Es gibt es sonst nirgend auf der Welt, aber in Österreich gleich zweimal in dreieinhalb Jahren. Erstmals 2022 im Wiener Happel-Stadion nach dem 1:2 gegen Dänemark in der Nations League. Damals lag es an einem Fehler im Unterbau des Rasens, sprich an der Drainage. Samstag passierte es im Linzer Stadion, während Österreich den 1:0-Vorsprung gegen Zypern verteidigte, nach 72 Minuten. Der einzige, den dies gefreut haben könnte, ist Wiens Sportstadtrat Peter Hacker, weil dadurch die Hauptstadt nicht mehr „exklusiv“ den Spott hat. In Linz beginnen die Untersuchungen über die Ursache am Montag, die über das schlimme „Leistungsloch“ des Teams beim so schwer gefallenen Pflichtsieg gegen Zypern begannen schon im Bus auf der Rückfahrt von Linz ins Dilly Resort nach Windischgarsten. Dass so etwas nicht noch einmal vorkommen darf, darüber bestand Einigkeit. Denn sonst wird es Dienstag im Dilino Polje-Sadon von Zenica sicher das dritte sieglose Auswärtsspiel gegen Bosnien geben. 2001 gab es in Sarajevo unter Otto Baric in der verpassten WM-Qualifikation ein 1:1 , wobei Bosniens aktueller Teamchef Sergej Barbarez das Führungstor erzielte. 2018 gewann Bosniens in der Nations League durch ein Tor von Edin Dzeko, der auch Dienstag spielen wird, 1:0. Der damalige Teamchef Franco Foda bot fünf auf, die sieben Jahr später wiedeer dabei sind: David Alaba, Florian Grillitsch, Michael Gregoritsch, Marcel Sabitzer und Marko Arnautovic.
Aber was kann sich innerhalb von drei Tagen ändern? Teamchef Ralf Rangnick versprach nicht einmal Stunde nach dem Schlusspfiff in Linz ein anderes Spiel mit einer anderen Leistung. Das heißt: Mit weniger Fehlern, mit mehr Ideen. Da Rangnick sicher nicht fünf Spieler auswechseln wird wie sein deutscher Kollege Julian Nagelsmann nach dem 0:2 in der Slowakei, heißt es: Mit wenigen Ausnahmen müssen alle besser sein als am Samstag. Die Ausnahmen: Tormann Alexander Schlager, Philipp Lienhart und Alaba. Selbst beim Kapitän gab es noch Luft nach oben, aber nach der langn Pause waren die 70 Minuten okay. Selbst er sagte: „Wir müssen alle eine Schippe drauf legen!“
Anzunehmen, dass diesmal Romano Schmid und Gregoritsch zu den ersten elf gehören. Mit beiden lief es in der zweiten Hälfte besser als in der ersten. Arnautovic hilft in seiner aktuellen Verfassung nicht, das muss seit Samstag jedem klar sein. Warum ein Offensivspieler, der ständig spielt und in dieser Saison mehr Tore erzielte als jeder anderen Teamspieler, keine Minute zum Einsatz kam, wird Rangnicks Geheimnis bleiben. Bosniens 6:0-Kantersieg täuscht etwas: Mit einem Mann mehr ab der 16. Minute stand es bis zur 72 nur 1:0. Mann des Spiels war Salzburgs Jungstar Kerim Alajbegovic: Seit Samstag ist er nicht nur der jüngste Debütant in Bosniens Länderspielgeschchte, sondern auch der jüngste Torschütze. Dienstag will er im Salzburger Duell auch gegen Alexander Schlager treffen. Der Ex-Salzburger Amar Dedic gehörte Samstag zu den drei Stützen, die Teamchef Sergej Barbarez schonte.
Schiedsrichter wird einer sein, mit dem Österreich vor einem Jahr schlechte Erfahrungen machte: Der 41 jährige Spanier Jesus Gil Manzano pfiff am 17. Juni 2024 beim 0:1 im ersten EM-Gruppenspiel gegen Frankreich in Düsseldorf, übersah in der Szene vor dem Eigentor von Max Wöber einen Eckball für Österreich, gab Abstoß. Danach fiel das Tor. Ralf Rangnick artikulierte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel nicht nur wegen dieser Szene den Ärger über den Spanier, der zum Skandalreferee der Europameisterschaft wurde. Denn danach wurde er abgezogen, durfte kein Spiel mehr pfeifen.
Foto: Sky Austria.