Fußball

Bei Bayern liegen wegen Villarreal die Nerven blank

Wenn Meister und Tabellenführer Bayern München in der Champions League auswärts gegen den Siebenten von Spaniens La Liga, Villarreal, 0:1 verliert, dann gilt das bei dem ausgeprägten deutschen Selbstbewusstsein als unverzeihlich, geradezu blamabel. Wenn Bayern verliefen darf, dann höchstens gegen Manchester City, Liverpool oder vielleicht Real Madrid, aber niemals gegen Villarreal. Dann gibt´s auch ein Rauschen im Blätterwald samt Gegenwind für den Trainer. „Bild“ bezeichnete das Retourspiel gegen Villarreal am kommenden Dienstag als das wichtigste Match der Saison. Sollte Bayern daran scheitern, ins Semifinale aufzusteigen, dann wäre dies die größte Blamage seit 14 Jahren, seit dem 0:4 gegen Zenit St. Petersburg.

Die eigene Erfolgsbilanz entwickelte sich für Bayern als große Last. Nur ein Titel gilt mittlerweile als zu wenig, dann spricht niemand von einer sehr guten Saison. Da müssen schon mindestens zwei her oder der Aufstieg unter die letzten Vier der Königsklasse.  Wie unter Louis van Gaal 2009 mit Double und Einzug ins Endspiel der Champions League, das gegen Inter Mailand in Madrid 0:2 verloren wurde. Das Triple unter Jupp Heynckes 2013 und Hansi Flick sieben Jahre später krönten eine Supersaison. Pep Guardiola schaffte in seiner ersten „wenigstens“ das Double, ebenso Niko Kovac. Carlo Ancelotti war nur Meister. Zu wenig. Das würde jetzt auch für Julian Nagelsmann gelten.

Er sprach von einer verdienten Niederlage, kritisierte auch die Stars. Torjäger Robert Lewandowski kam in der ersten Hälfte nur auf zehn Ballkontakte. Auch von Joshua Kimmich und Thomas Müller war nichts zu sehen. Bis Dienstag wird Nagelsmann noch einige Male sein „Sündenregister“ vorgehalten werden. Schon vier Niederlagen in der Bundesliga, selbst eine beim Aufsteiger Bochum. Mit einem 0:5-Debakel bei Borussia Mönchengladbach krachend aus dem Pokal geflogen. Das alles „darf“ bei Bayern nicht passieren. Und erst recht nicht gegen Villarreal in der Champions League auszuscheiden. Dann wird aber nicht nur Nagelsmann in der Kritik, sondern auch der neue Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Vor Villarreal kommt Samstag das Bayern-Derby gegen Augsburg, bei dem es im Herbst eine der vier Niederlagen gab. Nagelsmann wird rotieren. Das könnte einen Platz für den beim 0:1 nicht eingesetzten Marcel Sabitzer in der Startelf bedeuten.

Einen Erfolg für Bayern gab´s bei der UEFA. Die Forderung von Kahn und seinem Vorgänger Karl Heinz Rummenigge nach einer Reform der Financial Fair Play ging in Erfüllung. Die heißt Kaderkosten-Kontrolle. Künftig darf nur ein gewisser Prozentsatz der Einnahmen für die Bezahlung der Spieler, für Transfers und Kosten für Spielerberater verwendet werden. In drei Stufen bis zu 70 Prozent ab 2025. Das Modell ist ähnlich dem in den nordamerikanischen Profiligen angewandten „Salary Cap“, der Gehaltsobergrenze für Spieler. So soll die Chancengleichheit im Vergleich zu den aus Abu Dhabi oder Katar unterstützten Klubs (Manchester City, Paris St.Germain) erhöht werden: „Damit schützen wir unseren Fußball“, prophezeite UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

Foto: UEFA.

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