Eishockey

Warum ruft Eishockeyverband um Hilfe, wenn er „finanziell top“ sein will?

Titelverteidiger EC Salzburg steht bereits im Finale der ICE-League. Die beim vierten Sieg gegen Bozen durch böse Fouls gegen den Kopf verletzten Teamstürmer Peter Schneider und Lucas Thaler sollen bis zum Auftakt der Finalserie wieder einsatzfähig sein. Die für einen Verteidiger die Abschiedsvorstellung sein dürfte: Der 26 jährige Verteidiger Paul Stapelfeldt, ein 1,96 Meter-Riese, steht vor dem Wechsel zu den Vienna Capitals, den Sam Antonitsch, der Sohn des ehemaligen Tennisstars bereits vollzogen hat. Der Stürmer wird von den Grazer 99 ers in seine Geburtsstadt zurückkehren. Salzburgs Finalgegner wird erst Dienstag bestimmt: Denn die Linzer Blackwings erzwangen Sonntag durch ein 2:0 (0:0, 0:0, 2:0) gegen KAC ein siebentes Spiel in Klagenfurt. Auch im Viertelfinale gegen die Grazer setzten sich die Linzer erst nach sieben Spielen durch. In Klagenfurt sind sie zwar Außenseiter, aber ein siebentes Spiel soll ja eigene Gesetze haben. Da sieben der bisherigen 13 Play-off-Spiele in die Overtime gingen, hatte die Mannschaft von Philipp Lukas insgesamt 15 Stunden, 15 Minute und vier Sekunden Eiszeit. Eib Wahnsinns-Marathon.

Dienstag beginnt in Wien auch die Vorbereitung des Nationalteams unter Roger Bader auf die WM in Stockholm. Einen Tag vor präsentierte sich in noblem Rahmen, der schwedischen Botshaft, der Eishockeyverband etwas seltsam. Das traf speziell auf Präsident Klaus Hartmann (Bild)zu, Selbstdarsteller und Hilferufer in Personalunion. Er erinnerte an die unglaublichen Emotionen, für die das Team bei der letzten WM in Prag sorgte, wunderte sich, dass die Sponsoren dem Verband nicht die Türe einrennen, sondern fernbleiben, obwohl der Werbewert von zehn auf zwölf Millionen gesteigert wurde. Ob das nicht am Verband liegen könnte? Den umstrittenen Geschäftsführer Bernhard Friedrich lobte Hartmann, weil aus Stockholm mehr Österreich-Spiele auf ORF 1  zu sehen sein werden als ein Jahr zuvor aus Prag. Dazu gab es eine „Warnung“ des Präsidenten an die neue Regierung, weil die erhöhten Steuern auf Wetten für Österreichs Sportszene schlechte Auswirkungen haben könnten. Weil einige Unternehmen dadurch ihr Sponsoring zurückschrauben könnten. Wie win2day beim Eishockeyverband.

Hartmann behauptete allen Ernstes, dass der Eishockeyverband „finanziell top“ ist, genug Anlagevermögen hat. Aus der Stiftung, die noch der heuer verstorbene Ex-Präsident Hans Dobida geschaffen hat, die in Hartmanns Ära  aufgelöst wurde. Einer vom Format Dobidas wäre im Verband dringend notwendig. Es passt nicht zusammen, dass der Verband finanziell top ist, wie Hartmann trotz von ihm eingeräumten Minus von 300.000 Euro im letzten Jahr behauptete, es sich aber nicht leisten kann, die ersten WM-Vorbereitungsspiele gegen Lettland am Freitag und Samstag in der großen Halle der Kagraner Steffl-Arena zu organisieren, sondern nur in der kleinen Halle drei. Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit ohne Fans, um die Kosten für Sicherheitspersonal zu sparen. Die drei angemeldete Scouts von NHL-Klubs, einer kommt von den Winnipeg Jets, dürfen schon hinein. Hartmann klagte, dass jedes der fünf Vorbereitungscamps 100.000 Euro kostet, die Kosten für Hotels, Transport und Hallenmieten gestiegen sind. Fünf Vorbereitungscamps gibt es bereits seit Jahren, sind auch international üblich.

„Es wäre nicht möglich gewesen, in der großen Halle die Kosten zu decken“ verteidigte Hartmann die Missachtung des eigenen Teams in den Lettland-Spielen. Hoffentlich gelingt es wenigstens beim Gastspiel von Kanada am 4. Mai. Vor einem Jahr gab es trotz Ausverkauft nur eine schwarze Null, wie Hartmann zugab.

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