Erster österreichischer WM-Sieg seit 36 Jahren. Daher darf über das 3:1 (1:0) gegen Jordanien vor 4000 österreichischen Fans vor laut FIFA-Angaben 68.000 Zuschauern in der San Francisco Bay Area schon gejubelt werden. Erstmals seit 1982 in Oviedo (damals 1:0 gegen Chile) das erste Gruppenspiel gewonnen, so wie vier Jahre zuvor in Buenos Aires (2:1 gegen Spanien). Die Mannschaft von Ralf Rangnick hat mehr Zusammenhalt als die Mannschaften von damals, sonst wäre der Sieg nicht möglich gewesen. Denn Jordanien erwies sich, wie vom Teamchef erwartet, als Gegner, der schwer zu bespielen war. Pflichtsiege sind bekanntlich die schwersten. Diese Herausforderung ist zwar bewältigt. Aber es ist immer noch Luft nach oben. Vor allem beim Spiel mit dem Ball.
Wenn der Dreifachtausch des Teamchefs nach 59 Minuten entscheidend mehr Stabilität und Schwung brachte, dann heißt das im Umkehrschluss, dass er mit seiner Startelf nicht ganz richtig lag. Darauf läßt auch schließen, dass der einzige Torschuss vor der Pause für die Führung sorgte, als Romano Schmid nach 22 Minuten den Ball unhaltbar ins Eck schlenzte (Bild). Die entscheidenden Treffer zum Sieg fielen durch ein Eigentor des jordanischen Innenverteidigers Yasan Al Arab nach einem Eckball von Marcel Sabitzer in der 76. Minute und durch einen Handelfmeter nach VAR-Intervention in der zwölften Minute der Nachspielzeit durch Marko Arnautovic. Aus dem Spiel heraus gelang nur eines der drei Tore.
Nach dem durchwachsenen 1:0 bei der Generalprobe gegen Tunesien zwei Wochen davor sprach Rangnick von neuen Perspektiven, die sich ergaben. Anders als damals standen aber nur Philipp Mwene als Linksverteidiger und Sasa Kalajdzic als Solospitze statt Marko Arnautovic in der Startelf. Konrad Laimer bekam eine andere Rolle. In der zentralen Offensivposition des verletzten Christoph Baumgartner. Auf der konnte er seine Stärken nicht optimal zur Geltung bringen. Daher blieb Kalajdzic vorne allein auf weiter Flur, rieb sich ohne Unterstützung gegen Jordaniens Abwehr auf. Zur Pause wechselte ihn Rangnick gegen Arnautovic aus. Obwohl Kalajdzic eher das Opfer des nicht funktionierenden Systems war.
Als nach 50 Minuten der Ausgleich fiel, weil Xaver Schlager den Ball in der gegnerischen Hälfte verlor, beim folgenden Konter Philipp Lienhart und Stefan Posch Jordaniens Mittelstürmer Ali Loiwan schießen ließen, wackelte Österreich. Neun Minuten später folgte der Dreierwechsel: Mwene, der mit Tunesiens Rechtsaußen Mousa Tamari Probleme hatte, Xaver Schlager, der nicht so dynamisch wie gewohnt wirkte, und Kapitän David Alaba mussten raus. Bei Alaba lag das nicht an der Leistung, sondern an leichten muskulären Problemen. Laimer übernahm die Position des linken Verteidigers, war wesentlich präsenter als im Mittelfeld, kam gegen Tamari besser zurecht als Mwene. Im Mittelfeld sorgten Carney Chukwuemeka und Paul Wanner für mehr Schwung, Kevin Danso ließ nach der Führung nichts mehr anbrennen. Mit Chukwuema und Wanner gab es auch mehr Unterstützung als zuvor für Arnautovic, dessen Tor nach einem Eckball nach VAR-Eingreifen nicht galt, weil Stefan Posch zuvor den Ball mit der Hand berührte. Darüber gab es einen Streit der TV-Schiedsrichter: Thomas Steiner fand beim ORF die Entscheidung für richtig, Patrick Ittich im deutschen Magenta-TV als falsch.
Ein wichtiger Faktor für die drei Punkte war auch Tormann Aleander Schlager, der eindeutig besser war als Jordaniens Abu Layla. Ähnlich könnte es im dritten Gruppenspiel gegen Algerien sein: Denn Luca Zidane, der Sohn des französischen Superstars, sah beim 0:3 (0:1) gegen Argentinien bei zwei der drei Tore von Lionel Messi vor den Augen des Vaters schlecht aus.: „Ein Punkt aus den Spielen gegen Argentinien und Algerien könnte schon reichen, um weiterzukommen“, vermutete Rangnick. Aber er will beide gewinnen. Möglich, dass dies ohne Stefan Posch gelingen muss. Bei ihm besteht nach einem Zusammenstoß im Finish der Verdacht auf Kieferbruch. Freuen konnten sich Schmid, der beim Torjubel zuerst zum verletzten Baumgartner, der zwischen den Ersatzspielern saß, lief, und Arnautovic, weil sie nach Ivica Vastic die ersten Österreicher sind, die sowohl bei Europa- als auch bei Weltmeisterschaften ein Tor erzielten. Arnautovic nahm Toni Polster wieder einen „Rekord“ weg: den als ältester österreichischer WM-Torschütze.
Foto: ÖFB/Christopher Kelemen.