Fußball

Künftig kommt auch gelbe Karte für Trainer!

Zvonimir Boban ist ein bekannter Namen in Europas Fußball, eine Ikone in Kroatien. 51 Länderspiele, Kapitän der Nationalmannschaft, die 1998 bei der WM in Frankreich Dritter wurde, von 1991 und 2002 feste Größe im Mittelfeld des AC Milan. Auch als er 1994 im denkwürdiger Athener Finale der Champions League den FC Barcelona mit Trainer Johan Cruyff 4:0 abgefertigt, ein halbes Jahr später Austria Salzburg in der Gruppenphase durch ein 1:0 im Happel-Stadion. eliminiert hatte. Nach der Spielerkarriere schrieb Boban an der Universität von Zagreb seine Doktorarbeit über das Christentum im Römische Reich, war Chefredakteur der bekannte Sportzeitung Sportske novosti. Jetzt mit 49 ist Boban der Vize-Generalsekretär des Weltverbandes FIFA mit Büro in der zweiten Etage der Zentrale in Zürich. Egal, worum es geht,  Boban haut immer wieder einen lockeren Spruch raus.

Zuständig ist der Kroate unter anderem für den Video-Beweis bei der Weltmeisterschaft in Russland und neue Regeln. Damit es bei der WM-Premiere des Video-Beweises nicht wie von vielen prophezeit zum Chaos kommen wird, ließ er alle praktischen und theoretischen Schulungen in Englisch durchführen, damit die Kommunikation nicht ein  Problem bedeuten kann. Zum Unterschied von der deutschen Bundesliga, in der letzten Dienstag der Video-Irrsinn seine Blüten trieb, beim 2:0 von Mainz über Freiburg durch den Videobeweis das erste Bundesliga-Tor während der Halbzeitpause aus einem Elfmeter fiel, plant Boban in den WM-Stadien auf der Videowand sehr schnell einen Hinweis geben zu lassen, der die Entscheidung  via Video in Wort und Bild erklärt. Ein Beispiel: Abseits – kein Tor! Im Moskauer Kontrollzentrum  werden außer allen Video-Assistenten auch FIFA-Mitarbeiter sitzen, die den Funk zwischen Schiedsrichter und Video-Assistenten mithören und über ein Tablett sofort die TV-Sender und Kommentatoren informieren sollen, warum der  Video-Check läuft, welches Ergebnis es gibt.

Bei den drei Regeländerungen wird ein Plan für das meiste Aufsehen sorgen: Eine gelbe Karte auch für Trainer und andere Offizielle auf der Bank! Bislang konnte ein Schiedsrichter den Trainer bei einem Fehlverhalten sofort auf die Tribüne schicken. Etwa Pep Guardiola in der Pause  des Champions League-Viertelfinales zwischen Manchester City und dem FC Liverpool. Durch die Gelbe Karte soll der Trainer laut Bobans Plan  die Information oder Botschaft bekommen, dass er sich zusammenreißen muss, sonst ist er beim nächsten Mal fällig. Ein Beispiel aus der laufenden Saison in Österreich: Der sich mehrmals wiederholende Disput zwischen Sturms Trainer Heiko Vogel und Referee Harald Lechner (siehe Bild oben) am 25. Februar beim Spitzenduell gegen Red Bull Salzburg in Graz. Da sich Vogel immer wieder „meldete“, endete es mit einem Tribünenplatz sowie einer Anzeige gegen den Trainer, da er vor laufenden TV-Kameras dem Schiedsrichterteam Bestechlichkeit vorgeworfen hatte. Als er den vierten Offiziellen Julian Weinberger anbrüllte: „Haben die Euch gezahlt oder was?“

Der Strafsenat der Liga verdonnerte Vogel wegen Nichtbefolgen der Anweisung eines Offiziellen sowie unsportlichen Verhaltens zu 1500 Euro  Geldstrafe. Heute gibt Vogel zu: „Ich hatte in dieser Situation das größte Fehlverhalten.“ Für das er sich entschuldigte. Mit einer gelben Karte als Warnsignal wäre es dazu vielleicht nicht gekommen. Künftig werden auch hektische Selbstdarsteller in der Coaching Zone mit der gelben Gefahr leben müssen.

Das wird entscheidend leichter zu realisieren sein als eine andere Idee der FIFA, hinter der Präsident Gianni Infantino steht. Er will die Einnahmen für Spielerberater beschränken. In Deutschland verdienten sie von März 2017 bis 2018 laut DFB und DFL 200 Millionen. Einige „kleine Gebühren“ gingen auch nach Österreich. So vermittelte Max Hagmayr Valentino Lazaro von Red Bull Salzburg zu Hertha BSC Berlin oder Thomas Böhm Lukas Hinterseer von Ingolstadt zum Vfl Bochum, dem der Tiroler Freitag mit einem 13. Saisontor das 1:1 in Fürth rettete. Hinterseer ist in der Schützenliste der zweien Liga schon Zweiter.

Wie sein Plan  funktionieren soll, wollte Infantino von den Vermittlern selber hören. Freitag waren in Zürich Ronaldo-Berater Jorge Mendes, der Deutsche Roger Wittmann, zu dessen Spielern in seiner Rogon-Agentur auch der Mittwoch in Straubing erfolgreich an der Schulter operierte steirische Leipzig-Legionär Marcel Sabitzer zählt,  Mino Raiola, der Agent von Paul Pogba, Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli sowie Jonathan Barrett, der unter anderem Real Madrids Star Gareth Bale berät, zu Gast. Infantinos Vorschlag in dem sogenannten Workshop: Mehr Transparenz durch eine sogenannte „Clearing-Stelle“, die alle Beraterhonorare vor der Überweisung prüfen soll. Infantino glaubt, es wäre auch im Interesse der Vermittler, wenn sie künftig reguliert werden. Unmöglich, dass seine vier Gäste das genauso sehen. Besonders Raiola, der  als schlimmster Geldhai der Branche gilt.

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