Segel-Olympiasiegerin Lara Vadlau trug den Pokal auf den Rasen, den Ehrenankick machte Skistar Marco Schwarz, 20.500 Zuschauer im Klagenfurter Wörthersee-Stadion bedeuteten einen würdigen Rahmen, sorgten für Stimmung. Aber zum Leckerbissen wurde das erste Cupfinale zwischen Wolfsberg und Hartberg nicht. Man merkte den Finalisten an, dass es ihr erstes Endspiel war, keiner wollte einen entscheidenden Fehler begehen. Schließlich gab es mit Wolfsberg den verdienten Sieger. Das 1:0 (0:0) bedeuteten den ersten Cupsieg einer Kärntner Mannschaft, seit 24 Jahren, seit dem damaligen Zweitligsiten FC Kärnten unter Walter Schachner, den ersten Titel von Didi Kühbauer als Trainer. Den schaffte er nicht auf seinen vorigen Stationen mit Rapid und dem LASK, sondern mit Wolfsberg.
In der ersten Hälfte traf Wolfsberg durch Dejan Zukic die Latte, durch Simon Piesinger die Stange. Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte vergab der Australier Jed Drew bei Hartbergs erster gelungener Offensivaktion den Sitzer zur Führung. Danach tat sich wenig, es sah fast schon nach Verlängerung aus. Nach 75 Minuten tauschten sowohl Kühbauer als auch Hartbergs Trainer Manfred Schmid zweimal: Kühbauer brachte für Piesinger und den diesmal eher unauffälligen Thierno Ballo Ervin Omic und Angelo Gattermayer, Schmid wechselte Linksverteidiger Furkan Demir und Tobias Kainz für Manuel Pfeifer und Youba Diarra aus. Kühbauers Joker brauchten nur 88 Sekunden, um zu stechen: Omic kam dort durch, wo zuvor Demir verteidigte, seine Flanke verwandelt Gattermayer per Kopf. Das war eindeutig schwieriger als kurz danach den Sitzer zum 2:0 zu vergeben. Zur klaren Ausgleichschance kam Hartberg bis zum Schlusspfiff des souveränen Tiroler Referees Walter Altmann nach 95 Minuten nicht mehr.
Goldtorschütze Gattermayer, 22 Jahre jung, hat eine besondere Entwicklung: Bei Admira kam er in der Abstiegssaison dank Trainer Andi Herzog in die Mannschaft (fünfmal Startelf, achtmal eingewechselt), nach einem Jahr in der zweiten Liga wechselte er zu Waldhof Mannheim in die dritte deutsche Liga. Dort lief gar nichts. Nach einem halben Jahr verlieh ihn Mannheim an Zweitligist Amstetten, letzten Sommer kaufte ihn Wolfsberg vom deutschen Traditionsklub um einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Die Saisonbilanz von Gattermayer, der sechsmal in Österreichs U 21 spielte. In der Bundesliga 15 Spiele in der Startelf, neunmal eingewechselt, dabei drei Tore und Assists. Am Weg zum Cuptriumph viermal von Beginn in Einsatz, zweimal als Joker. Seit Beitrag zu Wolfsberger Meilenstein waren drei Tore: In der ersten Runde gegen Draßburg, im Viertelfinale gegen Zweitligist Schwarz Weiß Bregenz, vor allem im Finale das einzige. Gattermayers Marktwert liegt bei 700.000 Euro.
Präsident Dietmar Riegler verfolgte die 95 Minuten zum ersten Titelgewinn seiner Ära wie bei Wolfsberger Heimspielen gewohnt vor dem Kabinengang. Neben ihm Vizepräsident Christian Puff und Obmann Jürgen Schretter. Zur Jubeltraube rund um das Trio gehörte nach Schlusspfiff auch Präsidentengattin Waltraud. Cupsieger Wolfsberg ist nächste Saison fix im Europacup, hat vor den letzten vier Runden der Meistergruppe noch Chancen auf das Double. Dennoch gab es keine „Verbot“ zum Feiern des Cupsiegs von Kühbauer: „Natürlich wünscht man sich ein attraktives Finale, aber heut ist das scheißegal“, sagte er in seiner ehrlichen Art in die ORF-Mikrofone. Für ihn ist es ein persönlicher Triumph, dass er als Cupsieger am Sonntag zu seinem Ex-Klub nach Hütteldorf kommt, bei dem er nach drei Jahren am 10. November 2021 als Trainer beurlaubt wurde, als Rapid nur auf Rang acht stand. Jetzt hat es Rapid Wolfsberg zu verdanken, dass Platz fünf noch eine Chance bietet, sich für einen Europacup-Platz zu qualifizieren.
Foto: ÖFB/Jasmin Walter.