Fußball

Auf Hannes Wolf wartet bei Swansea die Knochenmühle

Wer am 17. Juni 2019 im Stadion von Triest saß, Augenzeuge vom ersten Tor Österreichs bei einer U 21-EM war und dann sah, wie der damals 20 jährige Torschütze Hannes Wolf beim 2:0 im Finish Opfer einen Brutaloattacke des serbischen Verteidigers Vukasin Jovanovic wurde, mit gebrochenen Knöchel vom Platz getragen wurde, der hatte zweieinhalb Jahre später kein gutes Gefühl, als Mönchengladbach am Donnerstag bekannt gab, Wolf bis Saisonende in die zweite englische Liga, die Championship, an Swansea verliehen zu haben: Kann der Grazer dort in der Knochenmühle noch einmal in die Spur finden?

Als Wolf so schwer verletzt wurde, war er bereits von Red Bull Salzburg um zwölf Millionen Euro an RB Leipzig verkauft gewesen. In Triest wurde das Bein falsch eingerichtet, lag schief im Gips. Das musste in Salzburg korrigiert werden. Wo er unter Marco Rose zu großen Hoffnungen Anlass gab: Er gehörte zum siegreichen Youth League-Team, wurde dreimal Meister, zweimal Cupsieger, kam in 89 Spielen auf 23 Tore und 21 Assists, in 15 Spielen von Österreichs U 21 auf acht Treffer.  Doch dann kam der Knöchelbruch. Danach stand er zwar früher als erwartet wieder im Training, aber es reichte in Leipzig unter Julian Nagelsmann nur zu fünf Einsätzen.  2020 holte ihn der inzwischen von Salzburg zu Mönchengladbach gewechselte Rose, zunächst auf Leihbasis. Ab einer gewissen Anzahl von Einsätzen bestand Kaufpflicht. Die fällig wurde. So kostete Wolf Mönchengladbach insgesamt elf Millionen.  Das Highlight der 32 Einsätze unter Rose war Wolfs Goldtor zum 1:0 gegen Leipzig. Wirklich Stammspieler war er aber nie.

Als Rose ging, lief es noch schlechter. Unter Adi Hütter reichte es nur zu sieben Einsätzen in der Bundesliga. Der letzte war am 31. Oktober beim 2:1 gegen Bochum über acht Minuten. Danach keine Chance mehr, obwohl Hütter seinem Landsmann attestierte, anständig zu trainieren, ihm in dieser Hinsicht keine Vorwürfe machen zu können: „Aber es klappt nicht!“ Es stimmt  schon, dass Wolfs Außendarstellung in den letzten Jahren mit er nicht gut, sondern sehr ungeschickt war. Aber verlernt kann er eigentlich nichts haben. Dass sein deutscher Berater Dirk Hebel keine andere Alternative als Swansea fand, verwundert. Zumal Hebel, der auch Dortmunds Kapitän Marco Reus berät, als sehr gut vernetzt gilt.

Ob Swansea die Bühne ist, wo Wolf in den ausstehenden 23 Spielen wieder zu sich selbst und in die Spur finden kann? Zu wünschen ist es ihm, aber das wird ganz schwer. Swansea steht unter 24 Klubs auf Rang 17, hat keine Chance, in die Nähe der Aufstiegsränge zu kommen, liegt im grauen Niemandsland, acht Punkte vor den Abstiegsplätzen. Wolfs neuer Trainer ist der erst 36 jährige Schotte Russell Martin, für den Swansea die zweite Station ist. Zuvor war er eine Klasse tiefer, in der League One bei Milton Keynes Don. Der irische Stürmer Michael Obafemi spielte davor  bei Ralph Hasenhüttl in Southampton.  Debütieren könnte Wolf schon am Samstag im Liberty Stadium gegen Preston. „Er braucht mehr Einsatzzeiten für seine Entwicklung“, behauptete Gladbachs Manager Max Eberl. Das stimmt.

 

Foto: Borussia Mönchengladbach.

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