Die Erfahrung der letzten Weltmeisterschaften zeigt, dass die Eröffnungsshow besser als das folgende Eröffnungsspiel war. So könnte es auch Donnerstagabend in Mexiko-City sein. Der selbstherrliche und mitunter peinliche FIFA-Boss Gianni Infantino kündigte erwartungsgemäß am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz in Mexiko die größte, spektakulärste und beste WM aller Zeiten an, verteidigte mit dem Hinweis auf mehr als sechs Millionen verkaufte Tickets die extrem hohen Kartenpreise. Es ist die erste WM, die von der FIFA selbst organisiert wird. Als Organisationschef, hochoffiziell „Chief Operating Officer“, ist ein Steirer im Einsatz: Der 45 jährige Heimo Schirgi. Er begann im Dienste der Schweizer T.E.A.M.-Marketingagentur als Chauffeur bei den Champions-League-Heimspielen von Sturm Graz, kam auf diesem Weg zur UEFA, war 2008 bei der EM in Österreich und der Schweiz im Wiener Happel-Stadion für die Medien zuständig. Seit 2017 steht er in Diensten der FIFA, jetzt dirigiert er von einem Büro in Miami aus die Weltmeisterschaft. Ein steirischer Traum.
US-Präsident Donald Trump wird wohl nicht zur Eröffnung kommen. Er hat bei Infantino zwar alle Rechte, misstraut aber der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum. Was auf Gegenseitigkeit beruht. Neun Showstars, allen voran die kolumbianische Sängerin Shakira, sollen für Stimmung sorgen. Allerdings sind in der 23-Millionen-Einwohner-Metropole Unwetter angesagt. Die Hoffnung ist, dass sie erst nachmittags einsetzen werden. Der WM-Auftakt zwischen Mexiko und Südkorea wird um 13 Uhr Ortszeit (21 Uhr in Österreich) angepfiffen. Dieses Duell gab es bereits 16 Jahre zuvor in Südafrika. Ein Leckerbissen war das 1:1 in Johannesburg damals wirklich nicht. Sieben Stunden nach der Eröffnung wird er im zweiten Spiel höchstwahrscheinlich schon der erste von insgesamt 86 WM-Spielern mit Bezug zur österreichischen Bundesliga, 16 davon bei Österreich, im Einsatz sein: In Guadalajara, wo bei der letzten WM in Mexiko 1986 Österreichs Ex-Teamchef Helmut Senekowitsch Trainer war, der Austrianer Taesook Lee bei Südkorea im Mittelfeld gegen Tschechien. Der Ex-Salzburger Hee Chan Hwang wird nur Ersatz für Topstar Heungmin Son (letztes Jahr gemeinsam mit Kevin Danso Europa League-Gewinner bei Tottenham, derzeit FC Los Angeles) sein. Mit dem 25 jährigen Kang-in Lee von Paris St. Germain hat Südkorea auch einen zweifachen Champions League-Sieger. Eigentlich hätte ein Österreicher auf der Betreuerbank sitzen sollen: Andreas Herzog als Assistent des Deutschen Jürgen Klinsmann. Nach dem 0:2 im Semifinale des Arab-Cups 2025 gegen Österreichs ersten Gruppengegner Jordanien wurde das Duo aber entlassen. Es folgte der in der Heimat eher unpopuläre Myung Bo-Hong.
Südkorea ist zum elften Mal hintereinander bei der WM dabei, Tschechien kehrt nach 20 Jahren Pause via Play-off-Sieg gegen Dänemark zurück. Mit zwei Spielern, die von Christian Ilkzer bei Hoffenheim trainiert werden: Rechtsverteidiger Vladimir Coufal und Stürmer Adam Hlozek. Er hatte in dieser Saison großes Verletzungspech: Zuerst Kahnbeinbruch und Wadenverletzung. Er kam nur im Dezember und im Mai zu jeweils zwei Kurzeinsätzen, ist trotzdem dabei. Bei den letzten Tests, dem 2:1 gegen Kosovo und dem 3:1 gegen Guatemala, spielte er je 45 Minuten. Die größte Hoffnung von Tschechien ist aber Leverkusens Torjäger Patrick Schick. Der prominenteste Mann ist aber der 53 jährige Sportdirektor: Pavel Nedved war als Spieler 1996 im Londoner EM-Finale, mit Lazio Europacupsieger, mit Juventus Meister, 2003 Europas Fußballer des Jahres.
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