Lobeshymnen wird man von Österreichs Ex-Teamkapitänen Christian Fuchs und Andreas Ivanschitz nicht hören, wenn man sie auf ihre Erfahrungen mit Englands Teamchef Thomas Tuchel anspricht, als der noch ihr Trainer in der deutschen Bundesliga bei Mainz war. Bei Fuchs war es eine Saison (2010/11), bei Ivanschitz zwei (von 2011 bis 2013). Als bei Fuchs absehbar war, dass er nicht bei Mainz bleibt, sondern zu Schalke wechseln wird, lernte er die „schroffe Seite“ von Tuchel kennen. Er ist eben ein Typ, der immer fordert und polarisiert. Jetzt kann Tuchel (Bild) Geschichte schreiben. Wenn er England zum ersten WM-Titel seit dem vor 60 Jahren im eigenen Land führt. Dann wäre der 52-jährige auch der erste Weltmeister-Teamchef der Geschichte, der ein Ausländer ist, nicht aus dem eigenen Land kommt. Das würde sich für ihn auszahlen: Im Vertrag des 52 jährigen ist für den WM-Titel eine Prämie von 3,5 Millionen Euro fixiert.
Dabei waren die englischen Medien alles andere als glücklich über Tuchels Bestellung. Die Kritik wuchs, als er für die WM auf Manchester-City-Star Phil Foden oder Trent Alexander-Arnold von Real Madrid verzichtete. Vor dem Semifinale gegen Argentinien in Atlanta hat sich die Stimmung aber gedreht. Durch den Achtelfinalsieg in Unterzahl gegen Mexiko im Aztekenstadion, durch den gegen Norwegen in der Verlängerung. Als einige englische Medien danach einen Krach zwischen Tuchel und dem Doppeltorschützen Jude Bellingham „konstruierten“, ging Kapitän Harry Kane dazwischen: „Ich glaube, es ist leicht, Zwietracht zu säen. Das scheint bei großen Turnieren immer eine typisch englische Mentalität zu sein. Aus vielen Dingen wird mehr gemacht, als in Wirklichkeit dahintersteckt.“
Bei England – Argentinien gibt es Brisanz ohne Ende. Eine politische durch den Falkland-Krieg Anfang der 80er-Jahre. Die sportliche durch Skandale bei der WM. Wie 1986 im Semifinale von Mexiko, als Argentinien dank der „Hand Gottes“, dem Handtor von Diego Maradona Argentinien mit 2:1 eliminierte. Zwölf Jahre später wurde der von Diego Simeone, aktuell Langzeit-Trainer bei Atletico Madrid, provozierte David Beckham in Marseille ausgeschlossen. Vier Jahre später revanchierte sich England im Sapporo-Dome mit einem 1:0. Siegestorschütze war aus einem Elfmeter Beckham, für die FIFA war damals Ivica Osim, der Meistertrainer von Sturm Graz, der „Beobachter“ des Spiels. Der sich damals kurz vor Anpfiff mächtig freute, dass Pepi Schickelsgruber sein ehemaliger Torhüter bei Sturm bei Pasching einen neuen Vertrag bekam: „Schön, dass Pepi weiter spielen kann“, sagte er damals den in Sapporo vor Ort befindlichen Journalisten aus Österreich.
Argentiniens Kapitän Lionel Messi traf in der Champions League 27mal gegen englische Klubs. England hat mit Kane und Bellingham zwei „Tor-Garanten“.Wer setzt sich durch? Das Spiel ist bei Servus TV live zu sehen-. Die Kommentatoren Philipp Krummholz und Ex-Teamspieler Martin Harnik sind in Atlanta vor Ort.
Foto: FIFA.