Der Starauflauf wird Donnerstagabend in Salzburg nicht viel geringer sein als Mittwoch in Linz. Denn mit Milan gastiert einer der Favoriten in der Europa League. Der Kader der Italiener hat einen Marktwert von 503,20 Millionen Euro, das sind rund 400 über dem der Salzburger. Der portugiesische Trainer Ruben Amorim, in seiner Heimat Meistermacher von Sporting Lissabon, letzte Saison in England bei Manchester United gescheitert und entlassen, hat viele klingende Namen im Kader. Etwa den 41-jährigen Luka Modric, der vor eineinhalb Wochen in Kroatiens Team beim 0:7 gegen England in Rijeka die größte Demütigung seiner Karriere erlebte, den portugiesischen Torjäger Goncalo Ramos, der bei Portugals Team den Wirbel um Cristiano Ronaldo auslöste, als er statt ihm für die Spiele in Norwegen und Dänemark aufgeboten wurde. Goncalo Ramos wurde im Sommer um 54 Millionen von Paris St. Germain gekauft, hat mit 50 Millionen den höchsten Marktwert der Milan-Stars. Zu denen auch französische Teamspieler, Torhüter Mike Maignan und Adrian Rabiot, zählen. Auch die Belgier Alexis Saelemakers und Diego Moreira, der Schweizer Andon Jashari und der Amerikaner Christian Pulisic sind Nationalspieler. Den höchsten Marktwert bei Salzburg hat Torjäger Karim Konate mit zwölf Millionen.
Einer bei Milan ist in Salzburh bestens bekannt und sehr geschätzt: Der serbische Innenverteidiger Strahinja Pavlovic zählte von 2022 bis 2024 zu Salzburgs Stützen, ehe er um 18,5 Millionen verkauft wurde. Zwei Jahre zuvor holte ihn Salzburgs damaliger Sportchef Christoph Freund für sieben Millionen von AS Monaco. Das zeigt, wie gut sich Pavlovic in der Mozartstadt entwickelte. Jetzt steht sein Marktwert schon bei 40 Millionen. Trotz der prominenten Milan-Namen: Salzburg startet besser in die Europa League. Mit dem 1:0 bei Levski Sofia, Milan verlor hingegen daheim gegen Benfica Lissabon 0:2. Auch in der Serie A überzeugte Milan zuletzt nicht (1:1 bei Sassuolo), Platz fünf bedeutet hinter den Erwartungen. So wie sich Salzburg in dieser Saison präsentierte, wird es auch möglich sein, gegen Milan etwas zu holen und eine Woche später in Slowenien gegen Celje schon auf Kurs Richtung Play-offs zu kommen. Ohne Kapitän Nikolas Veratschnig, möglicherweise aber wieder mit Tormann Christian Zawieschitzky. Für den 33-jährigen Verteidiger Stefan Lainer könnte es ein spätes Highlight seiner Karriere werden: „Für solche Spiele arbeitet man“, versicherte Trainer Danny Röhl (Bild), „diesmal werden wir in einer anderen Rolle agieren als in der Bundesliga!“
Auch Sturm Graz steht vor einer Megaaufgabe. Auch wenn Bournemouth nach sechs Runden der Premier League als noch siegloser 18. auf einem Abstiegsplatz steht. In der Europa League begann Bournemouth mit einem 2:1 in San Sebastian bei Real Sociedad, Sturm daheim mit 0:0 gegen Rennes. Es ist das erste Europacup-Heimspiel in der 127-jährigen Geschichte des Klubs aus dem Südwesten Englands, das Vitality Stadium fasst 11.464 Zuschauer, kann Wucht entwickeln. Letzten Samstag erlitt Bournemouth in London an der Stamford Bridge gegen Chelsea ein 1:5-Debakel. Daher steht die Mannschaft, die seit Sommer von Marco Rose trainiert wird, unter Zugzwang. Rose kennt Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch aus Salzburger Zeiten: Als Rose nach dem Triumph in der Youth League auch mit der ersten Mannschaft sehr erfolgreich war, agierte Ingolitsch gerade als Co-Trainer der Filiale Liefering. Zu Roses Spielern gehören der serbische Teamtormann Djorde Petrovic, zwei brasilianische Stürmer (WM-Fahrer Rayan und Evanilson), Patrick Kluivert, der Sohn des früheren Ajax-Amsterdam-Topstars. Sturm kann nur positiv überraschen, hat mit dem deutschen Innenverteidiger Joshua Quarshie einen England-Spezialisten: Er war letzte Saison bei Southampton in der Championship, der zweiten englischen Liga.
Der Salzburg-Schlager ist im TV in Österreich nur live bei Canal+ zu sehen, Bournemouth-Sturm im Free-TV bei ServusTV mit Sebastian Prödl und Florian Klein als Experten. Sky Austria mit Marc Janko als Experten zeigt in Konferenz oder als Einzelspiele auch andere Partien aus Europa-und Conference League mit österreichischer Beteiligung. Etwa Kevin Danso mit Sunderland in Portugal bei Zweitligist Torrense, Felix Bacher mit Lyon gegen Crystal Palace oder Hoffenheims Heimspiel gegen Besiktas Istanbul, den Zweiten der türkischen SüperLig. Hoffenheim braucht nach der Startblamage bei Ofi Kreta und vier Niederlagen in fünf Bundesligarunden ein Erfolgserlebnis. Trainer Christian Ilzer muss bis November auf Österreichs Teamspieler Patrick Wimmer, der mit einer Oberschenkelverletzung außer Gefecht ist, verzichten. Alexander Prass ist hingegen ein Thema. Philipp Lienhart trifft mit Bundesligatabellenführer Freiburg in der Conference League daheim auf den tschechischen Klub Jablonec.
Foto: RB Salzburg/Schaad.