Fußball

Mit dem „richtigen“ Grünwald lebt die Austria

Zwar spät, aber offenbar doch noch scheint die Austria in Schwung zu kommen. Feierte mit dem 3:1 (1:1) bei Sturm Graz den zweiten Auswärtssieg hintereinander, den ersten vollen Erfolg dieser Saison über die Grazer, holte aus den letzten sechs Runden neun Punkte. Das lässt vor den letzten zwei Runden noch Chancen, die Qualifikation für den Europacup zu schaffen, ohne ins Play-off gegen den „Überlebenden“ aus der Qualifiktionsgruppe der wahrscheinlich Rapid heißen wird, zu müssen. Der violette Aufschwung hängt mit einer Personalie zusammen, mit der von Kapitän Alexander Grünwald. Erst als Trainer Robert Ibertsberger den „richtigen“ Grünwald entdeckte, fand die Austria die Kurve zum Erfolg. Die Topleistung des 30jährigen Kärntner in Graz mit seinem ersten Doppelpack seit Mai 2017 war sozusagen das Ausrufezeichen, sorgte für den ersten von notwendigen drei Siegen im Finish.

Zum Start der Meistergruppe fand sich Grünwald zum Erstaunen vieler, auch seines, beim 1:5 in Salzburg nur auf der Ersatzbank wieder.  Bei der 0:1-Heimpleite gegen Sturm kam er erst nach 72 Minuten, ohne noch etwas retten zu können. Beim 1:1 in Wolfsberg stand er in der Startelf, aber in neuer Rolle: Ibertsberger vermutete, der Kapitän könnte im Abwehrzentrum am wertvollsten sein. Auch das verstanden nicht viele. Ibertsberger blieb auch beim 2:2 daheim gegen den LASK bei dieser Variante, korrigierte sich erst nach 62 Minuten, als er Grünwald nach vorne ins offensive Mittelfeld schickte, wo er auf Grund seiner Qualitäten im Passspiel, in eins eins-Duellen  als gefährlicher Fernschütze auch hingehört. Fast hätte ein Grünwald-Knaller in der Nachspielzeit für den ersten violetten Sieg in der Meisterrunde gereicht. Doch der ging nur an die Latte.

Es folgte in den zwei Duellen gegen St.Pölten zunächst das enttäuschende 2:2 in der Generali-Arena und dann im Match der letzten Chance der 2:1-Auswärtssieg bei den Niederösterreichern. Bei dem Grünwald für den Ausgleich sorgte. Nach der unglücklichen Heimniederlage gegen Meister Red Bull Salzburg, bei der Austria bis zur 81.Minute 1:0 führte, war der Sieg in Graz Pflicht. Und den machte Grünwald möglich: Mit seinem Ausgleich nur drei Minuten nach der Grazer Führung, als er den Ball von außerhalb des Strafraums ins leere Tor rollte. Nach der Pause mit dem Führungstor, einem der schönstens in seiner Karriere. Bei dem er alle seine Qualitäten zeigte: Einen Konter  eingeleitet, nach einem 60 Meter-Sprint über acht Sekunden den Grazer Innenverteidiger Lukas Spendlhofer spektakulär und  gekonnt ausgetanzt,  mit dem starken linke Fuß genau ins lange Eck getroffen. Sein achtes Saisontor. Immer wenn er traf, gewann die Austria. Die Draufgabe war der Musterpass zu Christoph Monschein, der zum entscheidenden 3:1 führte. Mit dem „richtigen“ Grünwald, der alle taktischen Freiheiten in der Offensive hat, in Graz bei allen gefährlichen Offensivaktionen seine Füße im Spiel hatte, lebt die Austria.

„Vielleicht waren wir die schlechtere Mannschaft, aber auf jeden Fall die mit dem größeren Siegeswillen“, behauptete Ibertsberger, der aber keinen Grund sah, jetzt durchzuatmen. Die Austria holte zwar Sturm ein, liegt aber noch hinter den Grazern. Was sich nur ändern kann, wenn Austria in den letzten zwei Runden mehr Punkte holt als Sturm. Denn bei Punktegleichheit bleiben die Grazer auf Grund der besseren Platzierung nach dem Grunddurchgang vorne. Das Schlüsselspiel folgt nächsten Sonntag daheim gegen den Dritten Wolfsberg, der St.Pöltens letztes Aufgebot 4:0 (1:0) abfertigte. Vor nur 2016 Zuschauern. Da stehen die Kärntner vor ihrer besten Platzierung in der Bundesliga und die wenigsten merken`s.. Eigenartig. Da wird vorrangig spekuliert, ob Trainer Christian Ilzer zum LASK oder doch zur Austria wechselt. Wolfsberg-Präsident Dietmar Riegler gab zu, Ilzer die Erlaubnis zu Gesprächen mit Austria erteilt zu haben. Von der Austria hörte Riegler noch nichts.

Violett muss ohne den gesperrten Monschein den ersten Saisonsieg über Ilzer und Wolfsberg feiern, um auf Kurs zu bleiben, käme damit bis auf einen Punkt auf Platz drei heran. Muss darauf hoffen, dass Meister Salzburg auch nächsten Sonntag in Graz gegen Sturm noch auf vollen Touren läuft. Dann könnte die Austria Sturm überholen. In der letzten Runde treffen Wolfsberg und Sturm aufeinander, die Austria muss zum Zweiten LASK. Ilzer sah im nächsten Spiel bei Austria den ersten Matchball für Wolfsberg, den man gleich nützen wolle. „Das Ziel heißt, nicht Fünfter zu werden“, meinte Ibertsberger, der in Graz erstmals in diesem Jahr Thomas Ebner nach einer langwierigen Adduktorenverletzung einsetzte und zwar im Abwehrzentrum. Wieder das bisher nicht überzeugende Duo James Jeggo und Uros Matic im zentralen Mittelfeld  brachte. Vielleicht, weil er damit spekulierte, dass sie gegen ihren ehemaligen Klub Sturm  besonders motiviert sein werden. Der entscheidende Faktor zum so wichtigen Austria-Sieg hießt aber in erster Linie Grünwald. Im „Sky“-Studio sprach Alfred Tatar sogar von einem goldenen Sonntag für Violett. Für Sturm war es ein deprimierender. Weiter nur Heimpleiten in der Meisterrunde, jetzt schon vie, heuer die fünfte in sechs Heimspielen. „Vielleicht ist er der Preis der  Jugend“, überlegte Trainer Roman Mählich, dachte dabei an den verunglückten Rückpass der 20jährigen Salzburg-Leihgabe Gideon Mensah, der Austrias Ausgleich ermöglichte. Mit Innenverteidiger Dario Maresic und Michael Lema spielten zwei 19jährige. Für Maresic ist es die zweite Saison in der Bundesliga, für den 22jährigen Ivan Ljubic erst die erste. Mählich zu Sturms Situation: „Die Chance auf Platz drei ist kleiner geworden, aufgegeben wird aber nur ein Brief.“

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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