Bis Montag mussten die WM-Teilnehmer einen erweiterten Kader bis zu 50 Mann dem Weltverband FIFA melden. Einige Nationen veröffentlichten den auch. Wie Weltmeister Argentinien, Österreichs zweiter WM-Gruppengegner. Da gehört auch Ex-Salzburg-Legionär Nicolas Capaldo, inzwischen Kapitän beim Hamburger SV, dazu. Ralf Rangnick lehnte dies ab. Er wird erst Montag im ÖFB-Campus bekanntgeben, welche Spieler am 27. Mai die letzte WM-Vorbereitung beginnen. Rangnicks Verhalten ist durchaus nachvollziehbar: Er will öffentliche Diskussionen, welcher Spieler mehr Berechtigung hat, erstmals bei der WM dabei zu sein, möglichst im Rahmen halten. Verhindern wird er sie nicht können, aber mit dem erweiterten Kader würde er sie sozusagen noch fördern. Bosniens Teamchef Sergej Barbarez veröffentlichte als Erster sein endgültiges WM-Aufgebot. Die Sturm-Graz-Legionäre Jusuf Gazibegovic, Arjen Malic und Emr Karic stehen nur auf der Abrufliste.
Wenn man überlegt, wer außer den 28 Spielern, die Rangnick im März für die Tests gegen Ghana und Südkorea einberief, und den neun, die auf der Abrufliste standen, noch zum erweiterten Kader gehören könnte, kommt man auch auf den Namen eines Burgenländers, der bisher unter dem Radar lief: Der 26-jährige Innenverteidiger Gerhard Steinwender (Bild) könnte in dieser Woche mit Hearts of Midlothian schottischer Meister werden. Das wäre der erste Titel des Traditionsklubs aus der Hauptstadt Edinburgh seit 66 Jahren, der damals unter dem legendären Manager Alex Ferguson geholt wurde, bevor der zu Manchester United wechselte und von Englands Königin zum Sir geadelt wurde. Bei Hearts spielte mit Thomas Flögel ein ehemaliger österreichischer Teamkapitän fünf Jahre lang von 1997 bis 2002, kehrte danach wieder zur Austria zurück. Steinwender war in Österreich bei Mattersburg, St. Pölten und Hartberg, ging im Sommer 2024 nach Schweden zu Värnamo, wurde nach einem halben Jahr von Hearts verpflichtet. In dieser Saison gehörte er in der schottischen Premier League 14 mal zur Startelf, wurde in 13 Partien eingewechselt. Hearts führt zwei Runden vor Schluss mit einem Punkt Vorsprung auf Titelverteidiger Celtic Glasgow. Gewinnt Hearts Mittwoch daheim gegen Falkirk und Celtic verliert bei Motherwell, wäre das schon die Entscheidung. Ansonsten kommt es am Samstag im Celtic-Park zum direkten Duell als Entscheidungsspiel um den Titel.
Für Steinwender sicher das Highlight seiner bisherigen Karriere. Die Frage ist: Müsste Steinwenders Meistertitel in Schottland nicht sportlich „wertvoller“ sein als David Affengrubers Kampf um den Klassenerhalt mit Elche in Spanien La Liga oder der Aufstieg von Michael Svoboda mit Venezia in die Serie A? Das sind die Diskussionen, die Rangnick möglichst unterbinden will. Erst ab kommenden Montag kann es die geben.
Foto: Hearts.