Als Adi Hütter, Österreichs Trainerlegionär bei Young Boys Bern, in den Schweizer Medien die Kombinationen um den Wechsel seines ehemaligen Sportchefs Fredy Bickel zu Rapid las, rief er den 51jährigen Porsche-Fahrer an. Doch der reagierte nicht darauf. Für Hütter ein Indiz, dass an der Sache etwas dran sein muss. Auch wenn Bickel am Freitag im „Blick“ meinte, er verhandle derzeit mit vier bis fünf Klubs, mehr könne oder wolle er dazu nicht sagen. Wohl wegen der Verhandlungen um die Auflösung seines Vertrages in Bern. Einerseits versuchte Bickel das beste für sich herausholen, was durchaus legitim ist. Zudem erspart sich Young Boys einiges Geld, da Bickel am 1. Jänner 2017 in Hütteldorf beginnt. Auch Rapid würde es garantiert lieber sehen, wenn Andreas Müller möglichst bald bei einem anderen Klub beginnt anstatt den ehemaligen Sportvorstand bis 2019 weiter bezahlen zu müssen.
Wenn man mit Bickel an einem Tisch sitzt und ihm zuhört, dann macht er einen durchaus kompetenten, korrekten und auch sympathischen Eindruck. Meine Erinnerung an einem Besuch bei Hütter in Bern vor sieben Monaten beim letzten Heimspiel der vergangenen Saison gegen Meister Basel. Da gab es noch gemeinsame Pläne von Hütter und Bickel, um Serienmeister FC Basel den Kampf anzusagen. Im September war alles beendet: „Uns hat die Verletzung unseres besten Stürmers Hoarau Punkte gekostet. Aber auch der Wirbel um die Trennung von Bickel im September . Wir könnten viel näher an Basel dran sein“, ärgert sich Hütter, dem zu seinem ehemaligen Sportchef nichts schlechtes einfällt: „Er hat mich geholt, ich habe ein Jahr mit ihm sehr gut zusammenarbeitet, konnte mich auf ihn verlassen. Er ist ein Teamplayer, natürlich erfolgsorientiert, schaut sehr, dass intern Harmonie herrscht, hat auch immer die Entwicklung junger Spieler im Auge. Das ist in Bern gut gelungen.“ Bei Hütter erkundigte sich Bickel nicht nach Rapid, aber Salzburgs ehemaliger Meistertrainer ist überzeugt, dass Bickel via Marcel Koller genaue Informationen über Grün-Weiß eingeholt hat.
Seit Donnerstag hört sich Rapids Kommunikationschef Peter Klinglmüller mit Engelsgeduld die Frage an, ob Rapid Sonntag beim letzten Heimspiel des Jahres gegen Ried den neuen Sportvorstand präsentieren wird. Das interessiert offenbar am meisten. Mehr als das Match. Samstag knapp nach 15 Uhr lüftete Rapid das Geheimnis, das kein großes mehr war: Bickel wird Sonntag zu High Noon, um 12 Uhr, zwei Stunden vor Anpfiff der Partie gegen Ried präsentiert. Für ihn schließt sich der Kreis: Den eine seiner Großmütter lebt in Wien. Er schickte bereits voraus, im neuen Job eine große Herausforderung zu sehen. Rapid sei trotz der schwierigen sportlichen Situation allein schon durch das neue Stadion hervorragend aufgestellt. Zu seinem Credo gehöre es, Spitzenleistungen zu liefern. Das hätte aber jeder beim Amtsantritt gesagt. Bickel bekam einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis Sommer 2019. Präsident Michael Krammer meinte, Bickel habe sich rasch zum absoluten Wunschkandidaten entwickelt. Dazu trug sicher auch die Absage von Andras Herzog und die Tatsache, dass Helmut Schulte Union Berlin nicht verlassen wollte, bei.
Gegen Ried bezog Rapid bei Heimspielen in der Bundesliga seit 21 Jahren in 39 Heimspielen keine Niederlage, nur eine im Cup nach Verlängerung. Es wäre keine Überraschung, sollte Trainer Damir Canadi von der Startformation beim 1:1 gegen Bilbao gegen die Innviertler nur Sonnleitner, Dibon und Max Hofmann beginnen lassen. Interessant noch, was der ehemalige geschätzte Videoanalyst Stefan Oesen via Facebook dazu sagte, dass er auf eigenen Wunsch Rapids Trainerteam verläßt. Er habe immer darauf Wert gelegt, eine eigene, reflexartige Meinung zu haben, dazu zu stehen und sie auch zu verteidigen. Ob das nicht mehr gefragt war?