Fußball

Salzburg isst Keks, die Austria verliert etwas billig

Aktiv und  agressiv! So präsentierte sich  Doublegewinner Red Bull Salzburg von Anfang an beim türkischen Cupsieger Konyaspor. Verteidigte die schnelle Führung clever, nützte im Finish die Hilfe von Koybaspor-Torhtüter Serkan Kirintili zum 2:0. Womit der Keks gegessen war, wie es Trainer Marco Rose nachher gelassen ausdrückte: „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, hat schon gepasst.“ Damit schrieb  Salzburg österreichische Europacupgeschichte: Acht Spiele hintereinander in der Europa League ungeschlagen, zwölf in internationalen Bewerben. Schaffte vorher keine österreichische Mannschaft. Damit müsste Salzburg zum fünften Mal die Gruppenphase der Europa League überstehen. Das wird über die Heimspiele gegen Konyaspor und Vitoria Guimaraes gelingen.

Salzburg sorgte auch für den ersten österreichischen Auswärtssieg im Europacup über eine türkische Mannschaft seit 35 Jahren, löste die Austria ab. Die hatte als  zuvor letzte am 20. Oktober 1982 im Ali Sami Yen-Stadion von Istanbul im Europacup der Cupsieger Galatasaray nach einem 0:2-Rückstand noch 4:2  geschlagen. Auch weil Toni Polster zweimal traf, ehe Felix Gasselich den Schlusspunkt setzte, von dem man auch Jahrzehnte später nur schwärmen kann: Er gaberlte sich mitten durch die Abwehr, ehe er sein „Werk“ vollendete. Von solchen Glanztaten ist die aktuelle Austria um Lichtjahre entfernt. Zumindest, wenn sie sich so präsentiert, wie beim 1:3 (0:2) gegen Kroatiens Meister Rijeka, speziell in den ersten 45 Minuten.

Damit schon sieben Heimspiele in der Europa League hintereinander kein Sieg. Spötter meinten, für die Austria wäre es besser, nur noch auswärts zu spielen. Ob sie das auch in zwei Wochen in Rijeka zeigen kann, muss man anzweifeln nach der Vorstellung vom Donnerstag anzweifeln. Ganz anders als Salzburg, nämlich passiv, viel zu langsam im Spielaufbau, nachlässig in der Defensivarbeit, viel zu viele schwache Punkte. Rijeka hatte alles, was die Austria nicht hatte: Eine solide Abwehr, mehr Tempo beim Umschalten über die Flügel und einen Knipser, der seine ersten zwei Chancen gleich nütze. So entschied der Schweizer Teamstürmer Mario Gavranovic innerhalb von zehn Minuten schon in der ersten halben Stunde das Match. „Überall, wo es gefährlich hätte werden können, waren wir voll da“, sagte Rijekas Ex-Austrianer Alex Gorgon völlig zu Recht vor den „Sky“-Kameras.

Manche im violetten Dress hatten ihre besten Szenen, als sie sich nach dem Match bei ihren Fans für die Unterstützung bedankten. „Wir machen es etwas zu billig“ klagte Austrais AG-Vorstand Markus Kraetschmer in seiner Enttäuschung zu Recht, dass mehr möglich hätte sein müssen. Von Aufstiegshoffnugnen noch zu reden, wirkte nach dieser Leistung völlig fehl am Platz.So sah es auch der prominente Gast im TV-Studio von Puls 4, Otto Baric. Vor Jahrzehnten, als er Trainer in Innsbruck, bei Sturm, Rapid oder Salzburg war, da hatte die Austria noch mehr Qualität. Jetzt urteilte er nach den  zwei Niederlagen, die er gegen Sturm und Rijeka beobachtete: „Diese Austria kann nicht auswärts Rijeka schlagen.  Es gibt es auch keine personellen Alternativen auf der Bank, die wirklich helfen können.“ Das  violette Oktoberfest, das die Austria propagiert hatte, verkam bisher zu violetten Jammertagen.

„Wenn man wie gegen Sturm und Rijeka frühe Tore kassiert, steigert das nicht das Selbstvertrauen, sondern die Unsicherheit“, erkannte Trainer Thorsten Fink. Sein Kollege von Rapid, Goran Djuricin, wird sicher auf der Tribüne aus Austrias Leistung Optimismus für die zwei richtungsweisenden Derbys in Meisterschaft und Cup geschöpft haben.  Fink klammerte sich schon an die Hoffnung, dass Derbys immer eigene Gesetze haben. Er muss schon wegen der  Muskelverletzung von David de Paula und der Sperre von Felipe Pires Sonntag andere Leute bringen. Etwa Ismail Tajouri, der als Joker gegen Rijeka mit einem Stangenschuss auffiel. Mit Dominik Prokop müsste die Austria auf jeden Fall spielerisch besser sein als gegen Rijeka. Weitere Optionen sind die Legionäre Ibrahim Albassan und Jimhyun Lee. Gegen Rijeka waren allerdings so viele von der Rolle, dass Fink eigentlich noch viel mehr umstellen müßte.

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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