Im dänischen Herning war alles anders als in Stockholm. Schon von der Kulisse und Stimmung her. Mit 2621 Fans war die Jyske Bank Boxen größtenteils leer, gab es daher auch keine Stimmung wie im Globe von Stockholm. Für die sorgten im Finish nur die österreichischen Fans, die trotz der brutalen 0:6 (0:3, 0:2,0:1)-Niederlage gegen die Schweiz im letzten Drittel quer durch die Halle die Polonaise tanzten. Leider präsentierte sich auch Roger Baders Team ganz anders als in den sieben Spielen zuvor. Nicht mehr so aggressiv und fokussiert, irgendwie schien mit dem Aufstieg ins Viertelfinale die Energie weg, der Stecker gezogen zu sein. Die Träume von der nächsten Sensation endeten schon im ersten Drittel. Als Marco Kasper nach acht Minuten Österreichs ersten Torschuss abgab, führte die Schweiz bereits 1:0, nach 12 Minuten stand es 3:0, zu Beginn des zweien Drittels nützte NHL-Legionär Kevin Fiala die Fünfminutestrafen von Vinzenz Rohrer wegen eines Crosschecks zum 4:0. Rohrer bekam dazu eine Spieldauerdisziplinarstrafe.
Der achte WM-Gegner war der stärkste, die Schweizer waren souveräner als Finnland, Schweden und Kanada bei ihren Siegen über Österreich. Es gab keine Chance auf den ersten WM-Sieg gegen den Nachbarn seit zehn Jahren, sondern die vierte Niederlage hintereinander. Das Schussverhältnis von 40:13 sagte am Ende alles. Im Viertelfinale 1994 gab es in Mailand ein 0:10-Debakel gegen Finnland, ein ähnliches Ergebnis verhinderte Donnerstag der starke David Kickert im Tor. Nur drei Österreicher standen bei keinem Verlusttor am Eis: die Verteidiger Gregor Biber und Clemens Unterweger sowie Center Marco Kasper. Auch wenn der letzte Eindruck leider nicht der beste war, sich das Team auch gegen die starke Schweiz besser verkaufen hätte können: Es war mit Platz acht die beste WM seit 31 Jahren.
„Wir wurden auch physisch komplett dominiert“, gestand der gefasste Bader, „nicht weil wir nicht wollten, sondern weil wir nicht konnten. Sie haben uns gezeigt, was es heißt, auf Topklasse-Niveau mit dieser Intensität zu agieren!“ Wegen der sieben guten Spiele davor sprach er von einer Riesen-WM, einer Riesen-Leistung und lag damit gerechnet. Kasper, Kickert und Dominic Zwerger wurden als die besten drei Österreicher bei der WM ausgezeichnet, für Verteidiger Dominique Heinrich könnte das letzte Spiel seiner siebenten Weltmeisterschaft auch das letzte seiner Karriere gewesen sein. Zunächst will er noch die WM-Eindrücke sacken lasen und dann die Entscheidung treffen.
Eine Neuigkeit vermeldete Meister EC Red Bull Salzburg: Er verstärkte sich mit Michael Raffl, dem zwei Jahre jüngeren Bruder des Teamkapitäns. Der 36 jährige war zuletzt Kapitän des Schweizer Vizemeisters Lausanne, zuvor spielte er neun Jahre in der NHL, absolvierte 629 Partien für die Philadelphia Flyers, Washington Capitals und die Dallas Stars. Künftig heißt es Thomas Raffl mit Michael Raffl. Gab es in den letzten Jahren nur einige Male im Nationalteam.
Foto: IIHF/Andre Riguette.