Fußball

Darf man einen Trainer am Tag vor Weihnachten entlassen?

Kein österreichischer Sieger in den letzten zwei Partien der deutschen Bundesliga in diesem Jahr: Florian Grillitsch und Stefan Posch hätten sich mit Hoffenheim daheim mehr als das sechste Unentschieden in Serie, das 1:1 (1:1) gegen Mainz erwartet. Martin Hinteregger sah wegen einer Gehirnerschütterung von der Tribüne, wie Kevin Danso und Michael Gregoritsch mit Augsburg daheim gegen Wolfsburg 2:3 (0:2) verloren. Das entscheidende Tor fiel erst in der 88. Minute, als Augsburg auf den Sieg drängte. Wolfsburg verdrängte damit Adi Hütter und Eintracht Frankfurt von Platz fünf. Für Gregoritsch war schon nach einer schwachen ersten Hälfte Schluss. Da sass nachher auf der Weihnachtsfahrt nach Graz zur Familie auch der Frust als Beifahrer im Auto. In Augsburg muss die Abstiegsangst umgehen  Nur ein Punkt vor Stuttgart auf dem Relegationsplatz, nur je vier vor Hannover und Nürnberg auf den Abstiegsrängen.

Aber am meisten bewegte in Fußballdeutschland eine Frage: Darf ein Klub einen Tag vor  dem Heiligen Abend einen Trainer entlassen, der von den letzten sechs Spielen vier gewonnen, nur eines verloren hat? Passiert ist der zweite Trainerwechsel dieser Saison beim Bayer-Werksklub in Leverkusen dem 47jährigen Heiko Herrlich. Samstag jubelten Aleksandar Dragovic, Julian Baumgartlinger & Co (Bild oben) noch über den 3:1-Heimsieg über Hertha BSC Berlin. Im Wissen, dass dies Herrlich nichts mehr nützen wird. Der Leverkusen im Sommer 2017 auf Rang zwölf übernommen und auf Platz fünf geführt hatte. Die verpasste Qualifikation zur Champions League lasteten die Klubbosse Herrlich an. Als der Start in diese Saison nicht klappte, rettete Herrlich im September nur das Nein von Ralph Hasenhüttl zu Leverkusens Angebot. Drei Monate später ist Hasenhüttl nach drei Spielen mit Southampton dank zwei Siegen der gefeierte Held, texteten die begeisterten Fans der „Saints“ sogar den Liedtext von „Last Christmas“, einem Wham-Hit, für den steirischen Trainer um. Für Herrlich, der sich als Diener des Vereins verstand, gibt es traurige Weihnachten.

Was steckt hinter der harten und ziemlich skurrilen Entscheidung von Sportvorstand Rudi Völler? Er sprach von einer Stagnation der Mannschaft, keiner Weiterentwicklung. Man traute Herrlich nicht mehr zu, die sieben Punkte Rückstand auf RB Leipzig und den Champions League-Platz aufzuholen, aus der Mannschaft mit dem dritthöchsten Marktwert der Liga, mit viel Potenzial dank Julian Brandt, Kai Havertz, Kevin Volland, Jamaika-Flitzer Leon Bailey und Österreichs Teamspielern mehr zu machen als Mittelmaß.  Dass Leverkusen noch im Pokal dabei ist, Gruppensieger in der Europa League wurde, das zählte nicht. Herrlich musste weg. Die Entscheidung gegen ihn muss schon  vor der Aufholjagd gefallen sein. Jetzt soll es der 55jährige Holländer Peter Bosz entscheiden.

Sportdirektor Simon Rolfes sieht in Bosz einen Garanten für schnellen attraktiven Offensivfussball, Förderer junger Spieler. Da dachte er an dessen Zeit bei Ajax Amsterdam und den Aufsieg ins Finale der Europa League 2017. Aber das Scheitern von Bosz bei Borussia Dortmund in der letzten Saison muss Leverkusen verdrängt haben. Nach sieben Runden ungeschlagen Erster, dann mit acht sieglosen Partien auf Rang acht abgestürzt, in der Champions League nur Niederlagen gegen Real Madrid und Tottenham, zwei peinliche Unentschieden gegen Apoel Nikosia. Im Dezember übernahm Peter Stöger, führte Dortmund von Rang acht auf vier und in die Champions League. Wofür man dem Wiener Trainer bei der Borussia immer dankbar sein wird.

Der seltene Fall, dass in einer Runde die ersten Drei der Tabelle verlieren, passierte in der zweiten deutschen Liga: Den Anfang machte Freitag der 1.FC Köln mit dem 2:3 gegen Bochum, wobei der Tiroler Lukas Hinterseer für die Sieger seien Saisontore zehn und elf erzielte und Louis Schaub bei den Verlierern den Ruf als Assistkönig bestätigte. Nach einer Zahnoperation, bei der ihm alle vier Weisheitszähne gezogen wurden, erstmals zu Beginn auf der Bank, ermöglichte er, kaum eingewechselt, mit einem Fersler das zweite Tor.Sonntag verlor der Winterkönig Hamburger SV bei Holstein Kiel 1:3, wobei bei den Sieger Österreich U21-Teamspieler Matthias Honsak eingewechselt wurde. Union Berlin bezog mit seinem österreichischen Kapitän Christopher Trimmel bei Erzgebirge Aue mit 0:3 die erste Saisonniederlage, verlor damit Patz drei an den FC St.Pauli. Der Hamburger Kultklub ist damit im Aufstiegskampf voll dabei: Nur zwei Punkte hinter dem Lokalrivalen Hamburger SV, nur zwei hinter Köln.

Der Sechste Heidenheim machte einem Österreicher ein Weihnachtsgeschenk, verlängerte mit dem 24jährigen Offensivspieler Nikolai Dovedan den bis 2021 laufenden Vertrag bis 2023. Die Belohnung für je fünf Tore und Assists in 18 Runden. Das passt für den gebürtigen Tullner, einen ehemaligen Austria-Nachwuchsspieler, der danach in Salzburgs Akademie wechselte, bei Liefering, LASK und Altach spielte. Von wo er im Sommer 2017 für 400.000 Euro nach Heidenheim übersiedelte. Letzten Sommer Dovedan bei Rapid als Schaub-Nachfolger im Gespräch.

Foto: Bayer Leverkusen Media.

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