Fußball

Fragezeichen für WM-Kader, wenn überhaupt, nur in der Abwehr

72 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM zwischen Mexiko und Südafrika im Azteken-Stadion ist Österreich im Vergleich zu anderen WM-Teilnehmern wie eine Insel der Seligen. Bei Ghana folgte drei Tage nach dem 1:5 in Wien nur ein 1:2 gegen Deutschland in Stuttgart, in der Nacht nach dem Spiel wurde Teamchef Otto Addo entlassen. Bei Deutschland herrscht Unruhe, weil Stuttgart-Stürmer Deniz Undav, der beste deutsche Torschütze in der Bundesliga, bei Teamchef Julian Nagelsmann nur dritte Wahl hinter den England-Legionären Kai Havertz und Nick Woltemade ist. England schlägt nach der Qualifikation mit weißer Weste, acht Siegen mit 22:0-Toren, WM-Alarm, weil es im Wembley-Stadion ohne den verletzten Harry Kane mit dem 0:1 gegen Japan die erste Niederlage gegen eine Mannschaft aus Asien gab. Daher steht Teamchef Thomas Tuchel plötzlich in der Kritik. In Bosnien mischte sich in die Euphorie über den Sieg gegen Italien und das erste WM-Ticket seit der bisher einzigen WM-Teilnahme vor zwölf Jahren die Sorge um den 40 jährigen Edin Dzeko, der im Nachspiel eine schwere Schulterverletzung erlitt, beim gewonnenen Elfmeterschießen nicht mehr dabei war.

Österreich bleibt hingegen von ähnlichen Ereignissen verschont. Keine Ausfälle, kein Ärger. Am 18. Mai wird Rangnick seinen erweiterten Kader bekanntgeben, der sich nicht sehr von dem bei den Siegen gegen Ghana und Südkorea unterscheiden wird. Die FIFA verlangt den Kader erst am 1. Juni. Rangnick lässt sich nicht so lange Zeit, ein Indiz dafür, dass für ihn mehr oder weniger alles klar ist. Es wird kein neues Casting veranstaltet, darauf legte sich der Teamchef schon fest. Wenn es Fragezeichen gibt, dann am ehesten in der Abwehr. Es gibt zu viele Innenverteidiger. Sieben waren es im letzten Kader, mit Stefan Posch ist eher einer als Rechtsverteidiger eine Option. Kevin Danso, Philipp Lienhart und David Alaba werden gesetzt sein. Der Kapitän hat so viel Klasse und Erfahrung, dass sich dies nicht ändern wird, selbst wenn er bei Real Madrid bis zum Saisonende nur wenig Spielpraxis bekommen sollte. Fix ist, dass Österreich für eine erfolgreiche WM einen Alaba in Topform benötigen würde. Ob er die ohne Spielpraxis erreichen kann? Seine 33 Minuten gegen Südkorea kommentierte er gelassen mit „passt schon“. Wenn nicht mehr als fünf Innenverteidiger im WM-Kader sein sollten, gäbe es noch vier Kandidaten für zwei Plätze. Zu David Affengruber, der gegen Ghana debütierte, Michael Svoboda und Werder Bremens Kapitän Marco Friedl muss man auch Leopold Querfeld, der bei Union Berlin nur ein Spiel wegen Gelbsperre verpasste, auch  bei der Europameisterschaft dabei war, zählen . Eine Sky-Dokumentation über den Ex-Rapidler feiert Samstagabend ihre Premiere. Für Friedl spricht, dass Rangnick die linke Position im Abwehrzentrum gerne mit einem Linksfuss besetzt. Da wäre Friedl die Alternative zu Alaba, falls Max Wöber bis Mai nicht matchfit wird, was leider zu befürchten ist.

Weiter offene Fragen: Schafft es Rapids Kapitän Matthias Seidl vielleicht statt Wolfsberg-Routinier Alessandro Schöpf in den Kader? Wie steht es mit den Chancen für Rapids Stürmertalent Nikolaus Wurmbrand? Er erzielte Dienstag beim glücklichen 2:1 (0:0) des U 21-Teams in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland in Ried, bei dem das Siegestor erst in der 94. Minute fiel, den Führungstreffer.  Erschwerend für beide Rapidler: Keiner der 24 Feldspieler, die beim letzten Lehrgang dabei waren, enttäuschte Rangnick.

Foto: Yigit Oerme.

5

Meist gelesen

Nach oben