Nach sieben Monaten verlor die Austria ihren Sportdirektor mit dem gesuchten Stallgeruch: Michael Wagner quittierte offiziell am Montag seine Dienste. Ein Schritt, der alles andere als überraschend kam, zu erwarten war. Denn anders als bei seinem Amtsantritt im November hatte der 50-jährige, dem es wirklich nicht an Selbstbewußtsein mangelt, ab Jänner einen Vorgesetzten. Durch die Installierung von Thomas Zorn als Sportvorstand. Die Position darf von der WTF-Investorengruppe um den ehemaligen Sportvorstand Jürgen Werner besetzt werden. Es dauerte Wochen, bis der Aufsichtsrat den Vorschlag Thomas Zorn einstimmig akzeptierte, damit hatte Wagner keine Entscheidungsgewalt mehr. Ohne Zorn ging nichts mehr. Dass er dies nicht akzeptierte, war zu erwarten.
Wagners Bestellung stammte noch aus der Zeit, in der die Austria nach dem Rücktritt von Werner im August andere Vorstellungen hatte. Die in dem ominösen Mail von Finanzvorstand Harald Zagiczek im letzten August, die für viel Aufregung sorgte, klar zu lesen waren: Er als alleiniger Vorstand mit einem starken Sportdirektor an der Seite. Schon damals war von Wagner die Rede, im November war die Konstellation so, wie sie Zagiczek wollte. Sofort wurde eine neue sportliche Strategie verkündet, Talente aus der eigenen Akademie mehr als bisher zu forcieren. Wer die Qualitäten für die Bundesliga, spielte egal vom Alter, aber auch schon vorher. Nur kamen schwere Verletzungen bei Florian Wustinger oder Ziad el Sheiwi, der heuer seine Karriere beenden musste, dazwischen. Die Austria-Legende Wagner verkaufte die Vertragsverlängerungen von Sanel Saljic und U 17-Weltmeister Vasilje Markovic als seinen Erfolg ebenso den Verkauf von Ifeany Ndukwe an Liverpool um drei Millionen Euro. Das zu behaupten, ist verwegen. Denn hätte Ndukwe nach seinen auffälligen Leistungen bei der U 17-WM ein Jahr in der Bundesliga gespielt, was laut Vertrag möglich gewesen wäre, hätte der 17-jährige viel teurer verkauft werden können. Man denke nur an die 19 Millionen, die Red Bull Salzburg für den 19-jährigen Innenverteidiger Jannik Schuster nach 50 Bundesligaspielen von Brentford bekommt. Der langfristige Vertrag mit Ndukwe wurde bereits vor Wagners Zeit fixiert – von Werner.
Wagner nannte veränderte Rahmenbedingungen als Grund für seinen Rückzug. Das ist ehrlich. Denn er ist einer, der selbst Entscheidungen treffen will. Das war über den Kopf von Zorn hinweg nicht möglich. Und das wäre es auch in unmittelbarer Zukunft so geblieben. Denn die nötigen sieben Millionen, mit der die WTF-Anteile an der Austria-AG zurückgekauft werden könnten, wird die Austria auch in naher Zukunft nicht haben. Anders als es Präsident Kurt Gollowitzer im Winter angekündigt und Ende des zweiten Quartals als Termin genannt hatte. Ende Juni wird es dazu nicht kommen, das erkannte auch Wagner und zog die Konsequenzen. Die Investoren werden mit Zorn weiterhin den Sportvorstand stellen. Die Austria wäre auf Grund ihrer finanziellen Lage gut beraten, keinen Nachfolger für Wagner zu bestellen.
Die anderen Neuigkeiten aus der Bundesliga sind weit weniger aufregend: Doublegewinner LASK zog bei Sparta Prag die Option auf Krystof Danek. Der zweifache tschechische Teamspieler unterschrieb bis Sommer 2029. Rapid band den an Ried verliehen gewesen U 21-Teamspieler Nikolas Bajlicz bis 2030. Hartberg verlor den U 21-Teamspieler Maximilian Fillafer an Zweitligist Vienna. Der Offensivspieler kam auf 55 Bundesligaeinsätze bei den Steirern.
Foto: FK Austria/Daniel Shaked.