Fußball

Das Derby hilft der Austria und „bremst“ Rapid

Stünde nicht Sonntag das Wiener Derby am Programm, dann würde es bei der Austria nach einem 0:8 aus den letzten zwei Spielen (Sonntag 0:3 gegen Sturm, Donnerstag 0:5 in Valencia gegen Villarreal) sicher andere Reaktion geben als aktuell. Trainer Manfred Schmid stellte nur fest, dass einige Dinge passierten, die nicht passieren dürfen, bedankte sich bei den 650 nach Spanien gekommene Fans für die lautstarke Unterstützung von den Rängen und prophezeite, dass durch das Derby neue Energien frei gesetzt werden. Der Frust, den etwa Mittelfeldspieler Manfred Fischer nach Schlusspfiff im Sky-Interview freien Lauf ließ („Man hat gemerkt, dass wir so klein sind. Da fehlt so, so viel von jedem einzelnen Spieler von uns. Wir waren anfangs gut drinnen, weil die anderen nur auf Halbgas fuhren“) blieb eine Ausnahme. Vor dem Derby muss man positiv bleiben.

Und wird auch nicht hinterfragen, warum manche Neueinkäufe bisher nicht so funktionierten wie man sich das vorstellte. Diese Diskussion gab es bei Rapid durch die Blamage gegen Vaduz. Ähnliche könnte man die jetzt auch bei Violett führen, auch wenn zwischen Vaduz, Sturm und Villarreal Welten liegen. So wie bei Rapid bisher, mit zwei Ausnahmen, die Guido Burgstaller und Nicolas Kühn heißen, alle anderen Neuverpflichtungen Wünsche offen ließen, verhält es sich auch beim Erzrivalen. Reinhold Ranftl und Andreas Gruber halfen bisher, aber die anderen? Christian Früchtl hatte bisher nicht das Niveau seines Vorgängers Patrick Pentz, der israelische Linksverteidiger Matan Baltaxa wurde trotz Knochenödem geholt, spielte Freitag erstmals bei den Young Violets in der zweiten Liga. Bei Marko Raguz steht nicht einmal das zur Diskussion, Haris Tabakovic bedeutete bisher keine Verstärkung, ähnlich verhält es sich bei aller Erfahrung mit James Holland. Die Versuche, eine Leitfigur oder ein Dirigent zu sein, misslangen bisher. Kommandos zu geben allein ist zu wenig. Zudem passt es auch im Abwehrzentrum nicht. Bei Kapitän Lukas Mühl (Bild oben) und Galvao stimmt zu oft die Abstimmung nicht. Auch darum kassierte die Austria zu viele Treffer.

Eigentlich spricht vor dem Derby vieles für Rapid. Zuletzt zwei Ergebnisse, die aufbauten (1:1 in Salzburg, 5:0 gegen WSG Tirol), der Heimvorteil durch 24.000 Fans im Rücken, dazu vor dem Derby eine „sehr angenehme Woche“, wie Trainer Ferdinand Feldhofer zugab. So lange blieb Zeit, um sich auf das Derby vorzubereiten. Bei Austria beschränkte sich dies praktisch auf einen Tag. Dennoch bremsten Feldhofer und Guido Burgstaller bei der grün-weißen Derbykonferenz nicht unerwartet, stellte Burgstaller fest: „Alles, was vor dem Derby war, das zählt nicht. Es gibt keinen Favoriten!“ Ein Derbyspezialist wie er muss es ja wissen. Denn er sammelte auch in Deutschland Erfahrungen. Mit Nürnberg gegen Fürth, mit Schalke gegen Dortmund vor 82.000 Zuschauern, als sein Tor eine sensationelle Aufholjagd von0:4 auf 4:4 einleitete, mit St. Pauli gegen den Hamburger SV. Bei den Emotionen rundherum bemerkte er keine Unterschiede, nur in Hamburg wären es im Vergleich zum Frankenland, zum Kohlenpott oder zu Wien etwas weniger gewesen. Sonntag gibt es wieder das volle Programm.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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