Auch am trainingsfreien Dienstag gab es in Wolfsberg keinen Trainerwechsel. Sondern die einvernehmliche Vertragsauflösung mit Linksverteidiger Rene Renner. In der Woche davor gab es ein disziplinäres Problem mit dem 32-jährigen Welser. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga ist derzeit und anders als in der letzten Saison noch die Ausnahme der Regel, wonach der Trainer immer das schwächste Glied der Kette ist. Das gilt auch im Eishockey. Den Beweis lieferte EC Red Bull Salzburg nach sechs Niederlagen in 11 Runden der ICE League und opferte bei nur 13 Punkten den neuen Trainer aus Kanada, Alan Letang. Er war schon nach nur drei Monaten Geschichte. Da musste als Argument für die Entlassung des 51-jährigen auch das Argument herhalten, dass er zuvor nur beim deutschen Zweitligisten Weiden Cheftrainer war. Ganz ahnungslos kann Letang aber auch nicht sein, sonst hätte er als Head Coach nicht Kanadas U 20 zu zwei WM-Titeln geführt. Auch Letangs Nachfolger, der bärtige Finne Teemu Levijoki (Bild) hat wenig Chef-Erfahrung. Er war jahrelang Trainer der Red Bull Juniors, Mittwoch hat er sein Chef-Debüt in der ICE League auf eigenem Eis gegen Olimpija Laibach. Mit fast kompletter Besetzung, nur der operierte 40-jährige Kapitän Thomas Raffl fehlt. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Michael war zuletzt wie einige andere außer Form und dementsprechend frustriert.
Wenn schon Letang ein Fehlgriff war, dann müsste man doch auch den Mann hinterfragen, der ihn zum Trainer gemacht hat. Das ist Sportchef Helmut Schlögl. Der offizielle „Titel“ ist Managing Director Pro. Vier der zwölf Meistertitel gelangen in seiner sechsjährigen Ära. Deshalb wird er nicht ernsthaft in Frage gestellt. Obwohl ihm schon letzte Saison mit Manny Viveiros als Nachfolger der Meistertrainer Matt McIlvane und Oliver David kein guter Griff gelang. Letang kam bei der Mannschaft besser an als Viveiros. Also könnte man auch an der Qualität des von Schlögl zusammengestellten Kaders zweifeln. Die 0:6-Heimpleite gegen die Linzer Black Wings in der letzten Woche läßt darauf schließen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Linzer nur mit fünf Legionären spielten.
Auch bei den Ausländern war Salzburg schwächer besetzt als bei den vier Meistertiteln. Das soll sich mit einem neuen Stürmer ändern: Mittwoch debütiert der 33-jährige Kanadier Ty Rattie, der in der NHL bei St. Louis, Carolina und Edmonton gespielt, ab 2019 in Europa. Zunächst in der russischen Liga, dann in Finnland und Schweden, letzte Saison wurde er in der Schweiz mit Fribourg-Gotteron Meister. So gut kann er gar nicht sein, dass ihm dies mit Salzburg in dieser Saison gelingt.
Foto: EC Red Bull Salzburg.