Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Bald wurde aber klar, dass Sponsor Frank Stronach plante, sich in die operative Führung der Austria einzuschalten. Im Winter 1999/2000 gewann die Austria unter dem ehemaligen Stadthallenkönig Prohaska sowohl die Qualifikation zum damals ausgetragenen Hallen-Masters als auch das Finalturnier. Der Jubel war groß. Mittendrin erhielt Prohaska den vertraulichen Hinweis, dass Stronach ihn am liebsten rauswerfen möchte. Mit dem Argument, dass einer, der in Spanien 0:9 verliert, kein guter Trainer sein kann. Irgendjemand aus Stronachs engerem Kreis hielt ihn dann offenbar noch davon ab.
Prohaska beschäftigte die Sache sehr. Er hielt sich für einen guten Trainer. Sein Gedanke: Ernst Happel hatte mit dem FC Tirol im Europacup gegen Real Madrid im Bernabeu-Stadion 1:9 verloren, ohne dass irgendjemand auf die verrückte Idee gekommen wäre, den großen Happel in Frage zu stellen. Nach dem Schock in der Halle sah Prohaska Stronach erst wieder im Wintercamp, als er sich in der Sportschule Lindabrunn sowohl der Mannschaft als auch dem Trainerteam vorstellte. Zu einem Vieraugengespräch war es bis dahin nicht gekommen. Prohaska war überzeugt, dass es dafür höchste Zeit war, zumal ihm zugetragen wurde, dass Stronach nicht einmal von seiner Italien-Zeit bei Inter Mailand und AS Roma wusste. Das Gespräch kam zu Stande. In Nähe der Staatsoper im Restaurant San Carlo, das Prohaskas Freund Peppino gehörte.
Prohaska wollte seine Ideen für die Austria präsentieren, aber es ging völlig in die falsche Richtung. Stronach gab Prohaska das Gefühl, als höre er ihm gar nicht richtig zu, habe seine feste Meinung. Widerspruch war nicht erlaubt. Einer von Stronachs Sagern lautete: „Wir brauchen schnelle, kräftige, charakterstarke Spieler. Gute Techniker sind für´s Jonglieren, die sollen in den Zirkus gehen!“ Prohaska widersprach: „Es ist genau umgekehrt!“ Prohaska hat sich nie von seiner ehrlichen Meinung abbringen lassen. Daher nahm Stronach an, Prohaska sei gegen ihn und könne daher nicht sein Trainer sein. Jedes Vierauengespräch verstärkte nur die Differenzen. Nach zwei Monaten warf Stronach Prohaska raus.
Es gab nicht nur mit Stronach Schwierigkeiten, sondern auch mit einem ehemaligen Mitspieler in der Nationalmannschaft, mit Sportchef Friedl Koncilia. Als Prohaska in der Teamchefzeit in einem Interview auf die Frage nach der Rangordnung zwischen Trainer und Sportchef meinte, er würde sich nie gefallen lassen, dass ihm der Sportdirektor Spieler vorsetzt, mit denen er nicht einverstanden ist, kam Koncilia kurz darauf beim Teamtraining im Happel-Stadion vorbei, meinte in Anspielung auf das Interview: „Mit der Einstellung kommst du nie zur Austria!“ Das meinte er ernst. Monate später war Prohaska Austria-Trainer. Das Solo des damaligen Präsidenten Rudolf Streicher gefiel Koncilia gar nicht. Heute weiß Prohaska, dass es ein Fehler war, vor seinem Dienstantritt nicht alles mit Koncilia auszudiskutieren. Er erwartete, dass Koncilia, Erich Obermayer und er professionell zusammenarbeiten werden – weit gefehlt.
Koncilia versuchte, Prohaska das Leben so schwer als nur möglich zu machen. Der polnische Verteidiger Rafael Siadaczka, den Koncilia vor Prohaskas Engagement verpflichtet hatte, raubte dem Trainerteam mit seiner schlechten Einstellung und seinen Stellungsfehlern den Nerv. Bald sagte Prohaska klipp und klar: „Horch Friedl, bitte verkauf den Kerl, ich will ihn nie wieder sehen!“ Am 1. Jänner 2000 war Siadaczka Vergangenheit, Anfang Mai auch Prohaska. Stronach sah in ihm einen Verlierertypen.