Fußball

Eine ORF-Premiere: Jogi in der Umbruchs-Falle

Sonntag Abend wagt der ORF zur sogenannten Prime Time eine Premiere: Er zeigt erstmals live ein Qualifikationsspiel ohne österreichische Beteiligung. Den Klassiker Holland gegen Deutschand aus der Johan Cruyff-Arena in Amsterdam. Vielleicht steckt am Küniglberg die Überlegung dahinter, dass in grenznahen bayrischen Gebieten die Fans lieber die ORF-Übertragung einschalten als die von RTL trotz des deutschen Ex-Teamchefs Jürgen Klinsmann in der Rolle, die Herbert Prohaska in Österreich hat. Als Analytiker. Bei der Premiere am Mittwoch nach Deutschlands 1:1 im Test gegen Serbien in Wolfsburg agierte Klinsmann fast wie ein Öffentlichkeitsarbeiter seines ehemaligen Assistenten und Nachfolgers, Jogi Löw.

Holland schlug in der Nations League den Nachbarn in Amsterdam 3:0, löste damit neue Diskussionen um Löw aus, schaffte in Gelsenkirchen ein 2:2. Deutschland musste fünf Monate nach der WM-Blamage in Russland absteigen, gilt auch Sonntag nur als Aussenseiter. Denn Jogi sitzt nach dem von ihm beschlossenen Ende der Teamkarrieren von drei Weltmeistern, von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng, in dem Umbruchsfalle. „Ganz ohne Alte geht es nicht“.musste selbst „Bild“ nach dem 1:1 gegen die Serben als größter Rufer nach dem Umbruch eingestehen. Mittwoch hatte Jogis Startelf ein Durchschnittsalter von 24,2 Jahren, in Holland kommt  mehr Routine rein. Die 29jährigen Toni Kroos und Marco Reus  statt des 19jährigen Kai Havertz und des 22jährigen Julian Brandt, den Mitspielern von Österreichs Teamkapitän Jürgen Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic in Leverkusen. In der Abwehr sind der 26jährige Chelsea-Legionär Antonio Rüdiger und der 25jährige Matthias Ginter gefragt, daher müssen der 23jährige Leverkusener Jonathan Tah sowie die Leipzig-Verteidiger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg weichen. Im Tor hält Löw an seinem 32jährigen Kapitän Manuel Neuer (Bild oben) fest. Trotz „Bild“-Kampagne für Barcelonas sechs Jahre jüngeren Tormann Marc Andre ter Stegen. Ein Fehler wie beim 0:3 in der Nations League, der zum Rückstand führte, darf Neuer nicht mehr passieren. Leipzig-Torjäger Timo Werner hat nach der schwachen Leistung gegen Serbien schlechte Karten. Ihn dürfte Bayerns Serge Gnabry ersetzen.

Holland hat unter Teamchef Ronald Koeman den Umbruch schon bewältigt. Mit Kapitän Virgil van Dijk als Zentralfigur. Die Abwehrkante von Jürgen Klopps FC Liverpool macht nicht nur hinten dicht, sondern erzielte in beiden Nations League-Partien gegen Deutschland je ein Tor. Köpfelte vor eineinhalb Wochen Bayern München aus der Champions League. Auch Lyon-Stürmer Memphis Depay, bei seinem Klub oft in der  Kritik, traf im Herbst gegen Deutschland. Und zweimal am Donnerstag beim 4:0 gegen Weißrussland in Rotterdam zum Aufwärmen. Mit 19 und 21 bereits Schlüsselspieler bei Oranje: Matthis de Ligt und Frankie de Jong von Ajax Amsterdam im Abwehrzentum und Mittelfeld. Koeman vertraut auch dem 32jährigen Ryan Babel von Englands Fast-Absteiger Fulham. Der Freund von David Alaba aus Hoffenheim-Zeiten fällt schon allein mit seinen rot gefärbten Haaren auf.

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