Fußball

Gibt´s auch in Österreich einen wie Jupp Heynckes? Schachner fehlen noch zwölf Jahre

Seit Mittwoch ist Jupp Heynckes mit 72 Jahren und 162 Tage der  älteste Trainer, der je in der Champions League amtieerte. Die Reaktionen auf Bayerns 3:0-Pflichtsieg gegen den überforderten schottischen Meister Celtic Glasgow genau 1607 Tage nach dem größten Triumph von Heynckes mit Bayern, dem 2:1 im Champions League-Finale gegen Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion,  klangen euphorisch: „Jupp siegt deutsch“, jubelte „FussballBild“ auf Seite eins. Weil sechs deutsche Spieler in der Startformation standen, alle Tore auf ihr Konto gingen. Von Thomas Müller, Joshua Kimmich und Mats Hummels. Die klangvollsten Neuverpflichtungen unter Heynckes-Vrgägner Carlo Ancelotti, der Kolumbianer James und der Franzose Corentin Tolisso, mussten auf die Bank, James spielte fünf Minuten. Bayern-Vorstand Karl Heinz Rummenigge jubelte: „Alles bestens, Jupp ist eigentlich nie richtig weg gewesen.“

Jupp Heynckes vertraut auch auf Assistenten im fortgeschrittenen Alter. Hermann Gerland und Peter Hermann sind 63 und 65 Jahre jung. Für Hermann zahlte Bayern an Fortuna Düsseldorf sogar 1,75 Millionen Ablöse, die sich noch um 0,25 erhöht, falls Bayern Meister werden sollte.  Das kann man auf Assistenten umgelegt sogar als einen ähnlichen Wahnsinn bezeichnen wie die 222 Millionen, die Paris St. Germain für  Topstar Neymar an den FC Barcelona bezahlte. Heynckes hat mit seiner vierten Ära bei Bayern sicher schon etwas erreicht: Seine Rückkehr  sorgte nicht nur für reichlich Lob, sondern verhalf auch etwas älteren Trainer zu mehr Respekt. Erfahrung könnte wieder mehr gefragt sein. Nicht nur Vertreter der neuen Generation von Laptop-Trainern. Würde und Enthusiasmus zählen dank Heynckes auch wieder. In England tat sich der 70jährige Roy Hodgson ein Jahr nach seinem Ende als bei der Euro in Frankreich als an Island gescheiterter und blamierter englischer  Teamchef noch die Rückkehr in die Premier League an. Übernahm den entmutigten Letzten Crystal Palace, bezog  mit ihm Debakel gegen Manchester United und City, ehe er im dritten Spiel  Meister Chelsea sensationell in die Knie zwang. daraufhin versicherte Hodgson, dass Alter nur eine Zahl sei.

In England gilt auch, dass Manchester United seit dem Rückzug von Sir Alex Ferguson mit 71 Jahren nichts Wichtiges mehr gewinnen konnte. Es liegt an Jose Mourinho, dies zu ändern. Sein Sieg in der Europa League aus der letzten Saison gilt auf der Insel nicht als bedeutend, offenbar auch der im FA-Cup ein Jahr zuvor unter Louis van Gaal. Gescheitert ist hingegen die Mission des 72jährigen Mircea Lucescu als Türkeis Teamchef. Es gelang dem Rumänen nicht, als Nachfolger von Fatih Terim das WM-Ticket zu erobern.

Könnte das Beispiel von Jupp Heynckes auch in Österreich Klubbosse dazu verleiten, mehr auf Erfahrung zu ersetzen, obwohl es keinen Österreicher  gab, der so viel gewann wie Heynckes? Ein 72jähriger steht nicht zur Verfügung.  Der vom Alter her Heynckes am nächsten kommt, ist Ex-Teamchef Josef Hickersberger mit 69. Mit Österreich die WM-Qzalifikation geschafft,mit Rapid Meister geworden, die Qualifikation zur Champions League geschafft. Ist auch etwas. Aber er hat keinen Schäferhund wie Heynckes, der durch zweimal Bellen die Zustimmung für ein Angebot signalisieren könnte. Für einen ehemaligen Schützling von ihm, U17-Teamchef Ruoert Marko, erzählt Hickersberger Freitag in Wenigzell während deren Vorbereitung auf die EM-Qualifikation den Talenten über seine Erfahrungen in der weiten Fußballwelt. Etwa, warum Marko bei ihm in der Nationalmannschaft nach seinen drei legendären Treffern beim 4:0 über Ungarn im Budapester Nep-Stadion vor 29 Jahren nie mehr zum Zug gekommen war.

Jünger als Hickersberger wären andere, denen man an einen Heynckes-Effekt zutrauen könnte. Aber „Sky“-Analytiker Hans Krankl, 64,  ist mehr an seinen Auftritten als Sänger mit „Monty Beton“ interessiert als an einer Rückkehr auf die Betreuerbank. Die auch beim zwei Jahre jüngeren Herbert Prohaska kein Thema ist. Walter Schachner genießt mit 60 sein Leben. Er war als Trainer einmal Meister, zweimal Cupsieger, musste bei Austria als Tabellenführer  auf Grund einer Laune des unberechenbaren Frank Stronach gehen. Seit seinem letzten Engagement beim LASK ist er sechs Jahre lang als Trainer offenbar nicht mehr gefragt. Was einigermaßen verwundert. Aber er hat noch zwölf Jahre Zeit, um mit 72 Österreichs Antwort auf Jupp Heynckes zu werden. Peter Pacult, Rapids letzter Meistertrainer, sogar 15.

 

 

 

Foto: Instagram/© FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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