Fußball

Auch Italiens Tormannlegende Buffon bewunderte Manninger

Alle GAK-Spieler werden Freitag auf dem Trikot einen Trauerflor tragen, vor dem Anpfiff gegen Ried gibt es eine Trauerminute. Auch in Graz löste die Meldung vom tragischen Unfalltod des ehemaligen Teamtormanns Alexander Manninger, der Donnerstag früh in seinem PKW auf einem Bahnübergang von einem Zug der Salzburger Lokalbahn erfasst wurde, Bestürzung aus. Eigentlich überall, wo Manninger, der nur 48 Jahre alt wurde, spielte. Er galt Mitte der Neunziger-Jahre, als Austria Salzburg die Nummer eins in Österreichs Fußball war, als Riesentalent. An Otto Konrad gab es aber kein Vorkommen. Daher spielte er ein halbes Jahr auf Leihbasis bei Vorwärts Steyr, wechselte zum GAK. Wo sich der Assistent von Trainer Gustl Starek, der ehemalige Teamtormann Helmut Maurer, sehr um ihn kümmerte. In den UEFA-Cup-Spielen des krassen Außenseiters gegen Inter Mailand lieferte er mit Glanzparaden Schlagzeilen Nach dem 1:1 im Heimspiel, das in Kapfenberg ausgetragen wurde, meldete sich der englische Spitzenklub Arsenal mit der Trainerlegende Arsene Wenger. Arsenal zahlte für ihn 1997 nach heutiger Währung 1,09 Millionen Euro. Der damals 20 jährige sollte Nachfolger von Englands Teamtormann David Seaman werden.

Als Seaman verletzt ausfiel, schlug Manningers große Stunde. Ich war im Highbury-Stadion vor Ort, als er am 31. Juni 1998 als erster Österreicher in der Premier League spielte. Arsenal hatte damals ein Starensemble: Abwehrchef Tony Adams, im Mittelfeld zauberten die Franzosen Patrick Vieira und Emanuel Petit mit dem Engländer Ray Palour. Auch im Sturm gab es mit Thierry Henry, Nicolas Anelka sowie den Holländern Dennis Bergkamp und Marc Overmars Spieler von großer Klasse. Manningers Debüt endete mit einem 3:0-Heimsieg gegen Southampton, er kam als Letzter aus der Kabine, meinte nur: „Ich brauche Zeit, um das alles richtig einzuordnen. Zwei Monate später wurde er zum „Spieler des Monats“ gewählt, was bis heute keinem anderen Österreicher gelang. Grund war eine Glanzpartie beim 1:0 gegen Manchester United, dem großen Rivalen in Old Trafford. Auch Eric Cantona verzweifelte an Manninger.  Dank dieses Sieges wurde Arsenal Meister, der Cupsieg war die Draufgabe.

Drei Jahre später entschied sich Wenger für den Deutschen Jens Lehmann als Seaman-Nachfolger. Manninger wurde nach Italien an Fiorentina verliehen.2002 kaufte Espanol Barcelona Manninger um 1,53 Millionen, löste nach einem Monat den Vierjahresvertrag wieder auf. Ein rätselhaftes Kapitel in der Karriere. 2003 ging bei Torino seine Italien-Karriere weiter, es folgten Stationen bei Bologna (mit Italiens Teamtormann Gianluca Pagliuca als Konkurrenten), Brescia und Siena, 2005 landete er in der Heimat bei Red Bull Salzburg. Nach einer Saison wieder Siena, dann zwei Jahre Salzburg, 2008 kaufte Udinese ihn um 1,8 Millionen. In der gleichen Transferzeit zahlte Juventus 2,5 Millionen, um eine verlässliche Alternative zu Stargoalie Gianluigi Buffon zu haben. Das war Manninger, als eine Verletzung Buffon für Monate außer Gefecht setzte. Da wählte die „Gazzetta dello Sport“ Manninger zum besten Tormann der Hinrunde. 2011/12 wurde Juventus Meister: „Ich habe ihn immer bewundert“, versicherte Buffon, als er von Manningers Tod erfuhr.

Nach dem Titel pausierte er sechs Monate, im Jänner 2013 feierte er mit 35 sein Debüt in der deutschen Bundesliga beim FC Augsburg. In der Saison 2015/16 war er der älteste Spieler der deutschen Bundesliga, ehe sich zu seiner Überraschung Jürgen Klopp bei ihm meldete. Er suchte für den FC Liverpool einen verlässlichen Routinier hinter dem Deutschen Loris Karius (jetzt bei Schalke) und dem Ungarn Adam Bogdan. Das war Manninger. Mit dem Kapitel an der Anfield Road beendete er 2017 mit 40 seine aktive Karriere, war danach oft im Golfclub von Bad Ischl zu finden. indem er oft sein Vorbild, Ex-Teamtorhüter Friedl Koncilia traf.

Für Österreich spielt 33 Mal.  Das Debüt feierte er in der Arsenal-Zeit 1999 beim 0:0 gegen Schweden, als Otto Baric Teamchef war. Bei der Heim-EM 2008 war Manninger die Nummer zwei hinter Jürgen Macho, nach der EM wieder die Nummer eins. Auch beim denkwürdigen 3:1 zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen den damaligen Weltmeister Frankreich. Das letzte Spiel der Ära von Teamchef Karel Brückner im Februar 2009, das 0:2 gegen Schweden in Graz, war auch das letzte von Manninger. Dann beendete er seine Teamkarriere.

Foto: SN/APA.

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