So gut sich Österreichs Fußballteam auch letztes Jahr präsentierte, in den wichtigsten Momenten fehlte etwas. Im Juni beim 1:2 im EM-Achtelfinale gegen die Türkei in Leipzig, fünf Monate später beim 1:1 gegen Slowenien im Happel-Stadion, mit dem der Gruppensieg und der direkte Aufstieg in die Nations League A verpasst wurde, den Tschechien, England, in der Österreich-Gruppe Norwegen und Wales schafften: „Da waren wir nicht voll da, daraus müssen wir lernen und es in diesem Jahr besser machen“ gab Nicolas Seiwald zu. Die erste Gelegenheit bietet sich Donnerstag vor 46.400 Zuschauern gegen Serbien: Mit einem Heimsieg im Hinspiel der Playoffs die Basis zum Aufstieg im zweiten Anlauf zu legen. Damit es in der Nations League 2026 wieder attraktivere Gegner und auch höhere Prämien gibt. Die Vierfinalpaarungen Holland-Spanien, Kroatien-Frankreich, Dänemark-Portugal und Italien-Deutschland sind bedeutend attraktiver als die vier Playoff-Duelle um den Aufstieg, Österreich-Serbien, Türkei-Ungarn, Ukraine-Belgien und Griechenland- Schottland.
Ralf Rangnicks Team muss etwas reparieren, das es selbst verschuldet hat. Alles andere wäre ein Mißerfolg. Das muss man trotz der Ausfälle von Stefan Posch, Kevin Danso, Max Wöber, Marcel Sabitzer und Alexander Prass, der Sonntag in Belgrad einsatzfähig sein könnte, sowie der Gelbsperre von Konrad Laimer klar aussprechen. Auch Serbien muss mit Ausfällen und noch mehr Sperren leben, kann nur eine „Notabwehr“ aufbieten, hat abr im Mittelfeld, etwa mit Lazar Samardzic von Europa League-Sieger Atalanta, noch immer Klasse. Bei Österreich überstrahlt die Rückkehr von Kapitän David Alaba nach 17 Monaten alle Ausfälle. Der 32 jährige traut sich nach eigenen Angaben sehr viel zu, sowohl Donnerstag als auch Sonntag 90 Minuten, fragte sich allerdings zugleich, ob es Sinn macht. In Wien wird er sicher sein 106. Länderspiel bestreiten, das erste seit dem 2:0 gegen Deutschland im November 2023 an gleicher Stelle. Wie es Sonntag in Belgrad aussieht, hängt wohl vom ersten Spiel ab. Rangnick registrierte bei Alaba in den zwei Trainings, die er absolvierte, großen Siegeswillen. Der kann der Mannschaft nur guttun, wenn man an das Unentschieden gegen Slowenien denkt, bei dem es Österreich als bessere Mannschaft verpasste, den Sack zuzumachen und aus dem Nichts den Ausgleich kassierte.
Rangnick meinte, aufgrund der Personalsituationen sei improvisieren gefragt, müsse er „out of the box“ denken, was immer er damit auch meinte. Vielleicht, dass er wegen der Sprunggelenksverletzung von Prass Dienstag Jonas Auer, den Linksverteidiger von Rapid in den Kader holte, ohne dass er auf der Abrufliste stand. Nicht verraten wollte er am Mittwoch, ob Alexander Schlager oder Patrick Pentz im Tor beginnen wird. Schlager dürfte leichter Favorit sein, weil er eigentlich die Nummer eins für die Europameisterschaft war, ehe er nach einer Knieoperation ausfiel, derzeit zum Unterschied vom Herbst ständig spielt und auch gute Leistungen brachte. Ein Comeback nach einem Jahr wird es bei Stefan Lainer geben: Als Rechtsverteidiger in einer Viererabwehr mit Philipp Lienhart, Alaba und Philipp Mwene. Schiedsrichter ist der Portugiese Joao Pinheiro.