Fußball

Für Rapid zu schwach, bei Stöger für Tore gut: Franck Boli

Sollte Fredy Bickel, der ehemalige Rapid-Sportchef Mittwoch Abend daheim in Zürich das 3:2 (2:1) zwischen Young Boys Bern und Ungarns Meister Ferencvaros Budapest im Hinspiel der Play offs für die Champions League via TV gesehen haben, dann wird er sich garantiert an seine Ära in Hütteldorf erinnert haben: Im Jänner 2019, als Didi Kühbauer bereits Trainer war, galt Franck Boli, damals in Norwegen bei Stabaek unter Vertrag, als heißes Transferthema, um die Probleme im Rapid-Angriff zu lösen. Aber dann holte Rapid lieber Aliou Badji. Boli blieb noch in Norwegen. Ein halbes Jahr später wechselte der Mittelstürmer von Stabaek für eine Million Euro Ablöse zu Ferencvaros. Mittwoch Abend war Peter Stöger froh, dass er den Legionär von der Elfenbeinküste hat: Er erzielte am Kunstrasen mit wuchtigen Schüsse beide Treffer, die Ferencvaros die Chance geben, nächsten Dienstag beim ausverkauften Rückspiel in Budapest in die Gruppenphase aufzusteigen. Bei den Grün-Weißen in Wien verschmäht, bei den Grün-Weißen in Budapest für Tore gut. 30 erzielte der 27 jährige bisher in 82 Spielen.

Zwei davon im Wankdorf-Stadion, wo Ungarn bei der WM 1954 das Endspiel gegen Deutschland 2:3 verloren hatte. Wo Dienstag für Ferencvaros mehr möglich gewesen wäre, wie Stöger nachher auch feststellte, auf den Jubel über die Führung (Bild oben) nach 14 Minuten bald der Ärger folgte. Über den Ausgleich, der zwei Minuten später durch einen Distanzschuss fiel, bei dem Meschak Elia seinen Mitspieler Christian Fassnacht traf, der den Ball unhaltbar abfälschte. Vor allem über die 25. Minute: Der schottische Referee William Callum gab Elfmeter, weil Young Boys-Verteidiger Silvan Hefti Ferencvaros-Legionär Oleksandar Zubkov zurückhielt und zeigte dem Schweizer zudem die rote Karte. Beim Elfmeter traf der Albaner Myrto Uzuni die Stange, den Abpraller grätschte der Tunesier Aissa Laidouni über die Linie. Aber das Tor zählte nicht, weil Laidouni  zu früh in den Strafraum gelaufen war. „Wenn wir mit dem Elfmeter wieder in Führung gehen, dann läuft das Match sicher anders“, glaubte Stöger.

Ferencvaros spielte über 65 Minuten mit einem Mann mehr, verlor aber in dieser Phase das Spiel, lag sogar schon 1:3 zurück, ehe Boli nach 82 Minuten die Hoffnung zum Aufstieg am Leben erhielt. „Man kann die Überzahl besser nützen“, stellte Stöger nach dem Spektakel mit Bedauern fest. Vor allem ärgerte ihn, dass alle drei Tore der Schweizer Sieger durch Schüsse von außerhalb des Strafraums fielen: „Wir ließen nicht viel Chancen zu, aber auch die Distanzschüsse waren bei uns vorher ein Thema. Dass wir sie nicht zulassen dürfen.“ Dank Boli kann Stöger noch auf seine erste Champions League-Teilnahme als Trainer hoffen. Den bulligen, 1,80 Meter großen Sturmtank brachte er in der Qualifikation erstmals seit dem ersten Spiel gegen Pristina am 7. Juli wieder von Beginn an. Bolis Doppelpack am letzten Samstag in der Meisterschaft gegen Mezökövesd war dafür ausschlaggebend. Damit zeigte Stöger ein gutes Gespür.

Young Boys reicht ein Unentschieden zum Weiterkommen. Gewinnt Ferencvaros mit einem Tor Unterschied, dann gibt´s ein Nachspiel und vielleicht ein Elfmeterschießen. Bei einem Sieg mit zwei Treffern Differenz wäre ein absolutes Highlight in Stögers Trainerkarriere perfekt. Sowohl das Spiel von Young Boys am kommenden Wochenende in der Schweizer Meisterschaft als auch das von Ferencvaros in Ungarn wurden verlegt. Einen Rückstand von einem Tor aufholen müssen auch Philipp Mwene und der Ex-Salzburger Andre Ramalho: Sie verloren mit dem PSV Eindhoven bei Benfica Lissabon nach einem 0:2 zur Pause 1:2.

Foto: Fradi.Hu.

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