Fußball

Austria verkraftete 0:8 besser als Rapid 5:0

Es bleibt daheim: Rapid kann im Allianz-Stadion kein Heim-Derby gewinnen. Obwohl vor dem 337. Duell der Wiener Erzrivalen mehr für Grün-Weiß sprach, lachte am Ende die Austria über einen verdienten 2:1 (2:0)-Auswärtssieg vor 26.000 Zuschauern. So verkehrt dies klingt. Die Austria verkraftete das 0:5-Debakel bei Villarreal am Donnerstag und das 0:3 gegen Sturm Graz am letzten Sonntag, gesamt ein 0:8 besser als Rapid den 5:0-Kantersieg in Innsbruck gegen WSG Tirol eine Runde zuvor. War die besser organisierte, vor allem spielerisch bessere Mannschaft. Was Rapid in der ersten Hälfte bot, verdient nur das Wort desaströs. Woran das lag?

Vielleicht weil Trainer Ferdinand Feldhofer nach dem 5:0 glaubte, mit Leopold Querfeld und Michael Sollbauer die richtige Lösung in der Innenverteidigung und mit Aleksa Pejic und Roman Kerschbaum die Bestbesetzung im zentralen Mittelfeld gefunden zu haben. Beides erwies sich als Fehleinschätzung. Pejic und Kerschbaum waren viel schwächer als Austrias Duo mit Matthias Braunöder und Manfred Fischer, das von der „falschen neun“ Dominik Fitz gut unterstützt wurde. Der Austria gelang es in der ersten Hälfte, den Ball zirkulieren und vor allem am Boden zu lassen. Bei Rapid wirkte alles viel mehr auf Zufall aufgebaut. Einfach hohe Bälle nach vorne, keine Spur von Kreativität. Da merkte man auch deutlich das Fehlen von Nicolas Kühn. Ihn als Anspielstation auf der rechten Seite durch Bernhard Zimmermann zu ersetzen, war ebenfalls keine glückliche Entscheidung. Guido Burgstaller, Ferdy Druijf und Zimmermann sind zu ähnliche Typen, die sich in Strafraumnähe am wohlsten fühlen, den Abschluss suchen.

Austria konnte seine Problemzonen rechts vorne und links hinten beheben, weil Andreas Gruber und Marvin Martins einsatzfähig waren. Jubelte bereits nach vier Minuten. Muharem Huskovic (Bild oben) bezwang Tormann Niklas Hedl, dessen schlechter Abschlag die gelungene Aktion der Austria über Huskovic und Gruber, die Sollbauer überforderte, einleitete. Rapids einzige gefährliche Strafraumaktion bis zur Pause hätte durch Ferdy Druijf nach Flanke von Jonas Auer den Ausgleich bedeuten können, doch scheiterte der Holländer an Tormann Christian Früchtl. Wenig später führte Austria 2:0. Weil sich zunächst Querfeld und Kerschbaum bei einem hohen Ball behinderten, dann Martin Koscelnik und Sollbauer Fitz im Strafraum in die Zange nehmen. Fitz verwandelte den Elfmeter selbst.

Zur Pause musste Feldhofer handeln. Brachte Max Hofmann für Sollbauer und Patrick Greil für Pejic. Rapid sorgte mit vielen hohen Bällen für Druck, doch Früchtl hielt einen Kopfball von Druijf und einen Schuss von Marco Grüll, war nach seinen Patzern gegen Sturm und Villarreal ein Rückhalt. Nach 67 Minuten zeigte Referee Manuel Schüttengruber nach einem Zweikampf zwischen Lucas Galvao und Zimmermann auf den Elfmeterpunkt, doch Video Assistant Referee Harald Lechner griff ein. Beim On Field-Review bemerkte Schüttengruber seinen Fehler, nahm seine Entscheidung zurück. Austria, schon vor der Pause bei einem Gruber-Sitzer dem 3:0 nahe, kam auch nach Rapids Druckphase zu Chancen auf den dritten Treffer. Ehe Joker Ante Bajic nach 91 Minuten erstmals für Rapid traf. Viel zu spät.

„Ein großartiger Tag, die Mannschaft hat sich das verdient“ freute sich Manfred Schmid nach seinem ersten Derbysieg als Trainer, dem ersten der Austria nach drei Saisonen. Wodurch Violett nicht nur den Erzrivalen überholte, sondern auch Wolfsberg, da die Kärntner daheim überraschend gegen Ried 1:2 (0:2) verloren. Dem Schlusslicht gelang der ersten Sieg seit Juli. Rapid fiel wieder aus den ersten sechs, hat zehn Punkte Rückstand auf den Zweiten Sturm Graz, der durch Tore von Jon Gorenc Stankovic und David Schnegg nach Eckbälle beim Comeback von Jakob Jantscher und Emanuel Emegha WSG Tirol 2:1 (2:1) bezwang. Nicht nur die Bilanz Rapids gegen die Austria liest sich deaströs (zehn Spiele ohne Sieg), sondern auch die der Heimpartien in dieser Saison: Aus vier P nur fünf Punkte, nur einmal gewonnen, zuletzt drei Niederlagen hintereinander gegen Sturm, Hartberg und Austria. „Wir haben uns durch Eigenfehler schwer bestraft“, klagte Feldhofer, „trafen zudem falsche Entscheidungen, waren im Positionsspiel zu weit auseinander!“ Die ruhigeren Zeiten  sind damit wohl wieder vorbei.

 

 

Foto: Gepa/Admiral.

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