Der Name von Gerald Scheiblehner steht für den Höhenflug von Blau Weiß Linz. In seinen vier Jahren führte er Bau Weiß in die Bundesliga, einmal sensationell unter die erste sechs. Die zwei Derbysiege gegen den LASK fielen auch in seiner Trainerära. Vor Saisonbeginn nahm der 48 jährige das Angebot des Schweizer Traditionsklubs Grasshoppers Zürich an, der letzte Saison nur knapp dem Abstieg entging. Gemeinsam mit Sportchef Alain Sutter (Bild), dem 62 fachen Schweizer Teamspieler, der mit den „Hoppers“ zweimal Meister war, sollte er den Schweizer Rekordmeister wieder zu einem Spitzenklub machen. Der letzte der 27 Meistertitel liegt schon 22 Jahre zurück. Das dauert zwar noch einige Zeit, nach elf Runden ist Grasshoppers nur Vorletzter. Aber es gab schon Ausrufezeichen: Das 3:0 gegen den FC Zürich, den ersten Derbysieg seit zwei Jahren. Donnerstagabend sorgte Scheiblehner indirekt für den Trainerwechsel beim Schweizer Spitzenklub Young Boys Bern: Vier Tage nach dem 0:5-Debakel beim FC St. Gallen führten die Grasshoppers 2:0 und 3:2, kassierten in der vorletzten Minute aus einem Elfmeter den Ausgleich. Dennoch fiel Young Boys auf Rang fünf zurück, vergrößerte sich der Rückstand auf Sensations-Tabellenführer FC Thun auf sieben Punkte. Freitag wechselte Young Boys Bern, letzte Saison als Meister vom FC Basel entthront und nur Dritter, den Trainer: Für Giorgio Contini kam Gerardo Seoane, der Mitte September ohne Sieg bei Borussia Mönchengladbach entlassen wurde. Eine Rückkehr von Seoane: Vor sieben Jahren wurde er Nachfolger von Adi Hütter, als er mit den Young Boys Meister wurde, den FC Basel ablöste und danach in die deutsche Bundesliga zu Eintracht Frankfurt wechselte. Seoane blieb drei Jahre, wurde dreimal Meister, einmal Cupsieger, ehe ihn Leverkusen engagierte.
Im Schweizer Massenblatt „Blick“ wurde nach dem Derbysieg von Grasshoppers bereits prophezeit, dass Scheiblehner nicht lange bei Grasshoppers bleiben wird. Allerdings nicht, weil er gehen muss, sondern weil Topklubs ihn haben wollen. Wegen des attraktiven Fußballs, den die Grasshoppers mit dem 19 jährigen dänischen Toptalent Jonathan Asp Jensen, einer Leihgabe von Bayern München bieten, bezeichnete der „Blick“ Scheiblehner bereits Ende September als besten Trainer der Liga, weil er das Maximum aus einer durchschnittlichen Mannschaft herausholt.