Fußball

Blamage statt Platz eins: Von allem zu wenig bei Rapid

Nach dem 2:3 (2:0) der ersten Heimniederlage von Red Bull Salzburg in der Bundesliga gegen WSG Tirol war alles für Rapid angerichtet: Mit einem Heimsieg gegen den Letzten GAK wäre Grün-Weiß auf Platz eins gelandet. Doch statt Tabellenführung gab es ein blamables 1:2 (0:0), das 19.000 Zuschauer mit einem Pfeifkonzert quittierten. Schon zuvor gab es vor der Fantribüne „wir wollen Rapid sehen“-Sprechchöre. Daher blieb Salzburg vorne. Der GAK gab die rote Laterne durch den ersten Auswärtssieg der Saison an Blau Weiß Linz ab. Das tat Trainer Ferdinand Feldhofer in dem Stadion, in dem er auf der Rapid-Bank eine der schlimmsten Stunde seiner Karriere, das 0:1 gegen Vaduz erlebte, sicher gut. Bedenklich: Vor der Europacupwoche bezogen alle drei österreichischen Europacupteilnehmer Heimniederlagen. Denn auch Meister Sturm verlor. Der LASK ist nach dem 3:1 (2:1) in Graz die Mannschaft der Stunde: Alle sechs Spiele seit der Rückkehr von Didi Kühbauer gewonnen. Am Sonntag erstmals mit einem Gegentor. Die ersten sechs der Tabelle sind nur durch drei Punkte getrennt. Diese Ausgeglichenheit ist aber ein Zeichen für das schwache Niveau in der Liga.

„Es war von allem zu wenig“, gestand Rapids Trainer Peter Stöger im vollen Bewusstsein, dass in Hütteldorf die Krisenstimmung jetzt weiter steigen wird. Denn vom anderen Gesicht nach der Länderspielpause, das er ankündigte, war nichts zu sehen. Geändert wurde nur das Personal: Erstmals seit 31. August wieder Petter Dahl, der als linker Flankenspieler in einigen Szenen für Dynamik und Tempo sorgte. Bis zur Pause, ihn länger spielen zu lassen, wäre zu riskant gewesen. Rapid beklagte ohnehin einen Verletzten: Innenverteidiger Serge Philippe Raux Yao erlitt bei einem Zusammenprall mit Nenad Cvetkovic eine Sprunggelenksverletzung, wird heuer nicht mehr spielen. Noch schlimmer erwischte es wenige Minuten vor Raux Yao GAK-Mittelfeldspieler Zeteny Jano: Ohne Fremdeinwirkung Knöchelbruch.

Es war kein Unterschied zwischen einer Mannschaft, die um die Tabellenführung spielte, und dem Schlusslicht zu merken: Zu viele leichtfertige Ballverluste bei Rapid im Spielaufbau, Lukas Grgic, auch nach langer Zeit in der Startelf, brachte gar nichts, Rechtsverteidiger Bendegüz Bolla agierte aufreizend, Rekordkauf Tobias Gulliksen blieb weiterhin diskret. Nur zwei Torschüsse bis zur Pause –  das sagt alles. Nach 67 Minuten jubelte der GAK. Kapitän Daniel Maderner verwandelte einen umstrittenen Handelfmeter. Nach einem Eckball traf ein Schuss von Ramiz Harakate Cvetkovic an der angelegten Hand, der nicht überzeugende Referee Stefan Ebner zeigte auf den Punkt, sah sich die Szene nicht nochmals an, da VAR Alan Kijas nicht eingriff. Sieben Minuten später gelang Ercan Kara (Bild) bei seiner ersten wirklich guten Szene der Ferse der Ausgleich, die Vorarbeit kam von Kapitän Matthias Seidl, dem aktivsten Rapidler. Ganz schlimm, wie sich Rapid im Finish auskontern ließ: Das nützte Harakate in der 84. Minute zu einem sehenswerten Heber über Tormann Paul Gartler hinweg. Eine Ausgleichschance gab es trotz sieben Minuten Nachspielzeit nicht mehr. Das alles sah auch Ex-Rapider Mamadou Sangare, der mit Lens in Frankreich auf Platz drei liegt, in Hütteldorf auf Besuch war: Ein zentraler Mittelfeldspieler von der Klasse Sangares geht Rapid merkbar ab.

Chancen hatte hingegen Salzburg genug, um zu gewinnen. Moussa Yeo und Edmund Baidoo trafen bis zur 37. Minute, Sitzer für das dritte Tor blieben sowohl bei 2:0 als auch bei 2:1 ungenützt. Nach 64 Minuten begann Salzburgs Unglück, als Innenverteidiger Jannik Schuster gegen Nikolai Baden Frederiksen schlecht aussehen ließ. Der Däne verkürzte, Innenverteidiger Jamie Lawrence glich zehn Minuten später mit seinem ersten Bundesligator aus. Nach 87 Minuten sah Tirols Mittelfeldspieler Matthäus Taferner gelb-rot. Sogar in Unterzahl kam Tirol nach 96 Minuten zum Sieg, weil Soumalia Diabate einen Elfmeter verschuldete. Tirols Kapitän Valentino Müller verwandelte bereits den vierten in dieser Saison, holte mit acht Toren den Führenden der Schützenliste, Hartberg-Stürmer Elias Havel, ein. „Wir sind selbst schuld, das tut extrem weh“, ärgerte sich Salzburgs Trainer Thomas Letsch.

Meister Sturm wartet seit vier Runden vergeblich auf einen Sieg, holte nur einen Punkt, weil es drei Niederlagen gab. Gegen den LASK gab es die dritte  trotz schneller Führung durch einen Kopfball von Otar Kiteishvili.  Innerhalb von 2:24 Minuten gelang dem LASK mit einem Doppelschlag der Umschwung durch den dänischen Verteidiger Kasper Jörgensen und den Nigerianer Moses Usor. In der zweiten Hälfte traf auch Krystof Danek, der letzte Woche im tschechischen Team debütierte. Jetzt wartet der LASK nächste Runde auf einen krisengeschüttelten Ex-Klub von Kühbauer – auf Rapid. In Hütteldorf hat der LASK unter Kühbauer in dieser Saison schon gewonnen.

 

Foto: Gepa/Admiral.

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