Die Wiener Austria lachte nur eine Woche lang von der Tabellenspitze. Nach der schwachen Nullnummer gegen Wolfsberg liegt wieder Meister Sturm auf Platz eins, punktgleich mit der Austria. Red Bull Salzburg kam mit dem 2:1 (0:0)-Pflichtsieg bis auf zwei Punkte an das Spitzenduo heran, kann nächsten Sonntag Sturm mit einem Heimsieg überholen. Auf die Austria wartet das Wiener Derby in Hütteldorf. Sonntag reagierten die Trainer von Austria und Salzburg auf Ausfälle unterschiedlich. Thomas Letsch mutiger und erfolgreicher als Stephan Helm.
Salzburg hatte durch die Gelbsperren von Nicolas Capaldo und Moussa Yeo insgesamt neun Ausfälle. Letsch setzte daraufhin auf zwei, die Dienstag noch in der Youth League spielten: Den 19 jhrigen Ghana-Stürmer Edmund Baidoo und den 20 jährigen Valentin Sulzbacher, einen zentralen Mittelfeldspieler, in der eigenen Akademie ausgebildet. Er stand erstmals bei einem Bundesligaspiel im Kader und gleich in der Startelf. Auch für Baidoo, der letzten Sommer 3,3 Milionen Euro Ablöse kostete, war es die Premiere in der Startelf nach zuvor zehn Joker-Einsätzen. Baidoo traf vor der Pause die Stange, erzielte nach der „Erlösung§ durch das Führungstor von Dorgeles Nene, das 55 Minuten auf sich warten ließ, das 2:0. Austrias Antwort auf die Gelbsperre von Kreativgeist Dominik Fitz war nicht der verletzte Andreas Gruber, sondern mit Marvin Potzmann, ein verlässlicher 31 jähriger Routinier, ein Defensivspieler. Der elf Jahre jünger Offensivspieler Moritz Wels, vor einem Jahr als große Hoffnung von Sturm Graz gekommen, begann auf der Bank, wurde erst in der 80. Minute eingewechselt, auf jeden Fall zu spät. Bisher pendelte er zwischen dem Kooperationsklub Stripfing und der Bundesliga. Offenbar traut Helm dem Steirer, der in dieser Saison bisher nur auf 147 Bundesliga-Minuten kam, noch nicht richtig über den Weg.
Obwohl Abwehrchef Dragovic der Austria als ruhender Pol und bei der Spielereröffnung abging, ließ die Defensive nur eine Chance von Wolfsberg zu. Bei der scheiterte Ex-Rapidler Max Ullmann mit rechts an Austrias Tormann Samuel Sahin-Radlinger. Mit seinem Gasfuß, wie der gesperrte Trainer Didi Kühbauer, der das Match alleine in einer Loge verfolgt, ironisch feststellte. Die Austria kam zu keiner einzigen Chance, von den Stürmer Nik Prelec und Maurice Malone (Bild) ging wenig Gefahr aus. Marko Raguz kam trotzdem erst nach 84 Minuten. „Wir müssen im letzten Drittel präsenter sein“, gab Helm im Sky-Interview zu, „aber wir haben uns stabil präsentiert. Das ist ein Zeichen unserer Stärke über die bisherige Saison“. Letsch sprach trotz Sieg von einer „insgesamt schwachen Leistung“, mit der er nicht einverstanden war: „Das steht auf der Negativliste“.
Für bemerkenswerte Szenen sorgte Wolfsbergs hünenhafter Innenverteidiger Chibuike Nwaiwu. In der sechsten Minute wechselte er einen Schuh, spielte bis zur Pause mit einem weißen und einem roten. In der Halbzeit entschied er, den weißen durch den zweiten roten zu ersetzen. Einmal sah Nwaiwu quasi auch rot, als er Austrias Kapitän Manfred Fischer im Mittelfeld ohne Rücksicht auf Verlust checkte. Bei Fischer floß Blut, der schwache Schiedsrichter Arnes Talic sah kein Foul, ließ weiter spielen.
Foto: Gepa/Admiral.