Fußball

Der neue Teamchef hat es zu Beginn schwerer als Foda

Franco Foda und sein Assistent Thomas Kristl, dessen Vertrag ebenfalls endet, gingen ein letztes Mal in die schütter besetzte Fankurve, um sich dort mit Applaus für die Unterstützung der letzten viereinhalb Jahre zu bedanken. Die Fruststimmung, die dort herrschte, bekam bei Fodas letztem Auftritt als Teamchef Sportdirektor Peter Schöttel mitunter zu hören. Mit vereinzelten „Schöttel raus“ rufen. Ein Sündenbock für die verpasste WM-Qualifikation muss her. Wenn schon nicht der Teamchef, weil er seinen Abschied verkündete, dann halt ein anderer. Das zeigt aber auch, dass dem ÖFB eine Persönlichkeit fehlt, die den Glauben an eine bessere Zukunft vermitteln kann. Im Präsidium gibt es zwei Lager. Der Osten, sprich Wien, Burgenland und Niederösterreich, plus Kärnten und Vorarlberg gegen den Rest. Auf welcher Seite die Bundesliga steht, wird sich zeigen.  Die Spieler erfanden einen Spitznamen für das Duo aus Präsident und Generalsekretär, über den man schmunzeln könnte, der aber anderseits doch bedenklich stimmt. Gerhard Milletich sollte sich v auch hinterfragen, warum es zu solch medialen Vernichtungsartikel gegen ihn kommt wie aktuell in den Niederösterreichischen Nachrichten unter dem Titel „Es liegt nicht an ÖFB-Struktur“.

Dagegen harmlos, dass es Foda am Tag seines letzten Länderspiel den Sprung auf Seite eins der deutschen „Bild „-Zeitung schaffte. Als Verlierer, weil er seinen Job wegen der verpassten WM-Qualifikation hinschmiss. Was „Bild“ überraschte, weil es Europameister Italien auch nicht besser geht. Foda ließ in seiner letzten Pressekonferenz  Dampf ab gegen manche Kritiker. Nannte zwei beim Namen, darunter seinen ehemaligen Mitspieler in Sturm-Erfolgszeiten, Roman Mählich. Sprach von Unterschied zwischen einem Trainer mit Erfolgen und einem mit weniger Erfolgen. Das war Fodas gutes Recht, das müssen die kritisierten Kritiker aushalten. Irgendwie paradox, dass Mählich als Co-Kommentator des ORF bei Fodas letztem Spiel meinte, man müsste nicht nur die Trainer in die Pflicht nehmen, sondern vermehrt auch die Spieler. Zu Mählichs Ehrenrettung sei festgestellt, das tat er auch schon früher.

Foda versprach, künftig kein Nörgler zu werden, auch kein TV-Experte. Obwohl er ein Spiel nicht nur sehen, sondern auch lesen würde. Dem Nachfolger wünschte er die Qualifikation für EM und WM. Wer immer das auch sein wird, der hat zum Start seiner Ära in der Nations League die schwerere Aufgabe als Foda in der WM-Qualifikation. In einer Gruppe gegen Weltmeister Kroatien, Vizeweltmeister Dänemark und EM-Semifinalist Dänemark im Juni und September nicht Letzter zu werden und abzusteigen, wäre eine Heldentat. Die aktuelle Bestandsaufnahme der Gegner: Kroatien spielte im WM-Land Katar gegen Slowenien 1:1 (0:0) und bezwang Bulgarien 2:1 (0:0). Das Um-und Auf ist weiter der 36 jährige Luka Modric, Mitspieler von David Alaba bei Real Madrid. Der gefährlichste Offensivspieler ist derzeit ein Mitspieler von Christoph Baumgartner bei Hoffenheim, Andrej Kramaric. In der Abwehr ist ein Ex-Salzburger gesetzt (Duje Caleta-Car), der andere eine Alternative (Marin Pongracic). Frankreich gewann ohne Real Madrid-Torjäger Karim Benzema in Marseille gegen die Elfenbeinküste 2:1 (1:1) und in Versailles gegen Südafrika 5:0 (2:0). In beiden Spielen scorte Milan-Sturmtank Olivier Giroud. Kylian Mbappe spielte nur gegen Südafrika, erzielte zwei Tore.

Bei Dänemark, am 6. Juni zu Gast im Happel-Stadion, dreht sich alles um das Traum-Comeback von Christian Eriksen. 287 Tage nach seinem Herzstillstand im EM-Spiel gegen Finnland in Kopenhagen feierte er letzten Samstag sein Comeback im Nationalteam beim 2:4 gegen Holland in Amsterdam. Wurde in der 46. Minute eingewechselt, traf keine zwei Minuten später zum 2:3, später auch die Latte. 290 Tage nach dem Herzstillstand spielte er wieder im Parken-Stadion, war Kapitän, erzielte beim 3:0 (2:0) gegen Serbien den dritten Treffer. 35.000 Fans feierten den 30-jährigen. Mit ihm ist auch in Wien zu rechnen. Das könnte dann sein 111. Länderspiel sein.

Foto: FotobyHofer/Diener, Philipp Schalber.

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