Der sportliche Supergau konnte bei 30 Grad Hitze noch verhindert werden. Rapid gewann vor 14.600 Zuschauern das zweite Play-off-Finale gegen Ried in Hütteldorf 3:0 (1:0), qualifizierte sich mit einem Gesamtscore von 4:2 für die zweite Runde in der Qualifikation zur Conference League, die schon vier Tage nach dem WM-Finale in New York am 23. Juli beginnen wird. Der Retter für Rapid war ein Abwehrspieler,kein Stürmer. Der 20 jährige Jakob Schöller erzielte per Kopf die ersten zwei Tore. Zuvor traf er in der Saison nur im März beim 4:2 gegen den LASK. Ebenfalls per Kopf. Der erste Doppelpack in Schöllers Karriere kam für Rapid zur richtigen Zeit. Am Ende gab es auch vom Fansektor Beifall. Während des Spiels gab es dort Transparente gegen die „Söldner“ und die Klubführung. Die Devise „Ende gut, alles gut“ wäre völlig falsch. Es muss nach dieser Saison, die Sportvorstand Markus Katzer als extrem durchwachsen bezeichnete, Konsequenzen geben, sonst geht es in dieser Tonart weiter. Als Katzer im Herbst glaubte, sich von Trainer Peter Stöger trennen zu müssen, war Rapid Zweiter. Am Pfingstmontag freute er sich über Platz fünf. Das sagt alles.
Innenverteidiger Schöller wurde als linker Verteidiger aufgeboten. Beide Treffer von ihm fielen nach Eckbällen. Rapid schlug Ried sozusagen mit den Waffen der Innviertler, die Freitag beim 2:1 beide Tore nach Standards erzielten. Beim 1:0 nach 22 Minuten sprang Schöller nach einem Eckball von Bendegüz Bolla am höchsten. Das war der „Ausgleich“ zum 2:2. Beim 2:0 kam nach einem abgewehrten Eckball der Minuten zuvor für den verletzten Romeo Amane gekommene Tobias Gulliksen ins Spiel. Bei dessen Flanke kam Schöller völlig frei zum Kopfball. Damit lag Rapid nach 66 Minuten 3:2 in Führung, geriet danach nie mehr in Gefahr, den Vorsprung zu verspielen. Auf des Messers Schneide stand das Spiel nur kurz vor und nach der Pause. Zunächst nützte Peter Dahl eine perfekte Vorarbeit von Nikolaus Wurmbrand nicht zum 2:0, dann scheiterte Kingston Mutadwa bei der Ausgleichschance an Keeper Niklas Hedl. Die Sambia-Perle hattte zu Beginn der zweiten Hälfte nochmals das 1:1 am Fuß, schoss aber drüber. Das schönste Tor fiel erst in der Nachspielzeit. Da traf der fünf Minuten zuvor eingewechselte Louis Schaub mit links voley. Zum Jubel über sein erstes Tor in diesem Jahr nach der Knieoperation zog er sein Trikot aus und zeigte es auf die Tribüne. Unter dem Motto: „Mich gibt´s auch noch.“ Flanke zu Schaub wieder von Gulliksen. Es waren somit die effektivsten 55 Minuten des Norwegers im Rapiddress.
Einen guten Schaub könnte Rapid in der nächsten Saison sicher gebrauchen. Der an Ried verliehene Nicolas Bajlicz, den Katzer zurückholen will, zeigte Montag nicht, dass er Grün-Weiß weiterhelfen könnte. Das Fazit von Trainer Hoff Thorup: „Die Erwartungen sind solche Leistungen wie heute. Es muss unser Anspruch sein, diese in der nächsten Saison dauerhaft zu zeigen.“ Damit liegt der Däne nicht ganz richtig. Leistungen wie beim 3:0 werden zu wenig sein, Rapid muss sich deutlich steigern, um den Ansprüchen gerechet zu werden. Noch bemerkenswert am Saisonfinale: Es war das letzte Spiel dass die Ö 3-Hörfunklegende Adi Niederkorn übertrug. Er geht in Pension. Abschied nehmen dürfte auch der Abwehrriese Niki Haveraar von Ried. Soll schon um 500.000 € an einen belgischen Erstligisten verkauft sein.
Foto: Yigit Oerme.