Fußball

Wahnsinn: So hoch hat Kühbauer mit St.Pölten nie verloren

Das war der Samstag der Aufsteiger. Wacker Innsbruck stoppte überraschend im Westderby bei Red Bull Salzburg den Siegeszug des Meisters und Tabellenführers, erarbeitete sich mit dem Debütanten Hidayet Hankic im Tor ein glückliches 1:1 (0:0). Aber das war nichts im Vergleich zum Wunder von Hartberg: Wahnsinn, wie die Steirer Rapid beim 3:0 (2:0) vorführten, erstmals in der  Bundesliga zwei Spiele hintereinander gewannen, kein Gegentor kassierten. Damit liegt Hartberg nach dem ersten Durchgang in der Tabelle vor  Rapid, dank der sechs mehr erzielten Tore. Für Grün-Weiß könnte die Lage Sonntag noch prekärer werden: Feiert Admira gegen Wolfsberg den ersten Heimsieg dieser Saison, dann trennen Rapid vom letzten Platz nur noch drei Punkte. Die Alarmglocken läuten noch lauter als zuvor. Wäre Samstag in Hartberg noch Goran Djuricin der Trainer gewesen, dann hätte die Fans sicher anders reagiert. Und nicht so zivilisiert wie bei Didi Kühbauer.

Dessen Prognose, dass es auch mit ihm auf der Trainerbank schwache Spiele geben werde, bewahrheitete sich viel schneller als es ihm lieb war.  Ohne den Reaktionen von Tormann Richard Strebinger wäre es ein noch schlimmeres Debakel geworden. Bis zur Pause kam Hartberg, von seinem Trainer Markus Schupp total auf schnelles Umschalten eingestellt. zu fünf Sitzern. Zwei davon verwerteten die Steirer bereits in den ersten 17 Minuten. Rapids Defensive stellte sich ganz schlimm an: Keiner attackiert Hartbergs Assistgeber, die konnten unbehelligt in den Strafraum passen. Wo Mario Sonnleitner und Marvin Potzmann ihre Gegenspieler aus den Augen verloren. Rapid ließ alles vermissen: Tempo, aggressives Zweikampfverhalten,die nötige Laufarbeit, damit Bewegung im Spiel, Ideen. Nur wie eine Karikatur der eigenen Ansprüche. Nicht zu vergessen: Da ging die Mannschaft mit dem zweitgrößten Budget der Liga gegen die mit dem geringsten total unter. „Mir war immer klar, dass mit dem Trainerwechsel sich nicht alles ändern kann. Das habe ich immer betont“, meinte Kühbauer. Mit St. Pölten verlor er in den sechs Monaten nie so hoch wie mit Rapid bei der höchsten Saisonniederlage in Hartberg.

„Mir ist es ein Rätsel, wie wir so ohne Begeisterung, ohne Freude am Fußball agieren konnten“, bekannte Kapitän Stefan Schwab, „da fehlte das Miteinander.“ Und er ist weit davon entfernt, etwas  ändern zu können. Vielleicht hätte es noch einen Umschwung geben können, hätte der zur zweiten Hälfte für den „unsichtbaren“ Christoph Knasmüllner gekommene Rumäne Andrij Ivan den Sitzer zum Anschlusstor genutzt. Passierte nicht. So bewies Schopp noch ein goldenes Händchen, als er seine „Rakete“ Zakaria Sanogo, der vorerst auf der Bank blieb, weil er erst Donnerstag vom Nationalteam von Burkina Faso zurückkam, für den Schützen des 2:0, Dario Tadic, zu dessen Ärger brachte: Schon 25 Sekunden nach der Einwechslung bereitete Sanogo das dritte Hartberg-Tor vor. Weil Boli Bolingboli die grün-weiße Abseitsfalle aufhob.

Ein Volksfest für Hartberg, schlimme Katerstimmung bei Rapid. Die Spieler können sich nicht mehr hinter dem Trainer verstecken, müssen sich endlich selbst an der Nase nehmen. Wenn man die Personalpolitik von Sportchef Fredy Bickel seit seinem Amtsantritt im Jänner 2017 hinterfragt, findet man keinen seiner Neueinkäufe, der Rapid bisher wirklich weiterbrachte. Auch Bolingboli ist nicht mehr als ein Kaderspieler, dazu defensiv immer ein Risiko. „Wenn man in den Zweikämpfen nicht präsent ist wie wir vor der Pause, dann wird es überall schwer, Spiele zu gewinnen“, analysierte der gefasste Kühbauer. Und meinte, er sei schon lange genug im Geschäft, um zu wissen, was in der  kritischen Situation notwendig ist. Aber es sind zu viele Schrauben, an denen er drehen müsste. Was er indirekt  auch zugab: „Bei unserer Dreifachbelastung kann ich nicht alles tun, was ich tun möchte.“

Nach elf Runden 19 Punkte Rückstand auf Salzburg bedeuten eine sportliche Bankrotterklärung. Kühbauers Kollege beim Meister, Marco Rose, konnte daher das Ende der Siegesserie, nicht im geringsten beunruhigen: „Wir sind keine Überflieger, sondern Menschen, denen klar war, dass wir irgendwann Punkte liegen lasen werden. Jetzt ist es passiert. Aber es war eine ordentliche Partie von uns. So wie sich Innsbruck mit harter Arbeit das Unentschieden verdiente, hätten wir uns auch den Sieg verdient.“ 70 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüsse sagen eigentlich genug.

Foto: © SK Rapid Wien Media.

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