Fußball

Sturm jubelt über Heimfinale! Rapid kann sich vom Lob nichts kaufen

Sturms umsichtiger Sportchef Günter Kreissl sprach von einem der besten Bewerbspiele, die er je in Österreich gesehen hat, wenn nicht gar vom besten. Das 3:2 über Rapid im 120 Minuten-Thriller des Semifinales im Uniqa-Cup  war tatsächlich sehenswert, Werbung für Österreichs Fußball. Sturms Trainer Heiko Vogel konnte sich nicht erinnern, ein so hohes Tempo über eine so lange Zeit schon erlebt zu haben, sprach von einem Fußballfest, zu dem man auch Verlierer Rapid gratulieren musste. Weil ohne den entsprechenden Beitrag aus Hütteldorf wäre das sicher nicht möglich gewesen. Nur hatte Sturm etwas mehr zuzusetzen. Vogel nannte fairerweise den einen Tag mehr Pause als Rapid, den Sturm nach dem letzten Meisterschaftsspiel hatte, als möglichen Grund. Zudem schonte der Trainer letzten Samstag gegen Mattersburg Bright Edomwonyi für den Cupschager. Das machte sich bezahlt. Edomwonyi traf zweimal. Und alle wunderten sich, dass Vogel den Nigerianer kurz vor dem Nachspiel austauschte. Aber sein Nachfolger, Landsmann Emake Eze, sorgte für den Schlusspunkt. Auf seinen Jubelsalto (Bild oben) fand Rapid keine Antwort mehr. Glück für Eze, dass für ihn kurz nach dem entscheidenden Tor nicht alles vorbei war. Referee Robert Schörgenhofer, hätte ihn für seinen Ellbogenschag gegen Manuel Thurnwald Rot zeigen müssen.

Es folgten Jubelszenen, wie man sie in Graz schon jahrelang nicht mehr sah. In denen Vogel auch zu Scherzen aufgelegt war: „Wir tun uns schwer, unsere Standards zu verwerten. Also müssen wir die des Gegners nützen“, spielte er lächelnd darauf an, die ersten zwei Tore aus Kontern nach einem Eckball und Freistoss erzielt zu haben, als Rapids Innenverteidiger Max Hofmann und Lucas Galvao noch in der gegnerischen Hälfte waren. Das ohne entsprechende Staffelung so schlecht zu verteidigen, darf Grün-Weiß nicht passiere, schon gar nicht zweimal. Auch Goran Djuricin hatte mit Giorgi Kvilitaia einen starken Joker, der das 1:1 vorbereitete, das 2:2 erzielte, aber in der Verlängerung vielleicht den Matchball ausließ. Denn dass  Sturm die erste Rapid-Führung weggesteckt hätte, kann keiner mit Sicherheit sagen. Bei Sturm war es eben in fast allen Belangen ein Quentchen mehr.

Und so tat es den Verlierern sehr weh, Sturm jubeln zu sehen. Wie Louis Schaub zugab. Er hätte sich zu gerne nach elf Jahren von Rapid mit seinem ersten Titel verabschiedet, Platz drei kann nicht einmal annähernd ein Ersatz dafür sein: „Vom Lob können wir uns nichts kaufen“, bemerkte Kapitän Stefan Schwab völlig zu Recht. Rapid seit zehn Jahren ohne Titel, aber zum Unterschied von letzter Saison höchstwahrscheinlich in der Qualifikation zur Europa League dabei. Kann man das als Fortschritt bei Rapids Ansprüchen wirklich gelten lassen? Reicht ein erreichtes Mindestziel zur Vertragsverlängerung von Djuricin, die Sportchef Fredy Bickel forciert? Seine Erkenntnis nach dem bitteren k.o von Graz, man habe gesehen, dass da etwas entstehen könnte, in allen Ehren. Aber diesen Satz  hörte man schon lange vor seiner Zeit in Hütteldorf. Eigentlich viel zu lange. Und nichts außer einem neuen Vorzeige-Stadion entstand nachhältig. Die vielversprechendsten Ansätze vernichtete die Chefetage vor zwei Jahren mit der Beurlaubung von Zoran Barisic, als der Trainer auf dem richtigen Weg war, aber nicht vier Schritte gleichzeitig machen wollte.

Sturm darf sich auf das Endspiel in Klagenfurt gegen Titelverteidiger Red Bull Salzburg freuen. Auch auf eine Heimkulisse wie vor acht Jahren, als Sturm dort unter dem  nunmehrigen Teamchef Franco Foda das Finale gegen Wr.Neustadt  mit etwas Glück 1:0 gewonnen hatte.  Am 9.Mai wird eine Karawane von schwarz.weißen Fans über die Pack in die Kärntner Landeshauptstadt rollen. Die Endspielpaarung bedeutet auch, dass Fußball-Wien wie immer seit 2014 ohne Titel bleibt, Rapid schon seit 2008. Bringt aber auch den Fünften fix in die Qualifikation zur Europa League. Darüber freut sich die Austria. Das kann aber nur bis Samstag dauern, wenn nicht ein unerwarteter Sieg gegen den LASK in Pasching gelingt. Das könnte den Rückstand auf den Fünften Admira auf vier Punkte reduzieren, wenn der Sonntag im Allianz-Stadion gegen Rapid verliert. Und zwei Runden später wäre dann am 5.Mai das direkte Duell Austria-Admira. Abwarten, ob das noch richtungsweisend sein wird.

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