Austrias Präsident Kurt Gollowitzer und Finanz-Vorstand Harald Zagiczek sehen keine Notwendigkeit, einen neuen Sportvorstand zu installieren. Das teilte Gollowitzer den WTF-Investoren rund um Jürgen Werner mit, als sie ihn ersuchten, schon vor der Winterpause zu ihrem Vorschlag, den Berliner Tomas Zorn zu bestellen, Stellung zu beziehen. Das lässt einmal mehr darauf schließen, dass es nicht um die Austria geht, sondern nur darum, die WTF-Investoren, ohne die es die Austria in der Bundesliga nicht mehr geben würde, loszuwerden. Gollwitzer sieht die neue Sportdirektion mit Sportchef Michael Wagner und den Assistenten Manuel Takacs und Robert Urbanek als seine Idealbesetzung, an der er festhalten will. Also werden kommenden Freitag die Investoren mit einfacher Mehrheit beschließen, Zorn als Sportdirektor vorzuschlagen. Dann haben Gollowitzer und Zagiczek drei Wochen Zeit, dazu Stellung zu beziehen. Die können sie dazu nützen, ohne Sportvorstand weiter ihre Pläne via Wagner durchzusetzen. Vor dem letzten Spiel des Jahres gegen Meister Sturm deuten Indizien darauf hin, dass zu den Plänen auch ein Trainerwechsel gehört. Also geht es Sonntag im letzten Bundesligaspiel des Jahres, das bei ORF 1 und Sky live zu sehen ist, vielleicht um beide Trainer: Um Stephan Helm bei der Austria und Jürgen Säumel bei Sturm.
Fakt ist, dass sich die Austria bei Zweitliga-Winterkönig St. Pölten erkundigte, welche Möglichkeiten es gäbe, Cem Sekerlioglu aus seinem Vertrag herauszukaufen. Der 46 jährige Sekerlioglu (Bild) arbeitete 16 Jahre im Austria-Nachwuchs, war dann vier Jahre Assistent von Manfred Schmid. Zuerst bei der Austria, dann in Wolfsberg und bei Hartberg, eher er im Sommer erstmals im Profifussball Cheftrainer wurde. Mit Erfolg: 13 Siege in 20 Spielen, Punkteschnitt 2,05. Schmid war Gollowitzers forcierter „Trainerfavorit.“ Der Präsident versteht bis heute die Trennung von ihm vor drei Jahren nicht, war seit damals auf Werner nicht gut zu sprechen. Wird das 61. Spiel von Helm auf Austrias Trainerbank sein letztes? Sein Punkteschnitt liegt bei 1,72. St. Pölten wird Sekerlioglu garantiert nicht ohne Ablöse ziehen lassen. Danach müsste die finanziell angeschlagene Austria ein halbes Jahr lang zwei Trainer bezahlen, Helm und Sekerlioglu. Der würde genau zur neuen, von Zagiczek vorgegeben Strategie passen: Ein ehemaliger Trainer der violetten Akademie soll die in der Akademie ausgebildeten Talente weiter entwickeln. Zu Spielern, für die man einmal Millionen-Ablösen kassieren kann. Klingt einfacher als es sein wird.
Foto: ÖFBL/Künzel.