Fußball

Nach vollendeten Austria-Tatsachen keine Gegenstimme für Sportvorstand Zorn

Die außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Austria-AG dauerte 90 Minuten, war um neun Uhr morgens beendet. Drei Stunden später kam die Mitteilung über die einstimmige Bestellung von Tomas Zorn, dem Kandidaten der Viola-Investoren, zum neuen Sport-Vorstand und damit zum Nachfolger des im August zurückgetretenen Jürgen Werner. Plötzlich waren auch alle fünf Austria-Vertreter überzeugt, dass der in Moskau geborene 39 jährige Zorn fachlich für diese Position sehr gut geeignet ist, wie es Präsident Kurt Gollowitzer versicherte. Der Grund für diese späte Erkenntnis liegt auf der Hand: Zuvor gelang es, Zorn Bestellung, die beeits im Dezember vorgeschlagen wurde, so lange hinauszuzögern, um ihn vor vollendete Tatsachen, die von Finanzvorstand Harald Zagiczek und den von ihm eingesetzten Sportchef Michael Wagner geschaffen wurden, zu stellen. Das heißt: In der bis Montag laufenden Winter-Transferzeit kann Zorn praktisch nichts mehr tun. Gemäß der vor seiner Zeit neu beschlossenen Geschäftsordung  müssen die Vorstände, also Zagiczek und er, wesentliche Entscheidungen gemeinsam treffen.

Die vollendeten Tatsachen sind weniger das Engagement von zwei Liefering-Talenten, sondern der Verkauf von U 17-Vizeweltmeister Ifeany Ndukwe an den FC Liverpool im kommenden Sommer. Zagiczek wolle Ndukwe so schnell wie nur möglich zu Geld machen, das die Austria erstens wegen der Lizenzauflagen nötig hat und zweitens braucht, um den Plan, die Investoren-Anteile von Werner zurückzukaufen, in die Tat umsetzen zu können. Ndukwes Vertrag wäre bis 2028 gelaufen, eigentlich hätte nichts dagegen gesprochen, ihn noch ein Jahr zu halten. Vielleicht hätte er 2027 mehr gebracht als die jetzt kolportierten drei Millionen plus Boni. Die sind die beste Transfereinnahme der Austria in den letzten fünf Jahren. Wahrscheinlich spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass Trainer Stephan Helm im Abwehrzentrum derzeit noch den robusteren, zwei Jahre älteren Dejan Radonjic den Vorzug gegenüber Ndukwe geben würde.

Zorn, der in seiner Zeit als Spielerberater den ehemaligen deutschen Top-Torjäger Kevin Kuranyi betreute, danach Sport-Vostand bei Spartak und Lok Moskau war, wird sich in nächster Zeit in erster Linie darum bemühen, alle violetten Bereiche kennenzulernen, sich durch Gespräche mit Zagiczek und Wagner einen genaueren Überblick über die tatsächliche Situation der Austria zu verschaffen. Ob dann weiterhin alles so positiv wie am Tag seiner Bestellung klingen und einvernehmlich sein wird? Am Transfermarkt wird es keine violetten Aktivitäten mehr geben. Für eine eher unerwartete sorgte Schlusslicht Bau Weiß Linz: Cheick Conde, 25-jähriger Mittelfeldspieler aus Guinea, kommt auf Leihbasis. Er spielt seit Sommer 2019 in Europa, zunächst in Tschechien, dann in der Schweiz zweieinhab Jahre beim FC Zürich, zuletzt in Italiens Serie B bei Venezia. Sportdirektor Christoph Schößwendter erwartet, dass Conde mit enormer Physis und Zweikampfstärke für mehr Stabilität sorgen wird.

 

Foto: Austria/Daniel Shaked.

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