Fußball

Die Verpflichtung für Verlierer von Wembley: So muss es weiter gehen

Als die Verlierer von Wembley Sonntag Mittag am Innsbrucker Flughafen landeten, warteten Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler und Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi am Rollfeld, um Österreichs gesamten EM-Tross willkommen zuhalten. Dazu 200 Fans auf der Besucherterrasse, die David Alaba & Co mit Sprechchören, Transparenten usw. bejubelten. Die Spieler dankten ihnen in der Gluthitze mit Applaus, da konnten sie sich wirklich als Sieger der Herzen fühlen. Dann brachte Kultchauffeur Stefan Kutsenits alle nochmals hinauf nach Seefeld ins Hotel Nidum. Ein Abschiedsessen, danach noch eine kurze Ansprache von Teamchef Franco Foda, danach war die EM Vergangenheit. Mit Ausnahme von Foda: Auf ihn wartete noch ein Medientermin.

International und erst recht in der Heimat setzte es Lobeshymnen. Im ORF sahen 2,1 Millionen das unglückliche 1:2 nach 120 Minuten gegen Italien, so viele wie nie bei einem Fußballspiel seit 2008. Im ZDF knackte Österreichs heroischer Kampf gegen den Favorit als erstes EM-Spiel ohne deutsche Beteiligung die Zehnmillionengrenze.  Eigentlich waren sich alle einig: Hätte das Kopftor von Marko Arnautovic (Bild oben) zum 1.0 gezählt, wäre Österreichs unter die letzten acht gekommen: „Das hätten wir heim gespielt“, behauptete Alaba. Aber Arnautovic stand eben knapp im Abseits. Pech gehabt. Die Frage, ob Foda nicht ebenso wie Kollege Robert Mancini früher hätte wechseln, nicht die Joker erst im Rückstand hätte bringen müssen, stellte am Tag danach keiner mehr. Der „Verdacht“, dass man dadurch das Ausscheiden verhindern hätte können, lag zwar nahe, aber einen schlüssigen Beweis dafür, dass Österreich nicht verloren hätte, wenn Torschütze Sasa Kalajdzic, Louis Schaub und Michael Gregoritsch früher gekommen wären, gibt es dafür nicht.

Jedes Ding hat zwei Seiten. Auch die Niederlage von Wembley: Die ebenso wie die erste Hälfte gegen die Ukraine zeigte, welch Potenzial in Österreichs Team steckt. Diejenigen, die behauptete, Foda stehe die talentierteste Nationalmannschaft seit der WM 1978 in Argentinien zur Verfügung, bekamen recht. Sie hielt erstmals mit einem absoluten Topteam von Europa mit. Die Qualitäten dazu sprach ihr einige, die ihr jetzt groß zujubeln, zuvor ab. Mit dezenten Hinweisen, dass sowohl EM-Ticket als auch Aufstieg in der Nations League gegen keine wirklich erstklassigen Gegner geschafft wurden. Jetzt gibt´s den Beweis, das dies nicht stimmte. Daher muss man die Leistung von Wembley als Maßstab für die Zukunft nehmen. Das bemerkte auch Foda mit dem Satz: „So muss es weiter gehen.“

Nämlich in der Qualifikation für die Wüsten-WM in Katar. Da entscheidet sich  zwischen 1. September und 15. November in sieben Spielen das Schicksal der Österreicher, die derzeit fünf Punkte hinter EM-Viertelfinalist Dänemark, einen hinter dem Zweiten Schottland auf Platz vier liegen. Selbst sieben Siege in Serie könnten zu wenig sein. Realistischer ist es, Rang zwei zu erobern und dann via Play-off der Gruppenzweiten das erste WM-Ticket seit 1998 zu erobern. Foda ließ keinen Zweifel daran, dies mit seinem EM-Aufgebot versuchen zu wollen. In dem Alaba und Aleksandar Dragovic ebenso herausragend waren wie Xaver Schlager, von dem vier Mann (die Torhüter Alexander Schlager und Pavao Pervan, die Defensivspieler Stefan Posch und Marco Friedl) nicht zum Einsatz kamen, Christopher Trimmel, Kapitän Julian Baumgartlinger, Stefan Ilsanker, Valentino Lazaro, Karim Onisiwo und Schaub nicht einmal 45 Minuten spielten, versuchen wird. Der Spielplan: Zwischen 1. und 4. September auswärts gegen Moldau und Israel mit dem österreichischen Teamchef Willi Ruttensteiner, am 7. September im Wiener Happel-Stadion gegen Schottland. Im Oktober auswärts gegen die Färöer in Torshavn und Dänemark im Parken-Stadion von Kopenhagen. Im November folgen zum Abschluss die Heimspiele gegen Israel und Moldau. Platz zwei muss machbar sein, alles andere wäre schlimm. Fodas Vertrag läuft bis zum Ende der Qualifikation, verlängerte sich automatisch bis zum letzten WM-Spiel in Katar, wenn das Wüsten-Ticket gelöst wird.

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