Fußball

Ratlos und am Boden zerstört: Foda raus-Rufe bei 0:1

Auch die Miene von Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler nach dem Spiel im VIP-Club sagte alles. Österreichs Fußballteam kassierte  drei Tage nach dem 2:5 in Israel die nächste Niederlage, verlor mit dem 0:1 (0:1) gegen Schottland das zweite Heimspiel in der WM-Qualifikation. Kein Wunder, dass Österreich mit nur sieben Punkten aus sechs Runden auf Platz vier festsitzt, schon vier Zähler Rückstand auf die Schotten auf Platz zwei hat. Die Fans reagierten sauer. Pfiffe während des zweiten Hälfte, dazu mehrmals „Foda raus“-Sprechchöre gegen den Teamchef aus dem Fansektor. So etwas gab es zuletzt vor zwölf Jahren  im letzten Spiel der Ära von Karel Brückner, dem 0:2 gegen Schweden in Graz. Aber es war Mittwoch sicher nicht das letzte Spiel in der Ära von Franco Foda. Die Spieler zeigten nach dem Schlusspfiff Charakter, gingen in die Fankurve. Dort mussten sich auch Kapitän David Alaba und Marko Arnautovic einiges anhören.

66 Prozent Ballbesitz, 16:8-Torschüsse, aber am Ende 0:1, ratlos und am Boden zerstört. Foda stellte gegenüber Samstag dreimal um, brachte Christopher Trimmel für Philipp Mwene, Stefan Ilsanker für Stefan Posch, Louis Schaub von Beginn  statt Alessandro Schöpf, kehrte zum 4-2-3-1 mit Viererabwehr zurück, ließ hinter der einzige Spitze Arnautovic Konrad Laimer über rechts, Schaub zentral und Christoph Baumgartner über links spielen. Anfang merkte man Spielfreude bei, sah es gar nicht schlecht aus. Mit Vorstößen über außen, über Trimmel und Alaba, der allerdings den Schoten damit Raum für Gegenstöße öffnete. Nur war es schon in den guten Phasen schwierig, Abnehmer für die vielen Flanken zu finden, auch wenn sie teilweise wirklich gut und gefährlich waren. Denn die Strafbaumbesetzung war alles anderes als gut. Oft nur ein Österreicher zwischen den drei robusten Innenverteidigern.

Die Schotten wirkten bei Kontern gefährlicher als Österreich bei der Daueroffensive, Tormann Daniel Bachmann verhinderte zum Unterschied vom letzten Samstag einen schnellen Rückstand. Der Bruch kam nach einer halben Stunde, als nach einem Zweikampf zwischen Martin Hinteregger und Che Adams von Ralph Hasenhüttls FC Southampton der holländische VAR-Referee Pol van Boeckel eingriff, den bulgarischen Schiedsrichter Georgi Kabakov in die Video-Area schickte. Kabakov empfand das Halten von Hinteregger gegen Adam als elfmeterwürdig. Hinteregger hatte schon gelb und damit Glück, nicht die gelb-rtoe Ampelkarte zu bekommen. Tormanntrainer Robert Almer schickte Ilsanker zu Bachmann, damit er ihm die Ecke vom Elfmeterschützen Lyndon Dykes verriet. Das gelang, Bachmann hatte die richtig, kam aber nicht an den scharf getretene Bal, der unter seiner rechten Hand ins Netz ging, heran. Danach wurde Österreichs Spiel immer langsamer. Das begann schon bei Bachmann, der mitunter zu lange brauchte, um sich zu entschliessen, wohin er den Ball warf, ging bei den vielen Querpasses in der eigenen Hälfte weiter.

Es war das vierte VAR-Eingreifen in vier Minuten gegen Österreich. Es begann bei der EM gegen Holland in Amsterdam, setzte sich im Achtelfinale gegen Italien in Wembley fort, passierte Samstag in Israel bei Laimers vermeitnlichem Tor zum 1: 1 und ging Dienstag weiter. Wenn man ehrlich ist, alle Entscheidungen waren korrekt. Auch die gegen Hinteregger, auch wenn er die Entscheidung gar nicht verstand und versicherte, auch der gefoulte Adams habe gemeint, dies sei für einen Elfmeter zu wenig gewesen.  Auf den VAR und den Referee darf sich Österreicher aber nicht ausreden.  Die Enttäuschung ist schon hausgemacht, weil keine richtigen Lösungen gefunden wurden, wie  Alaba nachher zugab. Es gab nur eine Ausgleichschance. die Baumgartner per Kopf nach einem Eckball von Alaba ausließ.

Foda ließ zu Beginn der zweiten Hälfte nur Schaub und Laimer die Positionen tauschen, wechselte erst nach 56 Minuten mit Michael Gregoritsch einen Offensivspieler für den defensiven Ilsanker ein, brachte Yusuf Demir erst 20 später für Schaub, ebenso Andreas Ulmer als Linksverteidiger, um Alaba statt Florian Grillitsch im Mittelfeld agieren zu lassen. Gebracht hat es nichts. Sicher kann man darüber streiten, ob Demir schon früher hätte kommen sollen. Ercan Kara erst in der 88. Minute einzuwechseln, bedeutete auch nur „Kosmetik“. Auch andere Personalien liefern Stoff für Diskussionen: Ilsanker  kam bei Eintracht Frankfurt bisher nur 45 Minuten zum Einsatz, Dejan Ljubicic beim 1.FC Köln in allen drei Runden von Beginn an, bot starke Leitungen. Warum also Ilsanker und nicht Ljubicic in dieser zentralen Position? Und noch etwas: Florian Kainz ist beim 1. FC Köln Stammspieler und überzeugt, Schaub hat in Köln derzeit die Jokerrolle, mit der er Akzente setzen kann. Warum spielt im Team Schaub von Beginn an und Kainz gar nicht?

Das sind alles Dinge, die nicht ganz nachvollziehbar sind. Foda zum alleinigen Sündenbock zu stempeln, ist aber auch nicht richtig. Allerdings müsste er den „Freibrief“ für Marko Arnautović überdenken. Mit dieser Fitness kann er der Mannschaft nicht helfen, ist er nicht der wichtige Bestandteil, von dem Foda immer spricht. Überdies wirkten Fersler, wenn man nicht in Form ist, aufreizend. Der Teamchef wollte die „Foda raus“-Rufe nicht gehört haben, weil er sich total auf die Mannschaft konzentrierte.

Vorne ist Dänemark weiterhin eine einsame Klasse für sich. Der EM-Semifinalist nützte in Kopenhagen Israels Defensivfehler viel besser und konsequenter als Österreich im Match zuvor. Mit zwei Toren in drei Minuten führten die Dänen  nach 31 Minuten bereits 2:0, zur Pause 3:0.  Am Ende 5:0 (3:0) und ein bitterer Abend für Israels Teamchef aus Österreich, Willi Ruttensteiner, nach der Jubelstimmung am Samstag. Das bedeutet sechs Siege in sechs Spielen und alle ohne Gegentor. Färöer bezwang Moldau 2:1. Es war für Österreich ein ungemütlicher Oktober mit den Spielen in Torshavn gegen Färöer und Kopenhagen in Dänemark. Das wäre kein guter Start für einen neuen Teamchef. Daher bedeutet dies zugleich eine Chance für Foda, im Amt zu bleiben und einen Neustart mit Blickrichtung Play offs im März um das WM-Ticket zu schaffen. Derzeit muss man befürchten, dass Österreich 2022 in Katar zum sechsten Mal hintereinander bei der WM-Endrunde nicht dabei sein wird.

 

Foto: FotobyHofer/Diener/Philipp Schalber.

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