Millionen auch die Zuseher der anderen Medienpartner gerechnet werden. Auch die des ORF bei den Highlight-Sendungen am Samstag und Sonntag. Also muss man von den 1,18 Millionen schon einen sechsstellige Zahl abziehen. Sky Österreich hat laut eigenen Angaben etwa 350.000 Kunden. Ob da wirklich jeder die Spiele der Zwölferliga ansieht? Zudem stellte sich bei den Kontakten die grundsätzliche Frage der Verweildauer. Dafür gibt´s auch keine Ermittlung. Ein kurzer Klick für einige Sekunden ist für Sponsoren und Werbeparter nicht relevant.

Ebenbauer muss gute Miene zu alldem machen. Man kann nicht schon nach fünf Monaten in Frage stellen, sich für 13 Millionen mehr, insgesamt 35, total „Sky“ ausgeliefert zu haben. Das würde nicht gut aussehen. Für Ebenbauer zählen mehr Geld für die Klubs als bisher, mehr Sichtbarkeit der Liga und mehr Planungssicherheit. Da nicht mehr wie beim ORF die Beginnzeiten der Spiele wegen Übertragungen der Formel 1 oder des Skisports mitunter geändert werden müssten. Ebenbauer konnte nicht letzten Freitag  bei der Verteilung der TV-Gelder, die sieben von zwölf Klubs ändern wollten und damit praktisch alles in Frage gestellt hätten, für Kontinuität plädieren und dann selbst anders handeln. So stellt er fest, dass einige Klubs die Möglichkeit, ihre Spiele zeitversetzt auf der eigenen Homepage zu zeigen, bisher nicht nutzten.

Das Problem ist nur, dass die Mehrzahl der Vereine nur die Teletest-Zahlen interessieren, die auch einfordern. Ganz einfach, weil nur die für ihre  Sponsoren relevant sind. Die geben sich mit den 1,18 Millionen Kontakten nicht zufrieden, wollen weniger über digitale Daten hören. sondern konkrete Teletest-Zahlen wie bisher über Reichweiten etc. sehen. Und wenn die nicht so hoch wie bisher sind, dann werden sie darüber nachdenken, ob es weiter für sie Sinn macht, die Klubs in einem Ausmass wie bisher zu unterstützen. Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen Sky und Teletest über die Adaptierung der Berechnungsmethode. Bis zum Frühjahr soll müsste es ein Ergebnis geben. Sonst droht etwas Ungemach.

 

 

Foto: Österreichische Fußball-Bundesliga Geschäftsbericht 2017∕18.

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