Die spanische Zeitung „As“ schrieb von einer griechischen Tragödie für Jürgen Klopp. Wer den Schaden hat, kriegt auch den Spott. Die riesigen deutschen Erwartungen in den neuen Teamchef wurden Sonntagabend in Augsburg zerstört. Durch das 0:1, die erste Niederlage überhaupt gegen Griechenland. Einen Gegner, den die „Bild“-Zeitung trotz Legionären aus Deutschland, England oder Portugal als Fußballzwerg abqualifizierte, der nicht bei der WM dabei war. Für Deutschland reichte es. Nach zwei Spielen hat die Mannschaft um ihren Teamchef Ivan Jovanovic, einen 64-jährigen Serben, der zuvor Panathinaikos trainierte, sechs Punkte, Deutschland nur einen: „Das ist Teil des Prozesses“, erklärte Klopp die Pleite bei seinem Heimdebüt, „ich hätte damit leben können, dass wir die tief stehende Fünferabwehr der Griechen nicht ausspielen können. Aber verlieren darfst du auf keinen Fall!“ Es brauche Zeit, um im Training die Anläufe zu studieren: „Es gibt für mich keinen Grund, in Depressionen zu verfallen: Gott, wir sind ja so schlecht. Aber wir sind jetzt nicht schon wieder so gut, wie wir gerne wären!. Die Verantwortung für Aufstellung und Austausche übernahm Klopp. Aber daran lag es nicht.
Viel eher daran, was Bastian Schweinsteiger, der Weltmeister von 2014, als ARD-Experte offen aussprach: „Wir sind keine Topmannschaft mehr, sondern endgültig im Mittelmaß angekommen. Uns fehlen einfach die Unterschiedsspieler!“ Gerade das Urteil wollte Kapitän Joshua Kimmich nur zum Teil akzeptieren – aber die Realität der letzten Jahre bestätigte Schweinsteiger. Selbst wenn ein erfolgreicher Klubtrainer wie Klopp übernimmt, reicht das nicht. Die Fußballer werden dadurch nicht auf Anhieb besser. In England ist die Meinung über Liverpool-Legionär Florian Wirtz bei weitem nicht so gut wie in Deutschlands Medienlandschaft.
Donnerstag empfängt Deutschland in München Serbien, das Stadion ist trotz Oktoberfest nicht ausverkauft. Drei Tage später gibt es das Auswärtsspiel gegen Griechenland in Saloniki. Beide Partien in neuer Besetzung, mit dem zweiten 22 Mann-Kader. Vom ersten blieben nur sechs übrig, darunter drei Nuelinge. Auch die Aktion Klopps, 44 Mann für die ersten vier Spiele zu holen, nach zwei Partien den Kader zu wechseln, fand nicht überall Beifall. So meinte etwa Österreichs Teamchef Ralf Rangnick nach dem 3:1 gegen Kosovo, er hätte das nicht getan: „Ich sehe keinen Sinn daran, 44 Spieler einzuberufen!“ Klopp schon. Er gibt allen eine Chance, sich zu zeigen, wird im November erstmals seine Top-Elf aufstellen.
Foto: DFB.