So wie Österreichs Team beim Rückfug von Zypern, musste auch Bosniens Team beim Flug nach Wien mit einer um zwei Stunden verspäteten Abflugzeit leben. Der Grund war ein Unwetter rund um Sarajevo, nicht wie bei Österreich Übergepäck. Bosniens Teamchef Sergej Barbarez nahm Montagvormittag das gelassener als Ralf Rangnick in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Barbarez wirkte auch am Abend vor dem Tranig der Bosnier im Happel-Stadion gelassener als Rangnick fünf Stunden davor. Österreich sei sicher der Favorit, aber man nehme das an. Auch weil man die richtigen Lehren aus der 1:2-Niederlage in Zenica gezogen habe: „Ich habe vor der Qualifikation davon geträumt, dass wir uns im November direkt qualifizieren können. Jetzt ist es so weit. Ich genieße den Moment und wie die Spieler damit umgehen!“ Das Selbstbewusstsein der Bosnier ist groß. Man vertraut auch auf Edin Dzeko (Bild), der im Oktober im Westen von Wien beim 3:0 von Fiorentina in der Conference League ein Tor erzielte. Sein bisher einziges in Wien.
Nur bei einem Thema verlor Barbarez seine Gelassenheit. Da gab er zu, sauer zu sein. Es ging um Emir Karic, den Linksverteidiger von Sturm Graz, der mit 28 Jahren erstmals für Bosnien spielen sollte: „Der ÖFB hat klar kommuniziert, dass er Karic nicht die Freigabe erteilt. Das ist nicht die feine Art gegenüber einem, der nie für Österreichs Nationalteam spielte, nie ein ernster Kandidat war!“ Fürchte der ÖFB tatsächlich, dass Karic der entscheidende Faktor für den ersten bosnischen Sieg in Wien sein könne? Das könnte man sogar als Armutszeugnis bezeichnen. Vor 19 Jahren ärgerte sich der ÖFB, dass die FIFA Rapids Kapitän Steffen Hofmann nicht für Österreich bei der Heim-EM 2008 spielen ließ, weil er bei der U 17-WM für Deutschland im Einsatz gewesen war. Karic spielte in Österreichs U 21. Barbarez erwartete eine Entscheidung des Weltverbands FIFA in letzter Minute – aber für Bosnien und Karic.
Entscheidungen über WM-Tickets fielen Montag in Leipzig und Amsterdam: Deutschland zeigte ein völlig anderes Gesicht als drei Tage zuvor beim 2:0-Rumpelfußball in Luxemburg, deklassierte die Slowakei mit 6:0 (4:0). Die ersten 45 Minuten mit Toren von Nick Woltemade, Serge Gnabry und zweimal Leroy Sane waren das beste, was man von Deutschlands Team seit Jahren sah. Holland erfüllte mit dem 4:0 (1:0) gegen Litauen die Pflicht. Mit England, Frankreich, Kroatien, Portugal, Norwegen, Deutschland und Holland stehen somit sieben europäische WM-Teilnehmer fest. Die Slowakei und Polen müssen ins Play-off.
Foto: www.nfsbih.bs.